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Weitere Puzzleteile für den Panorama-Rundweg

Seit einem Jahrzehnt weibelt Peter Dütschler für einen Panorama-Rundweg um den Thunersee. Nach anfänglichem Widerstand sind unterdessen zwei Brücken realisiert worden.

«Wir waren ambitioniert – und sind es noch», sagt Peter Dütsch­ler. Er ist Präsident des Vereins Panorama-Rundweg, der am 17. April 2007 gegründet worden ist. Und er ist vor allem Initiant und Motor der Idee eines Rundwegs um den Thunersee, bei welchem keine grossen Höhenunterschiede überwunden werden.

Jetzt, ein Jahrzehnt nach der Lancierung, zieht Dütschler ein positives Fazit. «Es hat sich ­etwas bewegt. Wir werden als seriöser Partner wahrgenommen.» Die Anfänge seien aber schwierig gewesen. Es hätte grosse Vorbehalte gegeben. «Viele glaubten, dass wir nur ein Luftschloss bauen», sagt Dütschler. Unterdessen sind die Ängste verflogen, mit offenen Armen werden Dütschler und seine Mitstreiter aber immer noch nicht überall empfangen. «Aber man spricht mit uns», sagt der Vereinspräsident. «Und das ist doch schon etwas.»

Probleme bei der erstenHängebrücke in Leissigen

Der Spatenstich für die erste Hängebrücke über den Spissibach in Leissigen erfolgte im August 2010. Schon bald gab es aber Probleme. Die Fundamente waren zu schwach, der Verein musste gegenüber dem Bauunternehmer einen Baustopp verfügen. Schliesslich konnte das 144 Meter lange Bauwerk aber im Dezember 2011 eingeweiht werden. Und es ging Schlag auf Schlag weiter.

Im Jahr darauf begannen ­bereits die Bauarbeiten an der Brücke über den Guntenbach in Sigriswil. «Sie ist das Herzstück», sagt Dütschler. Ohne sie wäre der Verein wohl auch an die finanziellen Grenzen gekommen. Nach anfänglicher Euphorie sei es immer schwieriger geworden, Gelder aufzutreiben, so Dütsch­ler. «Die Hängebrücke in Sigriswil ist ein Erfolgsmodell», sagt Dütschler. Die Besucherzahlen seien auch bald fünf Jahre nach der Eröffnung unverändert hoch.

Grosses Einweihungsfest im Sommer

Dank dem Brückenzoll konnte einerseits ein Teil der Kredite zurückgezahlt werden, andererseits gibt es finanziellen Spielraum für den Verein. Spielraum, der es beispielsweise in Beatenberg ermöglicht hat, eine neue Brücke mitzufinanzieren. Vor zwei Wochen hat der Regierungsstatthalter dem Verein Panorama-Rundweg grünes Licht erteilt, eine Hängebrücke über den Sundbach zu erstellen.

Integriert wird eine Abwasserleitung. Ein Unwetter hatte die alte Verbindung vor fünf Jahren zerstört. Die Gemeinde Beatenberg suchte nach Unterstützung – und wurde schliesslich bei Dütschler fündig. «Wenn es um Brücken geht, denkt man an uns. Das ist schön», sagt er. Die Arbeiten für die 79 Meter lange Brücke haben schon begonnen. Bereits im Sommer soll das grosse Eröffnungsfest stattfinden. «Das wird ein nächster Höhepunkt», sagt Dütschler.

In Därligen tut sich ebenfalls etwas. Dort ist der Verein in die Uferschutzplanung eingebunden – auch finanziell. «Wir können uns einbringen», sagt Dütsch­ler. Im Rahmen der Planung wird auch die Linienführung des Uferweges für Fussgänger und Velofahrer definiert. Schliesslich möchte der Verein dereinst mit einer Holzbrücke den Schifffahrtskanal queren. «Das wird ein wunderbares Bauwerk», schwärmt Dütschler, schiebt aber nach: «Bis es gebaut wird, dürfte es aber noch etwas dauern.»

Gibt es eine neueLinienführung in Oberhofen?

