Zum Hauptinhalt springen

Vincenzo und Naomi sind bereit

Im Schulhaus Lorraine werden bereits seit vier Jahren ehemalige Kleinklässler in der Regelklasse unterrichtet. Naomi und Vincenzo sind froh darüber: «Wir waren super integriert.» Nun ziehen sie nach der Neunten ein Haus weiter.

Gestern stieg die Abschlussparty der Neuntklässler des Lorraineschulhauses. Schon bald verlässt die bunte Schar ihr heimeliges Schulzimmer für immer. Darunter sind auch zwei, die vor vier Jahren aus der Kleinklasse in die Regelklasse integriert worden sind. Endlich kommt auch für sie der Start ins «richtige Leben». Frei von Wehmut ist der Schritt trotzdem nicht: «Schade, dass die Klasse auseinanderfällt», sagt Vincenzo, der bald 17 wird. Er sitzt leger auf seinem Stuhl. Auch Naomi (16) bedauert dies: «Wir haben uns sehr gerne.» Sonst aber hält die beiden nichts mehr an der Schule. Naomi freut sich auf die Lehre in einer Berner Boutique. Sie hatte Glück. Bereits mit der ersten Bewerbung klappte es, berichtet sie nicht ohne Stolz. Vincenzo möchte ebenfalls im Detailhandel unterkommen. Bis jetzt hats noch nicht geklappt. Er setzt deshalb auf ein zehntes Schuljahr. Schulleiter Andreas Kohler kennt die beiden auch als Lehrer: «Beide sind Vorbilder, vor allem sozial.» Bei den Leistungen liege der Fall etwas anders. Deshalb waren sie zwischenzeitlich in der Kleinklasse. Ab der sechsten Klasse nahmen sie dann am Integrationsprojekt der Schule teil (vergleiche Box). Von Anfang an gut dabei Vincenzo erinnert sich zurück, dass die Lehrerin nicht so streng war in der Kleinklasse. Plötzlich wurde dann nicht mehr nur das verlangt, «was wichtig war». «In der ersten Zeit habe ich viel aufgeholt, dann kam ich immer gut mit», erklärt Naomi selbstbewusst. Sie empfand die Unterschiede – vielleicht mit Ausnahme der Hauptfächer – als nicht sehr gross. «Unsere Leistungen werden aber etwas anders bewertet», ergänzt sie. In der neuen Klasse fanden sich die beiden schnell zurecht: «Es gibt immer jemanden, den man nicht gerne hat, der speziell ist. Aber das sind nicht wir», stellt Naomi fest. Heilpädagogin unterstützt Einmal pro Woche sassen die beiden mit einer Lehrerin zusammen: «Bei den Pronomen und Partikeln hatten wir zuerst ein Chaos», erzählt Naomi. Mit ein paar Zusatzblättern habe sich das schnell erledigt. Etwas mehr unternahm die Schule aber schon, wie Schulleiter Kohler anfügt. In dieser separaten Lektion sei es um das Planen der anstehenden Aufgaben und das Schliessen von Lernlücken gegangen. Während fünf Lektionen pro Woche sei die Heilpädagogin jedoch auch im normalen Unterricht präsent gewesen. Sie habe sich je nach Bedarf eingebracht, mal für eine Halbklasse, eine Gruppe oder einzeln – und längst nicht immer für die beiden integrierten ehemaligen Kleinklässler. Naomi: «Super Lösung» Die Eltern von Vincenzo werteten dessen Zeit in der Kleinklasse als Zeichen für zu geringen Einsatz. Mit dem Wechsel in die Regelklasse habe er sich in ihren Augen dann wieder mehr Mühe gegeben. Naomis Eltern waren damals über die Zuteilung in die Kleinklasse sehr unzufrieden: «Mein Vater beschwerte sich bei der Schule. Wenn es nicht zu dieser super Lösung gekommen wäre, hätte er mich rausgenommen», sagt sie. Ab kommendem Schuljahr werden auch in anderen Schulhäusern Kleinklassen aufgelöst und deren Schülerinnen und Schüler in die Regelklasse integriert. In der Lorraine ist es normal, dass verschiedene Leistungsniveaus gemeinsam unterrichtet werden. In der Klasse von Naomi und Vincenzo drückten Sekundar- und Realschüler dieselbe Schulbank. Drei der flügge werdenden Neuntklässler werden ein zehntes Schuljahr in Angriff nehmen, etwas mehr als die Hälfte der Klasse tritt eine Lehre an, und fünf besuchen bald eine höhere Mittelschule. Für Naomi und Vincenzo ist klar: «Wir waren super integriert.» Christoph Aebischer>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch