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Vom Lebemann zum ernsthaften Künstler

Der ehemalige Architekt Kurt Knutti hat nach einer erfolgreichen Herztransplantation ein zweites

Er hat es wohl seinem grenzenlosen Optimismus zu verdanken, dass er mit 69 Jahren noch ein derart kreatives und erfülltes Leben führen darf. Gewiss: Die Ärzte, die Kurt Knutti nach dem zweiten schweren Herzinfarkt ein neues Herz einpflanzten, haben da sicherlich grosse Verdienste. Doch sie hatten auch Glück, einen Menschen vorzufinden, der fest daran glaubte, dass es noch nicht zu Ende sei. «Da müssen wir wohl den Motor auswechseln», frotzelte Kurt Knutti, als er damals von der niederschmetternden Diagnose erfahren hatte. Klinik brachte die Wende «So einfach ging es dann doch nicht», erzählt der ehemalige Architekt und heutige Kunstmaler in seinem Atelier in Hohtenn an der Südrampe des Lötschbergs. Schon nur auf die Warteliste für die Operation zu kommen, sei schwierig gewesen. Nach neun Monaten war das Organ endlich da; die Einpflanzung selber verlief erfolgreich, doch es kam zu Infektionen mit mehreren terminalen Organversagen. Ein künstliches Koma und ein Klinikaufenthalt von einem halben Jahr brachten die ersehnte Wende für den Eintritt in sein zweites Leben als ernsthafter Künstler. Zum zweiten Mal nach 2008 sind nun Werke von Kurt Knutti in der Galerie Rosengarten in Thun zu besichtigen (vgl. Kasten). Gelassenheit lässt staunen Beim Betrachten seiner Bilder ist es wichtig, sich den Werdegang des Künstlers vor Augen zu führen. Die Todeserfahrungen, die Knutti machen musste, haben seine Weltsicht nicht verdüstert. Vielmehr staunt der Betrachter über die heitere Gelassenheit, mit der er sein neues Glück und die Arbeit an seinen Werken geniesst. Wer ihn wie der Schreibende in seinem ersten Leben gekannt und danach für Jahrzehnte aus den Augen verloren hat, bemerkt den grossen Wandel und findet zugleich den Kern von «Kü» erhalten. Knutti war ein erfolgreicher Architekt, dem die Arbeit leicht von der Hand ging. Daneben war der Vater von zwei Söhnen aus erster Ehe aber auch Lebemann und kein Kostverächter. Da war eine gewisse Oberflächlichkeit in seinem Leben, Beziehungsprobleme wurden manchmal verdrängt, und dem Alkohol hatte Knutti kräftig zugesprochen. Dieser brachte ihn, so berichtet er heute freimütig und mit sich selbst schonungslos ins Gericht gehend, an den Rand des Abgrunds. Diese Zeiten hat der Künstler jetzt aber hinter sich gelassen. Er meidet alkoholische Getränke konsequent. Das junge Herz, das er empfangen durfte, entfaltet eine wundersame Kraft – nicht nur für seine junge Frau Anna, die er vor vier Jahren geheiratet hat, sondern für die ganze Umgebung. In Hohtenn hat er sich bestens eingelebt, im Gespräch ist er aufmerksam und oft von einer philosophischen Kraft, die sich aus unergründlichen Tiefen des Erlebens speist. Ein charmanter Causeur Gewiss: Ein künstlerisches Flair, das hat sich schon früh bemerkbar gemacht und liess ihn Kurse an der Schule für Gestaltung in Bern belegen. Doch erst die intensive Todesnähe prägte sein Bewusstsein bis zum totalen Neubeginn. Die Bilder, die sein Atelier verlassen, haben Kraft und Intensität. Inspirationsquellen sind die Natur im Wechselspiel mit Architektur, was den Lebenskreis doch wieder schliesst. Im Wallis haben er und seine deutsche Frau mit vereinten Kräften eines der ältesten Lärchenhäuser in Hohtenn erhalten und modernisiert. Anna ist studierte Politologin und arbeitet an der Berner Fachhochschule im Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung. Ein charmanter Causeur ist Knutti geblieben, trotzdem bleibt das Gespräch niemals an der Oberfläche kleben. Sein Humor ist ihm nicht abhandengekommen. Den Kurzbeschrieb seines Lebens beschliesst er mit der Formel: «Und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er noch heute glücklich.» Hans Trachsel >

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