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Von der Disco auf die Ballettbühne

musikSeit bald dreissig Jahren verstehen sich die Pet Shop Boys auf die Beschallung der weltweiten Discotanzflächen. Mit ihrem neuesten Werk «The Most Incredible Thing» verschlägt es sie auf die Ballettbühne.

Über hundert Millionen verkaufte Tonträger und Welthits wie «Westend Girls» oder «Go West»: Die Pet Shop Boys sind eine der erfolgreichsten Popbands aller Zeiten. Ihre tanzbaren, hymnenhaften Synthesizermelodien waren stets eigenständig, aber selten stilprägend oder sonderlich innovativ. Umso mehr haben sie mit ihrem eingängigen Sound und monumental inszenierten Videoclips und Auftritten den Massengeschmack getroffen. Nun stellen die beiden Londoner Neil Tennant und Chris Lowe ein Werk vor, das man kaum von ihnen erwarten durfte. Auf «The Most Incredible Thing» verwandeln sie eine von Hans Christian Andersens Geschichten in ein Ballett; das Stück feiert am 17.März auf der renommierten Bühne des Londoner Saddler’s Wells Theatre Premiere. Seit 2007 sassen Tennant und Low an diesem Werk, das sie dem Ballettstar Ivan Putrov auf den Leib schrieben. Inszeniert wird das Tanztheater von Javier de Frutos, der zuletzt mit der – zu den schrillen Pet Shop Boys passenden – Neuinszenierung des Musicals «Cabaret» im Londoner West End erfolgreich für Aufsehen sorgte. Mit Piano und Streichern Die drei Akte des Märchens, in der deutschen Übersetzung «Das Unglaublichste» betitelt (siehe Box), wurden von den Pet Shop Boys in 21 Stücken mit dem polnischen Wroclaw Score Orchestra vertont. Schon im Prolog der vor der Livepremiere erschienenen CD wird klar, dass man es hier nicht mit einem der üblichen Pet-Shop-Boys-Werke zu tun hat. Ein klassisches Piano und vom Streicherensemble eingespielte Partituren erlauben einen musikalischen Einblick ins beschauliche Leben des königlichen Märchenreichs. Doch schon bei der Ausrufung des Wettbewerbs um das unglaublichste Ding der Welt ertönen die seitens der Pet Shop Boys altvertrauten Synthesizer und Drumcomputer im Stakkatorhythmus – jedoch nur um alsbald wieder in nachdenkliche Klanggebilde zu zerfallen, die den Schaffensprozess der Bewohner des Königreichs untermalen. So wechseln sich über die ganze Spieldauer der Geschichte temporeiche elektronische Parts mit ruhigen akustischen Passagen ab und unterstreichen bildlich den Lauf des Stücks mit seinen Höhen und Tiefen, Festen und Tragödien. Neil Tennants prägnante Stimme ist selten (und auch dann nur stark verzerrt) zu hören. Mal feingeistig, mal brachial Mit diesem Projekt gehen die Pet Shop Boys ungewohnte Risiken ein, bewegen sich zwischen Feingeist und Brachialgewalt. Was das musikalische Schaffen der Band betrifft, kann dies durchaus auf das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz bezogen werden. Eine überraschend spannende Form der Selbstreflexion, welche Tennant und Lowe mit dem Grossprojekt «The Most Incredible Thing» präsentieren – auch wenn die Musik ausserhalb des Ballettkontexts nur schwer nachvollziehbar ist. Trotzdem: Wer hätte gedacht, dass die Dancepop-Titanen aufs Alter hin zu filigranen Künstlern fern abseits des Massengeschmacks avancieren. Patrick Sigrist;Pet Shop Boys: «The Most Incredible Thing» (Parlophone/EMI)>

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