Lange Zeit stiess ein Brückenprojekt über den Riderbach in Oberhofen auf wenig Gegenliebe. Die Burgergemeinde als Landbesitzerin stieg von Beginn an auf die Barrikaden. «Für uns ist eine grosse Hängebrücke absolut kein Thema», sagt Rudolf Ritschard, Präsident der Burgergemeinde, auch heute noch. Diese Brücke würde nie den Nutzen bringen wie jene in Sigriswil.

Nun haben sich aber die Vorzeichen etwas verändert. Die Berner Wanderwege haben einen Weg im Gebiet Wallisport bemängelt. Die Gemeinde Oberhofen hat jetzt zusammen mit der Burgergemeinde eine Brücke geplant. Mit ihr würde der Wanderweg wieder den Vorgaben entsprechen. «Sie ist 30 Meter lang und kostet rund 150 000 Franken», sagt Gemeinderätin Beatrice Frey (SVP), welche auch im Burgerrat sitzt.

Gemeinderat und Burgerrat unterstützen den Bau der Brücke. «Das Projekt hat aber nichts mit dem ursprünglichen Vorhaben zu tun», stellt Frey klar. Noch seien nicht alle Finanzierungsfragen im Detail geklärt. Sie geht aber davon aus, dass die Brücke heuer oder spätestens nächstes Jahr gebaut wird.

Und an dieser Stelle kommt der Verein Panorama-Rundweg wieder ins Spiel: Für ihn stellt sich nun die Frage, ob er die Linienführung des geplanten Wanderweges anpassen und ihn über die neue Brücke leiten will. «Mit uns kann man reden», sagt Dütschler. «Aber die vorgesehene Route führt weiterhin durch steinschlag- und rutschgefährdetes Gebiet und wird nie kinderwagentauglich. Sie entspricht deshalb nicht den Vorgaben des Vereins für neue Streckenabschnitte.»

Mit einer Kettenbrücke über den Schiffskanal?

Aktuell in der Warteschleife sind die Querungen von Cholere­schlucht und Chelli in Thun. Dort sei man im Austausch mit der Burgergemeinde, sagt Dütschler. «Wir wollen uns aber nicht verzetteln.» Für ihn seien Brücken nicht zwingend. So sei eine fjord-ähnliche Wegführung durch die Schlucht durchaus denkbar.

Weit konkreter ist da die Querung Scherzligen in Thun. Dort könnte sich Dütschler vorstellen, dass der Verein Panorama-Rundweg die Trägerschaft einer Kettenfähre übernimmt. Hierzulande ist die Technologie noch weitgehend unbekannt. In den USA, England, aber auch in Deutschland oder den Niederlanden stehen solche Fähren jedoch teilweise seit Jahrzehnten im Einsatz.

Das Grundprinzip ist simpel: Entlang von einer oder zwei Ketten, die an Land befestigt sind, wird die Fähre von einem Ufer ans andere gezogen. Ist sie gerade nicht in Betrieb, liegen die Ketten lose auf dem Grund des Gewässers. Gemäss Projektunterlagen des Vereins könnte die Fähre von Hand ohne Motor betrieben werden. Angestrebt würde eine «teilweise oder vollständige Automatisierung». Der automatische Betrieb käme vor allem zu Randzeiten oder in der Nebensaison zum Zug.

Gemeinderat Konrad Hädener sieht die Vor-, aber auch die Nachteile des Modells: «Wie mir ein früherer Fährenbetreiber sagte, ist die Strömung der Aare im Gebiet Scherzligen für diesen Fährentyp zu stark. Zudem befindet sich dort ein Äschengebiet von nationaler Bedeutung.»

Er mache sich daher wenig Hoffnung, dass ein solches Projekt ­bewilligt werden würde. Sollten dennoch alle Hindernisse aus dem Weg geräumt sein, erachtet es Hädener als «nicht unmöglich», dass der Verein Panorama-Rundweg dereinst den Fähr­betrieb bestreitet. Der Bauvorsteher lässt durchblicken, dass der Thuner Gemeinderat in naher Zukunft einen Grundsatzentscheid hinsichtlich der Querung Scherzligen fällen wird.

Nach wie vor gilt es viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bis ein durchgehender Rundweg um den Thunersee realisiert ist. Dennoch strahlt Dütschler Optimismus aus. «Wir haben damit gerechnet, dass es rund dreissig Jahre dauern wird.» Bei dieser Annahme sei man doch ganz gut unterwegs.

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