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Stiftung rettet zweites Altstadthaus

Die Stiftung Domus Historicus hat in der Thuner Altstadt ein zweites Haus übernommen, saniert und der Spekulation entzogen. Der Ursprung war ein Traum von Versicherungsfachmann Walter Schneider.

Das Schönholzer-Haus am Bärenplatz: Auch dieses Gebäude konnte die Stiftung Domus Historicus übernehmen und sanieren.
Das Schönholzer-Haus am Bärenplatz: Auch dieses Gebäude konnte die Stiftung Domus Historicus übernehmen und sanieren.
Nelly Kolb

«Ich hatte immer eine Affinität zu historisch bedeutsamen Gebäuden», sagt der Versicherungsfachmann Walter Schneider. Es habe ihn auch immer gestört, wenn ein solches in die Hände von Spekulanten geraten sei.

Das befürchtete er für das 1873 erbaute vierstöckige markante Gebäude an der Ecke Obere Hauptgasse/Kreuzgasse. Kurze Zeit vor dessen bevorstehender Zwangsversteigerung 1994 träumte Schneider, dass dies durch eine Stiftung verhindert werden könnte.

Am nächsten Morgen entschloss er sich, diesen Traum wahr zu machen. Die eingetragene und damit rechtsgültige Domus-Historicus-Stiftung (DHS) gelang dies nur kurz vor der Versteigerung, bei der sie den Zuschlag bekam. «Das war nur dank Mithilfe eines zweiten Stiftungspartners und eines Juristen möglich; es war ein ganz besonderes Erlebnis und Gefühl», erinnert sich Walter Schneider.

Um die Kreuzgasse verbreitern zu können, kaufte die Stadt die Gebäudezeile mit vier Häusern aus dem 19. Jahrhundert, brach sie ab, baute zurückversetzt neue Gebäude und verkaufte drei davon. Das von der Stiftung ersteigerte private Eckhaus umschliesst quasi das stadteigene Oberherren-Zunfthaus, in dem sich die Bijouterie Willy Engel befindet. Das DHS-Gebäude ist bei der älteren Bevölkerung als Scherer-Müller-Haus bekannt.

Objekt 1 erfolgreich

Nach der Konzentration auf Ordnung und Sauberkeit im Haus folgten sanfte Renovierungsarbeiten. «Ein bisschen» stolz sei der Stiftungspräsident auf den Einbau eines massgeschneiderten Personenliftes im Lichthof.

Dieser habe sich bewährt und werde von den Bewohnern hoch geschätzt. Im Rahmen der sozialen Stiftungstätigkeit konnte 2003 für den Thuner Mädchentreff im Kellergeschoss auf der Seite Aarequai Raum geschaffen werden. Heute ist das Wohn­geschäftshaus voll vermietet und selbsttragend.

Objekt 2 vor dem Abschluss

Eher zufällig erfuhr die Stiftung (vgl. Infobox) via Internet vom zum Verkauf stehenden Schönholzer-Haus am Bärenplatz. Die Stiftung DHS kaufte es 2016 – im Wissen, dass der Sanierungsbedarf hoch sein würde.

Unter anderem waren das Dach undicht, sämtliche sanitären und elektrischen Leitungen veraltet, und das Haus hatte keine Heizung. «Eigentlich wollten wir das im 19. Jahrhundert und 1907 von Grossvater Fritz Schönholzer erbaute Gebäude aus Kostengründen in Etappen sanieren», schildert Walter Schneider.

Schnell zeigte sich, dass das wenig sinnvoll war und die Sanierung besser in einem Zuge erfolgen sollte. «Dank wohlwollender Unterstützung der Lokalbank konnte die Finanzierung gesichert werden», zeigte sich Schneider erleichtert. Die baufachliche Kompetenz und Beratung holte sich die Stiftung bei Daniel Gerber (Innenbau Trend GmbH, Allmendingen).

Die Gesamtsanierung soll in drei Monaten abgeschlossen sein. Drei Wohnungen sind bereits vermietet und bezogen. Die heutige Küche des City-Thai-Restaurants wird neu ins Soussol verlegt. Im 1. OG entsteht Ende März ein Kosmetiksalon.

Mit der Stadt wurde für den Bereich unter dem Bärenplatz (früher Backstube und Lager) ein verzinsliches Baurecht vereinbart. Im Keller befinden sich nebst der Restaurantküche technische Anlagen (Gasheizung, Lüftung) und die Waschküche. Separat ist eine lokale Seitan-Produktion installiert. Ein Teil ist oder wird vermietet.

Froh über diese Lösung

Die umfassende Sanierung hat rund eine Million Franken gekostet. Das hätte der Vorbesitzer, ­Bäckermeister Niklaus Schönholzer, nicht stemmen können. «Ich bin froh über die gefundene Lösung», hält er fest. Er musste die Bäckerei aus wirtschaftlichen Gründen schliessen und das Haus verkaufen.

Er sei erleichtert, dass der Käufer kein Spekulant sei und ihm sogar das Wohnrecht für ein Einzimmerstudio zugestanden habe. «Zwar sind wir finanziell noch immer im grünen Bereich, wollen nun aber konsolidieren – und trotzdem mittelfristig für Neues offen sein», sagt Walter Schneider. Das nun sanierte Altstadthaus soll ebenfalls möglichst bald selbsttragend sein.

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