Thun fest in Hand der Schützen

Daneben wurde sogar die erste Mondlandung fast zur Nebensache: Das Eidgenössische Schützenfest war im Juli 1969 das dominierende Thema in Thun.

Auch der zweifache Olympiasieger Gary Anderson aus den USA war am Eidgenössischen Schützenfest in Thun dabei.

Auch der zweifache Olympiasieger Gary Anderson aus den USA war am Eidgenössischen Schützenfest in Thun dabei.

(Bild: Manuel Berger / TT Archiv)

Nur zwei Monate nach der Eröffnung der neuen Schiessanlage Guntelsey fand in Thun das 49. Eidgenössische Schützenfest statt, zu dem fast 84'000 Schützen pilgerten. Der vom 7. bis 27. Juli dauernde nationale Grossanlass war auch im «Thuner Tagblatt» das dominierende Thema. Nebst Berichterstattungen im Lokalteil erschien täglich mindestens eine Sonderseite mit Aktuellem, Hintergründigem und Resultaten.

Was rund um und neben dem Schützenfest vor 50 Jahren für Schlagzeilen sorgte:

4.7.1969: Unter der Leitung von R. Mühletaler, Präsident, führte das Heimatschutz-Theater seine Hauptversammlung im Hotel Freienhof durch. Das Theater trat in der vergangenen Saison 23 Mal mit 6 verschiedenen Stücken in nah und fern auf, was einen neuen Rekord bedeutet. Einstimmig wurde der gesamte Vorstand, der von 7 auf 9 Mitglieder erweitert wurde, für eine weitere Amtsdauer bestätigt.

4.7.1969: Das ehemalige Restaurant Windsor im Haus Kino Rex wurde umgebaut, neugestaltet und in ein neues Pub-Restaurant umgewandelt. Das neue Rex-Pub wird geleitet von Franz Marti. Im Sous-Sol befindet sich eine Scotch-Bar.

4.7.1969: Das bereits 100-jährige Gebäude der Molkerei in Allmendingen, seit 15 Jahren geleitet von der Familie Scheidegger, wurde umgebaut und wieder eröffnet. Das Haus beherbergte bereits eine Wirtsstube, einen Spengler, ein Coiffeurgeschäft und einen Baumeister. Vor 25 Jahren wurde eine Molkerei installiert.

4.7.1969: Der bisherige Direktor des Hotels Elite/Sädel, Guido Loosli, musste aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Die Brauerei Zum Gurten übergab die Oberleitung über Hotel und Restaurant an ihren bewährten Geschäftsführer im Bären, Rudolf Pfister. Als Spezialist im Hotelfach steht ihm Thomas Christen zur Seite.

7.7.1969: Dr. P. L. Ganz stellte im Schloss Schadau eine vielfältige Schau zusammen, die einen Überblick über das Schiesswesen in den vergangenen 500 Jahren zeigt. Neben Grafiken und Werken von F. Hodler, Traffelet oder M. Distel im Zusammenhang mit dem Schiesswesen ist eine wertvolle Schützenmonstranz der Schützengesellschaft Stans, die den heiligen Sebastian darstellt, zu bewundern. Diese stammt aus dem Jahr 1796 und weist einen Versicherungswert von Fr. 50'000.– auf.

8.7.1969: Mit dem Armeewettkampf wurde das 49. Eidgenössische Schützenfest, das vom 7.7. bis 27.7. dauert, eröffnet. Von den 26'000 Wehrmännern, die am Ausscheidungsschiessen teilnahmen, wurden 2172 in 543 Gruppen für den Armeewettkampf ausgewählt. Als Ehrengast erschien Bundesrat Gnägi und erzielte beim Schiessen mit einer ihm unbekannten Waffe 39 Punkte, darunter 2 Fünfer.

