Vier Personen, vier Zimmer, vier Wochen

Die Stadt hat ein neues Hotel – aber keines im üblichen Sinn. Es verfügt über vier Zimmer, wird von vier Personen betrieben und ist nur während vier Wochen geöffnet.

Natalie Blaser, Kevin Kregar, Michèle Knecht und Colin Aeschlimann vor der Hotelfachschule Thun, wo sie bis Ende Monat ein Vierzimmerhotel betreiben.?

Natalie Blaser, Kevin Kregar, Michèle Knecht und Colin Aeschlimann vor der Hotelfachschule Thun, wo sie bis Ende Monat ein Vierzimmerhotel betreiben.?

(Bild: PD)

Natalie Blaser ist ein Wirtekind und hat das Gastgeberinnen-Gen von ihren Eltern erhalten. Michèle Knecht fasziniert die Vielseitigkeit des Berufs, und Colin Aeschlimann wusste schon als Kind, in welchem Sektor er seine Brötchen dereinst verdienen würde. Kevin Kregar hingegen hat bereits 16 Berufsjahre als Koch hinter sich und gehört in seiner Familie zur vierten Generation, die im Gastgewerbe und in der Hotellerie tätig ist. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie studieren an der Hotelfachschule Thun, stehen kurz vor dem Abschluss und haben sich für ihre Diplomarbeit zusammengeschlossen.

Sie konzipieren und realisieren das erste Pop-up-Hotel in Thun; ein Hotel also, das nur für kurze Zeit offen ist. Was sie in ihrer Ausbildung in den Fächern Unternehmensführung, Pricing und Budget sowie Marketing gelernt haben, können sie nun in die Praxis umsetzen, unterstützt von den Lehrerinnen und Lehrern der Hotelfach­schule.

Unterschiedliche Grösse, gleiche Arbeit

«Wir haben zwar nur vier Zimmer», sagt Colin Aeschlimann. «Aber die Arbeit wäre im Grundzug dieselbe, wenn wir 50 Zimmer hätten.» – «Wir mussten uns beispielsweise überlegen, wie wir die Zimmer möblieren wollen und wie wir zu den Möbeln kommen», ergänzt Natalie Blaser. «Das Erstellen von Checklisten, Ablauf- und Einsatzplänen war eine weitere Aufgabe», ergänzt Michèle Knecht. «Hinzu kam die individuelle Gestaltung der Zimmer», wirft Kevin Kregar ein.

Die Hotelzimmer sind 16 Quadratmeter gross und verfügen über ein Doppelbett, WC und Dusche und werden normalerweise von Studierenden benutzt, die auf dem Campus der Hotelfachschule Thun wohnen. Jedes Zimmer trägt den Namen eines Sees aus einer der vier Sprachregionen: Thunersee, Lago Maggiore, Lac Léman und Crestasee. Mit Schwemmholz und weiteren Gegenständen wird der Bezug zum Namen gemacht.

Das Minihotel hat den Namen Quattier erhalten: ein Wortspiel aus der französischen, der italienischen, der rätoromanischen und der deutschen Bezeichnung für die Zahl 4. Und nebenbei ähnelt es dem Wort Quartier, das die Gäste in der Hotelfachschule erhalten.

Nicht für längere Aufenthalte

Das Hotel ist nicht für Leute gedacht, die längere Zeit in Thun Station machen wollen – dafür sind die Zimmer zu klein, und die vier Studierenden können auch nicht den Service anbieten, der gleich gegenüber im Seepark zum Standard gehört.

Ansprechen wollen sie vielmehr Leute, die einen gewissen Abenteurergeist haben, auf der Durchreise sind und die Gefallen finden an einem Angebot, das es nur für kurze Zeit gibt, nämlich während dieses Monats, wenn der Campus wegen der Ferien nicht benutzt wird. Werbung machen Blaser, Knecht, Aeschlimann und Kregar auf den sozialen Medien. Sie konnten bisher schon einige Buchungen entgegen­nehmen.

Das Quattier-Projekt steht nicht isoliert da, sondern ist quasi der Testlauf für ein grösseres Vorhaben: In den nächsten zwei Jahren entstehen in den bestehenden Gebäuden der Hotelfachschule Thun ein Hotel und Serviced Apartments.

Bei Letzteren handelt es sich um komplett möblierte Wohneinheiten, die über eine Küche verfügen und hotelähnliche Dienstleistungen bieten. Das Laborhotel wird über 50 Hotelzimmer und knapp 20 Serviced Apartments verfügen, welche vor allem auf längere Aufenthalte ausgerichtet sind. Eine moderne Restauration, eine Kaffeebar sowie Co-Working-Spaces, die zum Arbeiten und Ausbilden ausgerichtet sind, ergänzen das Gesamtangebot.

Im Laborhotel und in der Laborgastronomie werden neuste Techniken, Materialien und Konzepte systematisch getestet. Das Hotel wird unter Mithilfe der Studierenden betrieben. Die Studenten setzen nicht nur gelernte Theorie in die Praxis um, sondern erfahren auch die neusten Erkenntnisse der Hotelentwicklung und betreiben gleichzeitig mit ihren Fachlehrern Innovationsentwicklung.

Gemeinsam mit Branchenpartnern aus Hotellerie und Gastronomie werden im Laborhotel Ideen zu Nachhaltigkeit, Schlafen, Digitalisierung, Community und neue Servicequalität getestet.

quattier.jimdosite.com

Thuner Tagblatt

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