Verkehr in der Innenstadt geht zurück

Thun

Nach dem Ende der Bauarbeiten an Bern- und Lauitor ziehen Vertreter von Stadt und Kanton Bilanz. Fazit: Der Bypass Thun-Nord entfaltet die erwünschte Wirkung.

Auf der Achse Kuhbrücke-Guisankreisel sind die täglichen Fahrten in den letzten fünf Jahren von 16'500 auf 10'100 zurückgegangen.<br><i>(Archivbild/Manu Friedrich)</i>

Auf der Achse Kuhbrücke-Guisankreisel sind die täglichen Fahrten in den letzten fünf Jahren von 16'500 auf 10'100 zurückgegangen.
(Archivbild/Manu Friedrich)

«Wir haben allen Verkehrsteilnehmenden in den letzten vier Monaten viel zugemutet. Es war im Minimum eine Geduldsprobe, für viele aber auch ein riesiges Ärgernis.» Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) machte an der Medienkonferenz am Donnerstag deutlich, dass er den Unmut und die Kritik, welche die Bauarbeiten an Berntor, Lauitor und Burgstrasse in Thun ausgelöst haben, durchaus auch in Bern wahrgenommen hat. Der Verkehrsdirektor sagte aber ebenso, dass für den Kanton als Bauherr letztlich alles glimpflich verlaufen sei: «Wir haben es eher schlimmer erwartet.»

Sie gaben an der Medienkonferenz Auskunft: (v.l.) Kreisoberingenieur Markus Wyss, Regierungsrat und Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus, Thuns Bauvorsteher Konrad Hädener und René Wüthrich, Projektleiter Berntorplatz beim Oberingenieurkreis. (Bild: Patric Spahni)

Die Stadt Thun und der Kanton hatten zur Orientierung geladen, um zurück- (vgl. Kasten «Baustellen Bern-/Lauitor») und nach vorne, aber auch in die Gegenwart zu blicken. Kurz nach dem Ende der erwähnten Bauarbeiten wurde es Zeit, Bilanz zu ziehen – und die fällt mehrheitlich positiv aus. «Die ehrgeizigen Ziele bezüglich Verkehrsentlastung werden erreicht. Die gewünschte Verlagerung findet statt», erklärte Neuhaus. Er erinnerte daran, dass die beiden Einbahnabschnitte in der Innenstadt und der Bypass Thun-Nord eine «untrennbare Einheit» bilden. Nur mit diesen zwei Faktoren zusammen lasse sich bewerkstelligen, dass die Staus für den Privatverkehr abnähmen, die Busse ihren Fahrplan einhalten könnten und für Velofahrende bessere Verhältnisse entstünden.

Entlastete Innenstadt

Mit einer ganzen Reihe gesammelter Zahlen und Daten aus mehreren Verkehrszählungen unterstrich Kreisoberingenieur Markus Wyss die Verlagerung, von der Neuhaus sprach. Die neue Alpenbrücke des Bypass Thun-Nord verzeichnet mittlerweile 14'400 Fahrten pro Tag – Tendenz weiterhin steigend. Die neue Parallelstrasse zur Bernstrasse in Steffisburg, die auf den Autobahnzubringer und die Alpenbrücke führt, wird zudem von täglich 7800 Fahrzeugen frequentiert. «Der Bypass wird stark genutzt – mehr als wir erwartet hatten», erläuterte Wyss. Die Kapazität der neuen Verbindung sei hoch, sodass auch eine weitere Verkehrszunahme problemlos bewältigt werden könne.

Auf den beiden Achsen Kuhbrücke Richtung Guisankreisel und Bahnhofbrücke Richtung Lauitor in Thun ist die Zahl der täglichen Durchfahrten innert der letzten fünf Jahre wiederum von 16'500 auf 10'100 respektive von 15'300 auf 9800 gesunken. «Unser Ziel war an beiden Orten ein Wert von 10'000 Fahrten pro Tag. Den haben wir erreicht», so Wyss. Auch auf der Bernstrasse in Steffisburg, auf welcher der Verkehr früher immer mal wieder stockte, sank der Wert – nach der Inbetriebnahme der neuen Parallelstrasse und der Alpenbrücke – sukzessive von 27'400 auf 18'600 Fahrten.

«Die Gewinner dieser Entwicklung sind die generell entlastete Thuner Innenstadt und das rechte Seeufer, da der Verkehr dank des neuen Berntorkreisels und im Bereich Stuckikreisel nun weitgehend staufrei rollt», resümierte der Kreisoberingenieur. Gleichzeitig sei die zu erwartende Mehrbelastung der Stockhornstrasse in Steffisburg (2014: 10'400 Fahrten, Januar 2019: 12'100) weniger stark ausgefallen als befürchtet.

Lauitor weiterhin Nadelöhr?

Hinsichtlich der Fahrzeiten im abendlichen Stossverkehr zeigte Wyss auf, dass die Fahrdauer vom A6-Zubringer in Steffisburg bis zum Stuckikreisel zwischen 2014 und Januar 2019 von gut 6 auf gut 2 Minuten abgenommen hat. Auch vom Lauitor bis zum Stuckikreisel verkürzte sich die Reisezeit um knapp zwei Minuten. Von der Bächimatte zum Lauitor indes nahm der Wert von 2 auf 3 Minuten zu, wobei die Messung noch zur Zeit vor dem neuen Berntorkreisel gemacht wurde. Dennoch gab Wyss zu, dass diese Zahl den Kanton verunsichert habe. Erste Messungen von Anfang dieser Woche zeigten hingegen ein anderes, staufreieres Bild.

Mit Blick auf die kürzlich eingereichte Petition von Bürgerinnen und Bürgern des rechten Seeufers sagte Wyss jedoch: «Wir nehmen diese Kritik sehr ernst und beobachten die Situation weiterhin.» Die geforderte Aufhebung des Einbahnregimes vom Maulbeerkreisel zum Lauitor sei aber nicht geplant. In seinem Schlussvotum äusserte sich zudem auch Regierungsrat Neuhaus zu einem Brief, den er erhalten habe und in dem ein Hübelitunnel gewünscht worden sei. «Das ist in den nächsten Jahren kein Thema», sagte Neuhaus.

Thuner Tagblatt

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