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Was folgt auf die Pioniertat?

Seit zwanzig Jahren werden täglich Tonnen von Gütern via «Spedithun» zu den Kunden in der Innenstadt gebracht. Was einst eine Pioniertat war, soll nun weiter entwickelt werden. Zum Beispiel mit einem Anschluss an das System von Cargo Sous Terrain.

Warenanlieferung im Bälliz. Der Mobilitätsapéro drehte sich um die Frage, wie diese «smarter», sprich effizienter, werden könnte.
Warenanlieferung im Bälliz. Der Mobilitätsapéro drehte sich um die Frage, wie diese «smarter», sprich effizienter, werden könnte.
Patric Spahni

Linus Dolder war nicht zu beneiden am Dienstagvormittag im Kino Rex in Thun: Der 15-jährige Schüler des Gymnasiums Thun, einer der Köpfe der lokalen Klimajugend, skizzierte zur Eröffnung des 16. Mobilitätspéros seine Vision einer praktisch autofreien, von (Cargo-)Velos und Fussgängern geprägten Stadt mit Gratis-ÖV.

Für manche der meist über 50-jährigen und männlichen Zuhörer waren Dolders Worte wohl mehr Utopie oder gar Provokation als Vision – verliessen einige doch den Saal schon im Anschluss an Dolders Worte.

Für Güter das Velo

Im Lauf des zweistündigen Anlasses solltes sich freilich zeigen, dass das Bild, das der Gymnasiast gezeichnet hatte, nicht nur in den Köpfen von wirtschafts- und realitätsfernen Schulkindern herumspukt, sondern mancherorts bereits in der Realität angekommen ist.

Jérôme Thiriet etwa ist Geschäftsleiter der Kurierzentrale Basel. Diese ist einer der Anbieter, die vom City Hub Basel aus die Feinverteilung von Waren in der Stadt Basel übernehmen – und mischt seit dreissig Jahren im Velokuriergeschäft mit.

«So wie Stückgut für den Transport mit Flugzeugen, Schiffen oder Lastwagen heute mit Frachtcontainern oder Paletten standardisiert ist, müsste es auch für kleinere Einheiten von ein bis zwei Kubikmetern Volumen normiert werden können», sagte Thiriet. Denn: «So könnten wir gemäss Studien bis zu zwei Drittel der Güter, die in eine Stadt gebracht werden, mit Velos oder Cargovelos transportieren.»

Cargo Sous Terrain bis Thun

Velos spielen auch in den Plänen der Cargo Sous Terrain AG eine zentrale Rolle, wie deren Präsident Peter Sutterlüti den hundert anwesenden Vertretern von Politik, Verbänden und Wirtschaft erläuterte. «Unser Angebot ist eine komplette Logistikplattform bis zum Endkunden – und nicht bloss ein Tunnel», warb er für das ambitionierte Projekt.

Es sieht vor, von Genf durchs Mittelland bis nach St. Gallen sowie von Basel bis Luzern ein vollautomatisiertes unterirdisches Transportsystem für Güter zu bauen. Ab 2021 will die Firma mit City-Logistik-Dienstleistungen an den Markt gehen, zwischen 2025 und 2030 soll die erste Teilstrecke zwischen Härkingen und Zürich gebaut werden.

Nach Inbetriebnahme dieser Strecke soll das Netz schweizweit ausgebaut werden – inklusive eines Asts von Bern nach Thun. «Dabei geht es nicht nur um den Anschluss von Thun, sondern auch um die Erschliessung des Berner Oberlands», so Sutterlüti.

Während die Waren bei Cargo Sous Terrain in einem steten Fluss unterirdisch ohne Unterbruch von Hub zu Hub fliessen sollen, will die Firma auch bei der Feinverteilung vor Ort mitmischen – und so einen Beitrag zur aktuell vielzitierten smarten Citylogistik leisten, die auch das Motto für die Veranstaltung in Thun gab. Diese Feinverteilung will das Unternehmen laut Peter Suterlüti mit «wesensgerechten» Fahrzeugen meistern – Velos, Elektrorollern oder Elektrofahrzeugen.

Thun als Pionierstadt

Als Teil des Cargo-24-Netzwerks ist der Thuner Transportunternehmer Urs Gafner bei Cargo Sous Terrain involviert. Das Konzept mit dem lokalen Hub, von welchem Güter in der Region fein verteilt werden, ist ihm indes nicht neu: Vor zwanzig Jahren hat er mit Spedithun das schweizweit erste derartige Konzept in Thun lanciert.

«Wir verteilen heute täglich rund 36 Europaletten in der Thuner Innenstadt – und mindestens 100 weitere im ganzen Berner Oberland», sagte Gafner im Anschluss an die Veranstaltung gegenüber dieser Zeitung. Im Rahmen der Podiumsdiskussion sagte Gafner, dass die Wahl des richtigen Fahrzeuges zentral sei, wolle man die Güter wirklich effizient und umweltschonend an den Endkunden bringen.

«Velos sind wichtig», sagte er – «aber es gibt Gebinde, für die Velos zu klein sind. Da wird es Zeit, dass Lastfahrzeuge, die mit Wasserstoff angetrieben werden, in den Verkehr kommen.»

Das Gebot der Stunde

Gemeinderätin Andrea de Meuron (Grüne) erklärte in ihrem Referat und der anschliessenden Podiumsdiskussion, dass Vernetzung das Gebot der Stunde sei. «Smarte Logistik ist nur möglich, wenn alle Player zusammenspannen», sagte sie. Deshalb wolle die Stadt bis nächstes Jahr «gemeinsam mit allen Akteuren» Vorschläge erarbeiten, wie das Thema in Thun konkret angegangen werden könnte.

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