8.7.1969: In der Atelier-Galerie stellt der Maler Hans von Gunten, Merligen, eine Reihe seiner vielfältigen Werke aus. Er ist Vertreter des Impressionismus mythischen Gehaltes, und das Spiel von Licht und Schatten verleiht den Gemälden einen überirdischen Glanz. Die selbstgefertigten, dunklen Rahmen verstärken diese Eindrücke. Daneben sind Motive von Bergen, Bewohnern der Wüste und Kameltreibern ausgestellt.

11.7.1969: Ein Dutzend Schützen aus Pfäffikon marschierte als Reisläufer 160 km zu Fuss nach Thun, um am Schützenfest teilzunehmen. In alten Uniformen und mit der Schiess-Standarte, einem Trommler und einem alten Wägelchen machten sie eine Ehrenrunde durch die Thuner Innenstadt.

11.7.1969: Das Restaurant Frohsinn an der Kasernenstrasse wurde renoviert. Als vor 15 Jahren Alfred Aebersold die Liegenschaft kaufte, installierte er eine Heizung, und die Kegelbahn wurde ausgebaut. Vor einem Monat entschloss sich der Besitzer zu einer Generalrenovation, die nun abgeschlossen wurde. Auf der alten Waage vor dem Haus wird noch heute Getreide, Obst und manchmal Vieh gewogen.

14.7.1969: Zürcher Ehrendamen überbrachten am 16. Juli die Eidgenössische Schützenfahne, die während 6 Jahren in Zürich weilte, nach Thun, wo sie OK-Präsident Ernst Walther an den neuen Thuner Fähnrich Fred Stoller, Instruktions-Offizier, übergab. Am 12. Juli trafen die Delegationen vom Tessin, vom Wallis, von Neuenburg, Freiburg, Waadt und Genf in Thun ein und bildeten einen rund 1300 Teilnehmer zählenden Umzug.

16.7.1969: Am 15. Juli war der offizielle Tag des Eidgenössischen Schützenfestes. Aus diesem Anlass wird der historische Umzug «150 Jahre Waffenplatz» wiederholt, der am Auftakt des Festes bereits zu sehen war. Als Ehrengäste marschierten die Bundesräte L. von Moos, H. Schaffner, R. Gnägi und Alt-Bundesrat P. Chaudet an der Spitze des Festumzuges mit.

17.7.1969: Die Ostschweizer Kantone Graubünden, beide Appenzell, Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen trafen in Thun ein. Die Klausengruppe aus Stein, Appenzell Innerrhoden, reiste von den Appenzeller Bergen nach Thun und zeigte den Thunern ihren originellen Alpaufzug in natura.

18.7.1969: Gary Anderson, 2-facher Olympiasieger, zeigte dem Publikum, was Schiessen ist. In 20 Liegendschüssen verzeichnete er ebenso viele 10er. Im Kniendprogramm erreichte der Amerikaner in der 1. Passe eine 9 und weitere neun 10er. In der 2. Passe erzielte er 99 Punkte, was ein Total von 198 ergibt. Im Stehen erreichte er Passen von 94 und 96 und erreichte damit eine Gesamtpunktzahl von 588 Punkten.

21.7.1969: Am 18. Juli trafen die Delegationen aus der Innerschweiz, bestehend aus den Kantonen Uri, Schwyz, Nid- und Obwalden, Luzern, Glarus und Zug, in Thun ein, um am Schützenfest teilzunehmen. Sie gestalteten einen farbenprächtigen Umzug mit viel Kriegslärm.

21.7.1969: Im Juni meldeten sich 6 stellenlose Personen, von denen keine versichert war.

22.7.1969: Bei besten Windverhältnissen wurden die Wettfahrten zur Drachen-Europameisterschaft auf dem Thunersee aufgenommen. 13 Nationen nehmen an der Meisterschaft teil. 100 Segler in 33 Booten eröffneten die erste Regatta, mussten aber im Längenschachen über eine Stunde auf Westwind warten. Der russische Titelverteidiger Anisimow gewann das erste Rennen klar.

