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Vor 150 Jahren: 10'000 Franken für Opfer des Hochwassers

Vor 150 Jahren spendete die Thuner Bevölkerung 10'000 Franken für die Geschädigten des verheerenden Hochwassers von 1868, welches die Schweiz veränderte.

Das Hochwasser von 1868 im österreichischen Lustenau, Vorarlberg. Nebst dem Rheintal stand auch die Magadinoebene im Tessin unter Wasser.
Das Hochwasser von 1868 im österreichischen Lustenau, Vorarlberg. Nebst dem Rheintal stand auch die Magadinoebene im Tessin unter Wasser.
Wikipedia

Ende September und Anfang ­Oktober des Jahres 1868 führten zwei Starkniederschlagsphasen zu schweren Hochwassern in den Kantonen Tessin, Wallis, Graubünden, St. Gallen und Uri.

Das Rheintal und die Magadinoebene standen unter Wasser. Insgesamt starben 51 Menschen. Zum ersten Mal in der Geschichte des jungen Bundesstaates ergriff der Bundesrat die Initiative zur Bewältigung einer Katastrophe und startete am 12. Oktober einen nationalen Spendenaufruf.

Unter dem Motto «Einer für alle, alle für einen» wurden auch in Thun sogenannte Liebesgaben für die Opfer des Hochwassers gesammelt.Am 24. Oktober vermeldete das «Thuner Blatt», dass die Thuner Einwohnergemeinde eine Spende von 2000 Franken beschlossen hatte.

Und am 31. Oktober hiess es: «Thun zeigte für die Wassergeschädigten ein warmes Mitgefühl, es legte über 10'000 Fr. für dieselben zusammen.» Nebst der Spende der Einwohnergemeinde seien bei der Hauskollekte 7000 Franken und von der Burgergemeinde 1000 Franken zusammengekommen. Insgesamt wurden in der wohl erfolgreichsten Sammlung der Schweizer Geschichte circa 4 Millionen Franken gespendet.

Die schweren Hochwasser 1868 sollten die Schweiz auch politisch und gesellschaftlich prägen. So führten die Überschwemmungen zu einem Umdenken beim Waldschutz. Wasserbau- und Forstwesen wurden 1874 per Verfassungsrevision dem Bund überführt, und mit dem Wasserbaugesetz von 1877 wurden viele bis dahin frei fliessende Flüsse begradigt und Bergbäche verbaut.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:3. 10. 1868 Ausschiessen der Feldschützengesellschaft der Einwohnergemeinde Thun künftigen Dienstag, den 6., Mittwoch, den 7., und Donnerstag, den 8. Oktober.

3. 10. 1868 Der Herbstmarkt vom 30. September ist, nach den allgemeinen Klagen zu beurteilen, schlecht ausgefallen. Der Viehmarkt, die Hauptbedingung für unsere Märkte, soll gar nicht lebhaft gewesen sein, obwohl ziemlich viel Viehware aufgestellt war. Auch sonst scheint zu Handel und Kauf wenig Lust, Mut und Gelegenheit gewesen zu sein.

3. 10. 1868 Wegen Wegzug und Aufgabe des Geschäftes verkauft der Unterzeichnete seine Fassweine, Flaschenweine, Liqueurs usw. unter dem Fakturpreis und bittet daher um geneigten Zuspruch. Joh. Masshardt, zum Maulbeerbaum.

7. 10. 1868 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.95 bis 1.00. Kartoffeln per Zentner 3.00 bis 3.30. 10 bis 11 Eier für 60 Cts.

7. 10. 1868 Die hölzerne innere Allmendbrücke wird gegenwärtig durch eine eiserne ersetzt. Als am letzten Markt ein Bauer darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Notbrücke auch mit Handkarren nicht befahren werden darf, trug er seinen Karren kurzerhand auf dem Rücken über den Steg.

10. 10. 1868 Vergnügungsfahrt nach dem Oberlande für Bewohner von Thun und Umgebung, Sonntag, den 11. Oktober, zu ermässigter Taxe von Fr. 2.– per I. Klasse und Fr. 1.– per II. Klasse für Hin- und Rückfahrt mit allen regelmässigen Kursen nebst einem Extrakurs mit Abgang um 4 Uhr am Neuhaus.

