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Weihnachtsgrüsse für die Soldaten im Aktivdienst

Im Nachlass seines Vaters hat der Landarzt Rupert Spillmann einen rührenden Brief einer Schülerin gefunden, den sie im Jahr 1941 an ihn geschrieben hatte.

Debora Stulz
Kavallerieleutnant Kurt Otto Spillmann mit seinem Pferd. Den Brief von Vreni Bärtschi bewahrte er zeit seines Lebens auf.
Kavallerieleutnant Kurt Otto Spillmann mit seinem Pferd. Den Brief von Vreni Bärtschi bewahrte er zeit seines Lebens auf.
PD

Adventszeit 1941. Rund um die Schweiz tobte der Zweite Weltkrieg. Zahlreiche Schweizer Männer konnten an Weihnachten nicht zu Hause sein, weil sie im Aktivdienst waren. Unter ihnen Kurt Otto Spillmann mit Jahrgang 1910, der zwischen 1941 und 1942 als Leutnant der Kavallerie in der Schweizer Armee diente. In dessen Nachlass fand sein Sohn, der Landarzt Rupert Spillmann aus Thierachern, einen rührenden Brief in exakter Schönschrift mit wunderschönen, herzlichen und weihnächtlichen Verzierungen.

«Es ist halt leiderimmer noch Krieg»

«Lieber Soldat, die Weihnacht ist schon wieder da, und es ist halt leider immer noch Krieg. Viele Leute mussten Haus und Heim verlassen. Wir sind doch wenigstens noch vom Krieg verschont geblieben.» Diese und weitere liebe Worte schrieb damals die Schülerin Vreni Bärtschi vom Hof Bifang in Rüegsau im Emmental an einen unbekannten Soldaten.

Vreni und viele andere Kinder haben damals, mit der Unterstützung zahlreicher Lehrpersonen, Weihnachtsgrüsse an die Soldaten an der Grenze geschrieben: «Ich wünsche dir frischen Mut und einen schönen Dienst. Ich helfe auch überall, wo es nötig ist», so die Sechstklässlerin der Sekundarschule Hasle-Rüegsau weiter.

Freundschaft begannmit einem Brief

Nachforschungen dieser Zeitung haben ergeben, dass besagte Vreni leider bereits vor einiger Zeit verstorben ist. Gefunden haben wir jedoch ihre Schwägerin, Rösli Bärtschi-Galli, geboren 1932, die heute noch auf dem Hof Bifang in Rüegsau zu Hause ist. Rösli Bärtschi, die auf einem Bauernhof im Bigenthal aufgewachsen ist, erinnerte sich gut an die Briefe an die Soldaten: «Unsere Lehrerin hat sich damals auch dafür eingesetzt, dass wir Schülerinnen und Schüler Weihnachtsgrüsse zu den Soldaten an die Grenze schickten», berichtete die Rentnerin gegenüber dieser Zeitung.

Die erste Seite von Vreni Bärtschis Brief an Kurt Otto Spillmann. Bild: PD
Die erste Seite von Vreni Bärtschis Brief an Kurt Otto Spillmann. Bild: PD

Sie weiss auch noch, dass der Soldat, dem sie damals geschrieben hatte, Ruedi Ungricht hiess und dass dank diesem Brief zwischen der Familie dieses Soldaten und ihrer Familie eine gute Freundschaft entstanden sei. Der Sohn Ungrichts sei noch viele Jahre nach dem Krieg auf dem Hof ihrer Eltern in die Ferien gekommen, berichtete Rösli Bärtschi weiter.

Harte Zeiten für Männer, Frauen und Kinder

Die Männer an der Grenze und die Frauen und Kinder zu Hause waren damals während Monaten harten Zeiten mit vielen Entbehrungen ausgesetzt. Die Kinder mussten überall helfen und ihre Mutter bei der Arbeit auf dem Bauernhof unterstützen. Für die Soldaten waren die Briefe offenbar eine wunderbare Überraschung und eine grosse Freude. Rupert Spillmann ist jedenfalls davon überzeugt: «Mein Vater hätte diesen Brief nicht bis zu seinem Tod aufbewahrt, wenn ihn die Zeilen damals nicht sehr berührt hätten», sagte Spillmann gegenüber dieser Zeitung.

«Hab noch Geduld und hüte noch das gute Schweizerland, es muss doch wieder Frieden geben. Ich wünsche dir von ganzem Herzen eine fröhliche Weihnacht und ein gutes neues Jahr.» Mit diesen Worten endet der Brief von Vreni Bärtschi. Er und die zahlreichen anderen Weihnachtsbotschaften der Kinder aus dem Emmental brachten an Weihnachten 1941 offensichtlich viel Freude und Hoffnung zu den Soldaten im Aktivdienst.

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