22.7.1969: Nun trafen auch die Kantone Aargau, Solothurn und die beiden Basel in Thun ein. Viel Beifall erhielten die Aarauer Frauen und Töchter, die den Meitli-Sunntig am Umzug darstellten. Der Brauch stammt aus dem Jahr 1712 im 2. Villmergerkrieg, als die Frauen den Kriegern mit allen möglichen Kriegsgeräten zu Hilfe eilten. Nach geschlagener Schlacht gingen die Frauen am Meitli-Donnerstag auf Männerjagd aus.

22.7.1969: Die neue Fussgänger-Lichtsignalanlage an der Kreuzung vor der Migros Dürrenast wurde dem Betrieb übergeben. Es handelt sich um die erste derartige Anlage in Thun. Man hofft, damit die vielen Unfälle an dem berüchtigten Übergang zum Verschwinden zu bringen.

22.7.1969: Das sommerlich wunderbare Wetter brachte dem Strandbad Thun Rekordergebnisse. In einer einzigen Woche besuchten über 50'000 Badelustige das Strandbad Thun. Im vergangenen Jahr besuchten während der ganzen Saison insgesamt 112'000 Personen das Bad.

24.7.1969: Über 500 Jungschützen nahmen am Jungschützentag im Schnittweiher teil. Die goldene Uhr des SSV für den besten Jungschützen gewann mit 289 Punkten Fredy Gerber aus Binningen. «Beatles-Mähne hin oder her – ein solcher Wuschelkopf liess es sich nicht nehmen, gerade 3 Goldabzeichen herauszuschiessen! Da staunt sogar der Laie!»

25.7.1969: Am 19. Juli wurde in Lindau am Bodensee die 5. Ausstellung «Kunstschmiedearbeiten» eröffnet. Die Stadt Thun ist mit zwei Arbeiten vertreten. Karl Stump stellt einen eisernen Kerzenleuchter aus, und Giacomo Semadeni ist mit einer Wandplastik in Stahl und Baubronze vertreten. Die Plastik heisst «Die viersprachige Schweiz», und die äusseren Umrisse sollen an die geografische Form der Schweiz erinnern.

26.7.1969: Laut Jahresbericht besuchten im vergangenen Jahr 37481 Interessierte das Historische Museum im Schloss Thun. Einen besonders kostbaren Ankauf bildet die Freundschafts-Buntscheibe Kaspar von Graffenrieds (1574 bis 1627), Schultheiss von Thun und Hauptmann der Mannschaft von Thun, Interlaken, Unterseen und Hasle. Oberst Jakob Nobs, Fabrikant in Thun, überliess dem Museum seine von 1904 bis 1938 getragenen Uniformen vom Leutnant bis zum Oberstengrad.

28.7.1969: Durch taktisch richtiges Segeln sicherte sich Alex Holm, Dänemark, die Europameisterschaft der Drachenklasse. Titelverteidiger Anisimow belegte den 3. Schlussrang. A. Wittwer aus Thun belegte als bester Schweizer den 10. Rang.

28.7.1969: Im Rahmen des Eidg. Schützenfestes wurde mit einem prächtigen Umzug der Bernertag durchgeführt. Der Jura zeigte folkloristische Gruppen, das Mittelland eine Dragoner-Gruppe zu Pferd aus dem Jahr 1898. Das Seeland war mit Roms Prätorianern, die die Weinkultur an den Bielersee brachten, römischen Soldaten und der Gestalt des Weingottes Bacchus vertreten.

29.7.1969: Mit dem Schützenkönig-Ausstich in der neuen Anlage Guntelsey ging das grösste Schützenfest aller Zeiten zu Ende. Neuer Eidg. Schützenkönig über 300 m wurde Josef Schmid, Wettingen. Sein Vorgänger August Hollenstein aus Bettwiesen gratulierte seinem Nachfolger. Fred Michel wurde Schützenkönig über 50 m. Basel, Schaffhausen und Zürich wurden Ständematch-Sieger.

Quelle: Stadtarchiv Thun.

Thuner Tagblatt

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