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Sie hegen und pflegen die Reben im Herzogenacker

Am sonnigen Hang im Herzogenacker wachsen Reben, und auf dem Trockenstandort daneben weiden Ziegen. Aus den verbuschten Fluren entstand eine ökologisch wertvolle Kulturlandschaft.

Sylvia Kälin
Rebberg und Trockenstandort: Hoch oben im Herzogenacker in Gunten entstand eine landschaftsästhetisch wertvolle Kulturlandschaft, realisiert von Anita Knecht im Auftrag des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee sowie Landwirt Kaspar Saurer (Mitte) und Hobbywinzer Marc Marti.
Rebberg und Trockenstandort: Hoch oben im Herzogenacker in Gunten entstand eine landschaftsästhetisch wertvolle Kulturlandschaft, realisiert von Anita Knecht im Auftrag des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee sowie Landwirt Kaspar Saurer (Mitte) und Hobbywinzer Marc Marti.
Sylvia Kälin

Für einmal unterstützte der Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee (UTB) kein Projekt am Wasser, sondern im steilen Gelände. Im Herzogenacker in Gunten übernahm er die Trägerschaft zur Schaffung einer Landschaft mit besseren Bedingungen für Flora und Fauna. Kernstück ist ein potenzieller Trockenstandort im östlichen Teil des gut zwei Hektaren grossen Hanges, der dem Guntner Marc Marti gehört.

Steilhang wurde zur Weide

Das Thuner Planungsbüro Impuls AG wurde beauftragt, ein Projekt zur Wiederherstellung des völlig überwachsenen Geländes zu erarbeiten. An einer Be­gehung für Beteiligte und Sponsoren erläuterte Projektleiterin Anita Knecht die Umsetzung, die vor gut drei Jahren in Angriff genommen worden war. «Gemeinsam mit den Forstbetrieben Sigriswil mussten wir einen Zugang zum Gelände schaffen und den angehenden Trockenstandort entbuschen», sagte sie.

Marc Marti, der im Begriff war, auf der Parzelle nebenan einen Rebberg anzulegen, bot Hand für eine Zusammenarbeit. Aus dem Steilhang wurde eine Weide, auf der im Sommer Ziegen und später einmal Schafe grasen. «Das wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus», machte Anita Knecht deutlich. Sie hoffe, schob sie nach, dass sich durch die Massnahmen auch die einheimischen Orchideen wieder etablieren würden, die dort einst blühten.

Die sieben Geissen gehören dem Ringoldswiler Kaspar Saurer. Der Landwirt und Dachdecker pachtet das Land von Marc Marti, dessen Reben auf dem westlichen Teil des sonnigen Hanges wachsen. «Hier standen schon vor zweihundert Jahren Weinstöcke», sagte der Hobbywinzer.

Weil die schwierige Nutzung aufgegeben wurde, verbuschte das Land im Laufe der Zeit. Marti rodete es in aufwendiger Handarbeit. Vor vier Jahren setzte er auf dem nicht terrassierten Terrain 2500 Rebstöcke der italienischen Traubensorten Nebbiolo, Moscato und Cornalin. Die Reben bewirtschaftet er nach biodynamischen Richtlinien.

Kräuter statt Chemie

«Gegen Schädlinge und Krankheiten verwende ich Auszüge aus Brennnesseln oder Schachtelhalm», präzisierte der 51-Jährige. Bewässert wird mit Regenwasser, das eine Zisterne im selbst erbauten Schafstall auffängt. Die Anfangsschwierigkeiten habe er erfolgreich gemeistert, resümierte Marc Marti, der als Regisseur für das Schweizer Fernsehen arbeitet und daneben Mitglied des Sigriswiler Gemeinderates ist.

Er überlegt sich nun, ebenfalls Schafe anzuschaffen. «Die Rasse Skudden eignet sich ganz besonders für die Beweidung von Rebbergen», so Marti, der hofft, dieses Jahr die erste kleine Ernte einfahren zu ­können.

Die Kosten für das Projekt bezifferte Projektleiterin Anita Knecht mit rund 100 000 Franken. «Dazu kommen unzählige Stunden Freiwilligenarbeit», ergänzte sie. Die Mittel für den Trockenstandort kommen grossmehrheitlich aus dem Ökofonds Energie Thun und dem Fonds Landschaft Schweiz.

www.u-t-b.ch

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