14. 10. 1868 Die Stelle einer Lehrerin für die 2. Klasse der Mädchensekundarschule ist neu zu besetzen. Wöchentlicher Unterricht: 31 Stunden. Die jährliche Besoldung beträgt Fr. 1200.14. 10. 1868 In dem seiner Zeit von der Gemeinde errichteten Dörrofen im Bälliz brach letzten Samstag Feuer aus. Der Ofen war seit Jahren nicht mehr benutzt worden und hätte genau untersucht werden sollen. Durch die zersprungenen Bodenplatten gelangte das Feuer auf die Unterlage von Holz. Der Ofen musste niedergerissen werden.

14. 10. 1868 Der Verkehr der Spar- und Leihkasse in Thun hat sich für das Jahr 1867/1868 gegenüber dem Vorjahr von Fr. 1'469'196 auf Fr. 2'873'929 verdoppelt. Dass der Gewinn ein mässiger ist, kommt daher, dass dieses Geldinstitut im oberen Kantonsteil für Geldeinlagen am meisten Zins zahlt und Geld billiger ausleiht als andere.

17. 10. 1868 Die Mannschaft des Löschkorps und zugleich die Tit. Einwohnerschaft wird hie­mit in Kenntnis gesetzt, dass im Laufe der nächsten oder nächstkünftigen Woche eine Löschübung stattfinden soll, zu der nicht geboten, sondern durch Trompeten-Signal (Rappelieren) aufgeboten wird.

21. 10. 1868 Die Einrichtung von Gaslicht im Schwurgerichtsgebäude und in den Räumen von Regierungsstatthalter, Gerichtspräsident, Amtsschreiberei und Gerichtsschreiberei in Thun kostet den Kanton Fr. 1800.

21. 10. 1868 Volks-Konzert der Berner «Schnurranten-Kapelle» unter Mitwirkung des hiesigen Männerchores, Donnerstag im Falkensaal. Ertrag zu Gunsten der Wassergeschädigten in der West- und Südschweiz.

21. 10. 1868 Emil Tissot-Zehnder, Lehrer der Schreibkunst und Calligraph, wird wöchentlich drei Tage nach Thun kommen, um Schreibkurse zu erteilen.

24. 10. 1868 Den Herren Baumgart, Verwalter, Roland Engemann und Kommandant Schrämli wird auf ihr Gesuch ­hin die Entlassung aus dem Gemeinderat gegeben. An ihre Stelle werden gewählt: Merz, Baumeister; Völter, Apotheker, und Stahl, Direktor des eidg. Laboratoriums.

24. 10. 1868 Um Kosten von etwa Fr. 900 wird die Erstellung einer Erdäpfelmarkthalle in der alten Kaserne beschlossen.

24. 10. 1868 Der Vertrag des Gemeinderates mit den Unternehmern Ingenieur Studer und Mechaniker Aeschlimann zur Erstellung der Wasserversorgung wurde von der Einwohnergemeindeversammlung genehmigt und der Gemeinderat mit der Herbeischaffung der nötigen Geldmittel, Fr. 130 000, beauftragt. Die Versorgung mit genügendem und gesundem Trinkwasser bildet in vielen Beziehungen eine Lebensfrage für Thun.

24. 10. 1868 Karl Metzger, Gold- und Silberarbeiter, hat sein Geschäft in das Haus der Frau Witwe Bähler, neben der Tuchhandlung Howald, verlegt.

31. 10. 1868 Das im Sommer ­abgehaltene Kantonal-Turnfest erbrachte bei Ausgaben von Fr. 3743.76 und Einnahmen von Fr. 4037.50 einen Aktivsaldo von Fr. 293.74.

31. 10. 1868 Mit Berufung auf Artikel 28, Abschnitt VIII der Polizei-Ordnung wird den Besitzern von Hunden in Erinnerung gerufen, dass es verboten ist, Hunde nach 10 Uhr abends auf den Strassen ohne Aufsicht herumlaufen zu lassen.

31. 10. 1868 Bei der letzten Donnerstag eröffneten Handwerkerschule haben sich vorläufig 20 Schüler einschreiben lassen.

31. 10. 1868 Das Büreau des Unterzeichneten befindet sich von nun an in dem früher vom jeweiligen Herrn Helfer bewohnten Staatsgebäude beim Burgitor dahier. Der Ingenieur des 2. Bezirkes: J. Zürcher.

Quelle:Stadtarchiv Thun; Brönnimann et al. (2018): «1868 – das Hochwasser, das die Schweiz ­veränderte. Ursachen, Folgen und Lehren für die Zukunft», Bern: ­Geographica Bernensia.

(mbs)

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