Zum Hauptinhalt springen

Vampir kam, sah und saugte

schlachthausDer Vampirschwank «Bluetsuuger»

Die Toilette des Füdlibürgers Hansruedi (Mathis Künzler) ist gleichzeitig sein Thron. Von hier aus regiert er über sein kleines Reich, zu dem seine Frau Primadonna (Grazia Pergoletti) und seine Tochter Erika (Anja Tobler) gehören. «Sein» Italiener Giovanni, der ihm jahrelang die Toilette putzte, ist verreist. Und das ist ein schöner «Schissdräck», wie er das Publikum in seinem prägnanten Basler Dialekt wissen lässt. Kurz entschlossen bestellt er eine Arbeitskraft aus dem Osten. Es kommt der Vampir Drakuslav (Diar Xani) aus Transsilvanien angereist und stellt das Leben der Familie gehörig auf den Kopf. Die Zürcher Regisseurin Christina Rast und der Berner Autor Matto Kämpf haben die Idee des Stückes, bei dem es um das Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern geht, gemeinsam entwickelt. Der Vampir dient als perfekte Angstfantasie des Schweizers vor dem Fremden. Er ist sexy, er bringt seine eigene Erde mit, und er hat ungewöhnliche Ernährungsgewohnheiten. Das aktuelle und brisante Thema wird politisch unkorrekt und mit dem für den Schwank – mittelhochdeutsch für «lustiger Einfall» – typischen volksnahen Humor garniert. So sagt Hansruedi etwa: «Mir sind Arschlöcher, ihr sind Arschlöcher, mir sind zersch da gsi.» Musikalisch untermalte Szenen, in denen die Protagonisten aus ihrem Holzhäuschen schiessen und einen Tanz ums Klo aufführen, erinnern an Filme von Benny Hill. Der Charme des Vampirs Tochter Erika verkörpert die bornierte Akademikerin, die postmoderne Hygienik an der Universität Darmstadt studiert, und Primadonna ist eine Italienerin, die – potz Pizza – einen «Passaporta svizzera» hat. Beide erliegen dem Charme des Vampirs – doch seine ersten Attacken schlagen fehl. Die überintegrierte Italienerin verjagt ihn mit ihrem nach Knoblauch stinkenden Raclette, das sie mitten in der Nacht kocht, Erika zückt die Fahne des Roten Kreuzes, um ihm die Schweiz zu erklären, worauf der dieses Symbol Fürchtende die Flucht ergreift. Das sind witzige und gleichzeitig intelligente Einfälle, die Fragen zur Integrationsdebatte aufnehmen. Wie viel müssen Ausländer von der neuen Heimat übernehmen, und wann wird es absurd? Am Ende haben alle mutiert Die Angst der Schweizer wird am Ende bestätigt. Der Vampir hat alle gebissen und sitzt nun selbst auf dem Thron und erteilt die Befehle. Alle haben letztlich mutiert: die soziale Erika zum grünliberalen Zombie, Hansruedi zum chauvinistischen Transsilvanier und der Vampir selbst zum klassischen Schweizer Bünzli. «Nur bei uns ist das Klowasser so sauber, dass man es trinken kann», übernimmt Drakuslav die Worte Hansruedis. Helen Lagger;Kommende Vorstellungen: Do–Sa, 2.–4.6., jeweils 20.30 Uhr, So 5.6., 19 Uhr, im Schlachthaus-Theater, Bern. www.schlachthaus.ch>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch