Von Zauberwald bis James Bond

Mürren

28 Kinder und 11 und Betreuerinnen und Betreuer der Tagi Thun verbringen eine Lager-Woche im Jugendpavillon.

Ein Sommerlager macht Spass. Die Tagi Thun wohnt derzeit im Jugendpavillon Mürren.

Ein Sommerlager macht Spass. Die Tagi Thun wohnt derzeit im Jugendpavillon Mürren.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Es ist ziemlich eng im «Taubenschlag». Matratzen auf urchigen, von Wand zu Wand eingebauten Hochbett-Holzgestellen, offene Holzregale für alles, was man so in ein Lager mitnimmt. Der «Taubenschlag» ist einer der nach Tierbehausungen benannten Schlafräume des Jugendpavillons in Mürren, in dem die Zeit stillgestanden zu sein scheint. Gegenwärtig logieren die grösseren Buben der Tagi Thun im Taubenschlag.

Der Name trifft auch ein wenig auf den Jugendpavillon selbst zu: das langgestreckte Haus steht an einem steilen Hang oberhalb der Schilthornbahn-Station und ist nur über einen steinig-stotzigen Fussweg zu erreichen. Bevor man eintritt, steigt man über einen Zaun. «Ein ziemliches Gschlegel» sei es gewesen, sagt Tagi-Leiter Michael Dumelin.

Das Material der 28 Kinder und elf Betreuer habe die Transportgondel der Schilthornbahn bei der Ankunft am Montag bis zum Kabinendach gefüllt, und dann galt es, tausend Dinge ins Haus zu tragen: Spaghetti, Milch, Kuscheltiere, Legobausteine, Badetücher, Regenschutz, Hausschuhe, Schlafsäcke. Und dies nach einer Reise per öffentlichem Verkehr mit fünfmaligem Umsteigen.

Ungewohntes erleben

«Du musst in den Zauberwald gehen, dort ist sehr schön». Der sechsjährige Artur lächelt und will teilen, was er am Morgen Schönes erlebt hat. Ein besonderes Stück Bergwald mit Weglein und Balanciermöglichkeiten. Und dann fanden die Bubengruppe der Kindergarten-Kinder auch noch einen Schatz: kleine Bergkristalle, die sie stolz zeigen.

Die 28 Kinder, die am Tagi-Lager teilnehmen, sind fünf- bis fünfzehnjährig. Tagsüber sind sie in Gruppen unterwegs, zum Abendessen treffen sie sich. Eine bunte Mischung: grosse Mädchen, die auch schon mal wegen der Figur auf Schoggicrème verzichten, eine junge Frau mit Downsyndrom, Zweit- und Drittklässler, die nach dem Essen ihre Kuscheltiere miteinander spielen lassen, die vier Kindergärteler.

In der Tagi Thun werden von morgens ab 6.30 Uhr bis um 18.30 Uhr Kinder betreut. Einerseits werden sie, wenn sie aus verschiedenen Gründen einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, von Behörden zugewiesen, anderseits besuchen Kinder die Tagi Thun privat.

1982 eröffneten Frauenvereine und Kirchen, Pro Juventute und der Verein Kinder-, Frauen- und Familienschutz Thun die Tagi Thun, heute wird sie operativ von einer GmbH geleitet. Die Kinder besuchen meist die Regelschule, und sie sind in den Thuner Sportvereinen. Die Kleineren werden in die Trainings gebracht, bei den grösseren wird geschaut, dass sie regelmässig hingehen.

Jedenfalls, trotz Wanderung auf 1600 Meter und mehr, müden Füssen und dem Badebesuch im Alpinen Sportzentrum, gehen ein Teil der Kinder nach dem Nachtessen noch Fussball spielen.

Bond und Heimweh

Dumelin kennt Mürren privat, und das Tagi-Team hat sich bewusst für den einfach eingerichteten Jugendpavillon entschieden. Im Zentrum des Lagers sollen Zusammensein und Erlebnis stehen, dazu gehören auch Geschirrtrocknen, Geschichtenerzählen, Schachspielen.

Damit man vor den einfachen Sanitäreinrichtungen nicht Schlange steht, lässt sich das Baden und Duschen ins Alpine Sportzentrum verlegen. Am Mittwoch stand ein Ausflug aufs Schilthorn mit dem Eintauchen in die James Bond-Welt auf dem Programm. Ein Sommerlager ist bei der Tagi Thun Tradition, und das Haus an der Länggasse 26 bleibt während dieser Zeit geschlossen.

Für einige Kinder ist es eine Première, eine Woche lang von Zuhause weg zu sein; Handys blieben zu Hause. Viel unbedingt Mitteilungsbedürftiges vor dem Einschlafen war in der ersten Nacht Thema. Wenn das Heimweh auftauchen sollte, würde es einen ganz besonderen Zaubertrank geben.

Berner Oberländer

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