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Vor 100 Jahren: Spanische Grippe erreichte Thun

Es war die erste und harmloseste von drei Wellen. Nichtsdestotrotz forderte die Spanische Grippe auch in Thun ihre ersten Opfer.

Ein Militär-Notfallkrankenhaus während der Spanischen Grippe in Kansas, USA. Medizinhistoriker vermuten, dass die Grippe in den USA ausbrach und durch Truppenbewegungen weltweit verbreitet wurde.
Ein Militär-Notfallkrankenhaus während der Spanischen Grippe in Kansas, USA. Medizinhistoriker vermuten, dass die Grippe in den USA ausbrach und durch Truppenbewegungen weltweit verbreitet wurde.
National Museum of Health and Medicine, Washington D.C./Creative Commons

Noch bevor die «Urkatastrophe» des 20. Jahrhunderts, der Erste Weltkrieg, zu einem Ende kam, erreichte die Menschen, die vor 100 Jahren lebten, schon das nächste Unheil apokalyptischen Ausmasses.

Die erste von drei Wellen der Spanischen Grippe brach im Frühjahr 1918 aus und verbreitete sich auf dem ganzen Globus. Zwar war die Sterberate des Influenza-Virus erst bei der zweiten und dritten Welle im Herbst 1918 beziehungsweise 1919 überaus hoch, dennoch forderte die Grippe im Juli 1918 auch in Thun ihre ersten Opfer.

So berichtete das «Tagblatt der Stadt Thun» am 11. Juli 1918: «Die spanische Krankheit fordert auch in Thun ihre Opfer. In der Kaserne liegen über 160 Soldaten darnieder; einer von ihnen ist gestorben.» Am 19. Juli wurde bekannt, dass infolge der Grippe eine eingerückte Infanterierekrutenschule aufgelöst und die Kranken in Quarantäne gebracht wurden.

Aus den Berichten sämtlicher Thuner Ärzte sowie der Spitäler ging dann am 22. Juli hervor, dass in Thun 464 Personen an der Grippe erkrankt waren. Bis dahin waren in Thun elf Schweizersoldaten, zwei Internierte und eine Zivilperson an der Grippe gestorben.

Weltweit forderte die Spanische Grippe zwischen 25 und 50 Millionen Todesopfer. Manche Schätzungen gehen sogar von über 100 Millionen Todesopfern aus. In der Schweiz erlagen der Grippe rund 24 500 Menschen.

Was vor 100 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

  • 2.7.1918 Adolf Wunderlich wurde als Nachfolger von Oberst Olbrecht in die Direktion der Metallwerke Selve & Co. gewählt.
  • 3.7.1918 Die Milchsiederei Berna Milk Co. hat ihren Fabrikbetrieb wegen Streik vollständig eingestellt.
  • 8.7.1918Die Stadtpolizei Thun teilt mit, dass Familien, welche keine Kartoffeln mehr haben, im Rathaus braune Bohnen zum Preis von Fr. 1.50 pro Kilo abgegeben werden.
  • 8.7.1918 Der Streik in der Berna Milk Co. ist beigelegt. Die Arbeit wurde heute wieder aufge­nommen.
  • 11.7.1918 Die spanische Krankheit fordert auch in Thun ihre Opfer. In der Kaserne liegen über 160 Soldaten darnieder; einer von ihnen ist gestorben.
  • 13.7.1918 Ernst Itten, Postbeamter, Sohn des Schulvorstehers Itten, ist an der Spanischen Grippe erkrankt und im Alter von 28 Jahren gestorben.
  • 19.7.1918 Infolge der Grippe ist die am 3. Juli eingerückte Infanterierekrutenschule aufgelöst worden. Die Kranken bleiben in Quarantäne.
  • 19.7.1918 Bei einer Übung des Pontonierfahrvereins fiel der 23-jährige Funkentelegrafist Franz Steiner beim Stauwehr aus dem Ponton und ertrank.
  • 22.7.1918 Aus den Berichten sämtlicher Thuner Ärzte sowie der Spitäler geht hervor, dass in Thun 464 Personen an Grippe erkrankt sind. Bis jetzt sind in Thun 11 Schweizer Soldaten, zwei Internierte und eine Zivilperson an der Grippe gestorben.
  • 26.7.1918 Im Schwäbis starb der bei seinen Eltern zu Besuch weilende Polizist Gottlieb Maurer im Alter von 34 Jahren an der Epi­demie.
  • 29.7.1918 Gemäss Bericht der hiesigen Ärzte ist die Zahl der Influenza-Erkrankungen in Thun zurückgegangen. Insgesamt 19 Todesfälle sind zu beklagen.
  • 29.7.1918 Die Leiche des ertrunkenen Pontoniers, Franz Steiner, ist bei Detligen gefunden ­worden.
  • 30.7.1918 Ein halbes Dutzend der liebenswürdigsten Thuner Töchter besuchte die in der Kaserne verweilenden Kranken und überbrachte ihnen grosse Körbe mit Kirschen und Blumen.

Quelle: Stadtarchiv Thun, NZZ.

(mbs)

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