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Wegen Ardy: Keine Umsiedlung mehr

RegionDas Hirsch-Umsiedlungsprojekt im Oberaargau wird nicht weitergeführt. Es ist zu gefährlich für den Strassenverkehr.

Dieser Bursche kennt keine Furcht: Zwei Autobahnen hat der mit einem Sendehalsband versehene Rothirsch Ardy überquert. Bei Luterbach SO sprang er über die A5, über die A1 – und marschierte schliesslich bis in den Längwald im Oberaargau. Die tierische Geschichte ereignete sich Ende Februar und sorgte landesweit für Schlagzeilen. Und sie bleibt nicht ohne Folgen, wie sich jetzt zeigt. An einer Sitzung haben die Jagdverwalter der Kantone Bern und Solothurn gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) beschlossen, das laufende Rothirsch-Umsiedlungsprojekt zu stoppen. Die Gefahr sei zu gross, dass weitere Hirsche die Autobahn überqueren könnten und es zu einem Verkehrsunfall mit schweren Folgen komme. «Ein solches Risiko wollen wir nicht eingehen», sagt der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig auf Anfrage. Schon 27 Hirsche im Wald Ursprünglich hatte der Bund innerhalb von zwei Jahren 12 Rothirsche aus dem Längwald bei Niederbipp in den Solothurner Jura übersiedeln und so die Hirschpopulation in der Region reduzieren wollen (die BZ berichtete). Im Wildraum vier (Oberaargau) wird die Zahl der Hirsche gegenwärtig auf 27 geschätzt. Ardy war das einzige Tier, das die Wildbiologen im Rahmen des Bundesprojektes einfangen und übersiedeln konnten – eineinhalb Monate später war er zurück im Längwald. Für Reinhard Schnidrig zeigt diese «erstaunliche Geschichte», dass Hirsche problemlos über die in der Regel 1,35 Meter hohen Zäune entlang der Autobahn springen und so zu einer grossen Gefahr für die Verkehrsteilnehmer werden können. «Das ist beunruhigend und macht deutlich, wie wichtig die geplante Wildquerung über die Autobahn bei Oberbuchsiten SO ist.» Betäuben und besendern Um das Bundesamt für Strassen (Astra) von der Dringlichkeit des Projekts zu überzeugen, will das Bafu zusammen mit den Kantonen Bern und Solothurn neue Wege gehen: Markieren, aber nicht mehr übersiedeln, lautet die Devise. Sobald die Bedingungen günstig sind, kehren die Wildbiologen in den Oberaargau zurück und stellen erneut den Königen der Wälder nach. Bis im Frühling 2012 wollen sie 4 bis 6 Tiere betäuben, mit Sendern ausstatten und sofort wieder freilassen. Dadurch erhofft sich der Bernische Jagdinspektor Peter Juesy «wertvolle Erkenntnisse über das Raumverhalten der Tiere im Mittelland». Wo sind die Tageseinstände der Hirsche? Wie gehen sie mit den Siedlungs- und Verkehrsinfrastrukturen um? Wie oft überqueren sie selbstständig die Autobahn? Zu diesen Fragen gebe es heute noch keine ausreichenden Antworten. Kanton will Hirsche schiessen Betäuben und besendern ist die eine Massnahme. Die andere heisst: dezimieren. Erstmals seit vielen Jahren durften die Jäger in der Region letzten Herbst Rothirsche schiessen. In diesem Jahr dürfen sie sich erneut auf fette Beute freuen. Gemäss Jagdinspektor Peter Juesy werden im Oberaargau und im Bipperamt 4 bis 6 Tiere zum Abschuss freigegeben. «Die genaue Zahl steht noch nicht fest.» Kantone spannen zusammen Ein Novum gibt es dieses Jahr ganz bestimmt: Zum ersten Mal machen die Kantone Bern und Solothurn ihre Jagdplanung für den Rothirsch gemeinsam. Man werde die Abschüsse untereinander aufteilen, erklärt Peter Juesy. Sollte den Weidmännern auf ihrem Weg durch den Wald Hirsch Ardy vor die Flinte kommen, werden sie wohl oder übel auf einen Abschuss verzichten müssen. Denn: Als Forschungsobjekt geniesst das prächtige Männchen mit dem farbigen Sendehalsband Freiheiten, von denen andere Tiere nur träumen können. Stefan Schneider>

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