Vor Einbrechern erschrocken – Mann fiel Treppe hinunter

Zwei Männer waren im März 2017 in ein Wohnhaus in Thun eingebrochen. Ein ­Bewohner kam heim und erlitt in der Folge eine gravierende Schulterverletzung, die sein Leben veränderte.

Zwei Einbrecher standen in Thun vor Gericht (Symbolbild). Bei ihrer Tat verletzte sich ein Bewohner des Hauses bei einem Treppensturz.

Zwei Einbrecher standen in Thun vor Gericht (Symbolbild). Bei ihrer Tat verletzte sich ein Bewohner des Hauses bei einem Treppensturz.

(Bild: iStock)

Rechtsanwalt Stefan Schmutz sagte in seinem Plädoyer als Vertreter des Privatklägers beim ­Regionalgericht Thun: «Seine Schulter erinnert ihn immer wieder daran, was geschehen ist.» Sein Mandant erlitt eine irre­versible Knorpelverletzung im Schultergelenk; Vibrationen aushalten, Gewichte über fünf Kilo tragen und über dem Kopf arbeiten geht nicht mehr. Grund für die Verletzung ist ein Treppensturz.

Als er Anfang März 2017 mittags von der Schichtarbeit heimkehrte, überraschte er zwei Männer, rund um die dreissig, bei einem Einbruchdiebstahl. Zuerst hielt er sie für Kollegen eines Mitbewohners, dann aber wurde er von einem Elektroschocker getroffen, fiel zu Boden, wehrte sich gegen schlagende Hände und Fusstritte und stürzte dann die Kellertreppe hinunter.

Ob er diese als einzige Fluchtmöglichkeit sah oder ob der Treppensturz beim Handgemenge erfolgte, blieb am Mittwoch vor Gericht offen. Dass ihn die beiden Männer in Angst und Schrecken versetzt hatten, war zumindest dem Angeklagten B. sehr klar. Sowohl Staatsanwältin Christine Schenk als auch Stefan Schmutz zitierten eine Aussage von B. bei den Untersuchungsbehörden. «Ich habe noch nie jemanden so um Hilfe schreien hören», sagte er dort.

In Geldnot

Die beiden Täter, die im Prinzip geständig sind, verhielten sich vor Gericht unterschiedlich. B. mag schnelles Autofahren, ist arbeitslos, bezeichnete sich als spielsüchtig und redete viel. Er beharrte darauf, dem Opfer selber Fragen zu stellen, und tat das in der Art eines gefitzten TV-Anwalts, wobei nicht klar wurde, was er wollte.

Möglicherweise wollte er aufzeigen, dass die Schulterverletzung nicht so gravierend ist. Sein Tatmotiv war Geldnot. Er hatte im Gespräch von Dritten gehört, dass es im betroffenen Haus «etwas zu holen» gebe.

Er kontaktierte den Mittäter T., weil ein Einbruch zu zweit einfacher sei, und die beiden fuhren mit Brechstange und Elektroschocker zu einem nahen Parkplatz, brachen die Kellertür dilettantisch auf und waren daran, mit einer enttäuschenden Beute (rund 2000 Franken, eine Tastatur und eine Swatch) das Haus zu verlassen, als das Opfer sie überraschte.

B. versuchte während der ganzen Befragung seinen Kollegen T. zu entlasten. Dieser sei während der Tat wie erstarrt gewesen. T., der seinen Hanf (ein weiterer Anklagepunkt) selbst anbaut und aktuell Arbeit hat, konnte oder wollte sich vor Gericht an nichts Wesentliches erinnern.

Verhängnisvolle Vorstrafe

Nach dem Plädoyer der Staatsanwältin war klar, dass die Tat für T. schwerwiegendere Folgen hat als für B. Für Letzteren beantragte sie eine Gefängnisstrafe wegen räuberischen Diebstahls von 23 Monaten, die aber noch bedingt ausgesprochen wird.

Für T. hingegen würde die beantragte Gefängnisstrafe von 22 Monaten bedeuten, dass er sie absitzen muss. Er war von einem Militärgericht bereits zu einer bedingten Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung verurteilt worden, und die Bewährungsfrist ist noch nicht abgelaufen. Das Urteil wird am Donnerstag gefällt.

Thuner Tagblatt

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