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Wenn Journalisten über Journalisten...

Der TT-Redaktor Marco Zysset über die Medienlandschaft der Schweiz.

Sollen Journalisten über Medien schreiben – und ich jetzt auch noch? Ich ­habe eine Weile mit mir um diese Frage gerungen und mich ­offensichtlich für ein Ja entschieden. Weil es in den letzten Wochen ganz viele Kolleginnen und Kollegen auch gemacht haben. Mittlerweile stapelt sich die Berichterstattung über Sparmassnahmen in grossen Medienhäusern meterhoch. Auch an den Debatten um Zukunft, Auftrag und Finanzierung der SRG gibt es derzeit kein Vorbeikommen.

Fragt sich: Interessiert die Bürger auch in dem Umfang, was in der Medienbranche derzeit läuft – oder stürzen wir Journalisten uns einfach auf das Thema, weil es uns naheliegt und wir ohne grossen Aufwand kompetente Berichterstattungen und Analysen aus dem Hut zaubern können? Falls Zweiteres der Fall sein sollte, wären wir nahe beim Selbstzweck, der nie Triebfeder des Journalismus sein darf.

«Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten»: So lautete das Credo der deutschen Journalistenlegende Hanns Joachim Friedrichs. Noch heute gilt sie als eiserne Regel der Branche – auch hierzulande. Wenn Journalisten über Medien schreiben – die «Weltwoche» stellt sich auf die Seite eines umstrittenen islamischen Predigers, weil sie damit den «Tagi» in die Pfanne hauen kann; gemeinsam kloppen alle fast wöchentlich auf die «Weltwoche» ein; sogenannte Qualitätsmedien lästern über die ­Untaten der verpönten Gratismedien –, sind wir aber genau an diesem Punkt: Journalisten machen sich mit einer Sache ­gemein. Sie sind ein Teil der Welt, über die sie schreiben.

Dieser Text soll freilich kein Plädoyer dafür sein, keine Diskussion um Form und Umfang der Leistungen zu führen, die die SRG erbringen soll, und er soll kein Aufruf sein, nicht kritisch zu beleuchten, wenn börsenkotierte Medienhäuser Millionengewinne scheffeln und derweil bei der Publizistik sparen.

Aber: Es gibt noch andere Themen als die Medienwelt in der Schweiz – die immer noch eine der vielfältigsten, freiesten und geografisch und inhaltlich fragmentiertesten der Welt ist. Es gibt auch in anderen Branchen Menschen, die um ihre Jobs bangen. Jede Minute, die in die Berichterstattung über die eigene Sache investiert wird, ist eine Minute, die zur kritischen Betrachtung eines anderen Themas fehlt. In dem Sinn sollen diese Zeilen ein Aufruf sein: Machen wir uns an die Arbeit. Lasst uns hinterfragen, aufdecken und ­einordnen. Nicht nur in der Medienbranche. Sondern dort, wo unsere Leserinnen und Leser der Schuh drückt.

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