Zum Hauptinhalt springen

Revidiert der Grosse Kirchenrat seinen Entscheid?

Am Montag entscheidet der Grosse Kirchenrat über die Initiative zur Rettung der Johanneskirche. Die Initianten machen derzeit mit einem offenen Brief an die Parlamentsmitglieder mobil.

Ihre Zukunft steht zur Diskussion: Die Johanneskirche in Thun.
Ihre Zukunft steht zur Diskussion: Die Johanneskirche in Thun.
Patric Spahni

Die Sitzung des Grossen Kirchenrats vom kommenden Montag ist reich befrachtet. Insgesamt 13 Traktanden stehen an, darunter auch das Budget 2018 und der Finanzplan bis 2022. Auf das grösste Interesse stossen dürfte aber das Traktandum 11: «Initiativbegehren Pro Joki; Beschluss» steht in der Einladung an die Parlamentsmitglieder geschrieben.

Traktandum mit Zündstoff

Das Traktandum birgt denn auch einigen Zündstoff: So muss der Grosse Kirchenrat, der aus 30 Delegierten der verschiedenen Thuner Kirchgemeinden besteht, über seine eigenen Beschlüsse vom 29. August 2016 befinden. Damals entschied das Gremium, die Johanneskirche per 1. Januar 2017 zu entwidmen, das heisst vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen zu überführen, und den Kleinen Kirchenrat zu ermächtigen, Verhandlungen mit Interessenten für eine künftige Nutzung des Gebäudes zu führen.

Zudem wurde festgehalten, dass die Kirche nur noch bis Ende 2018 genutzt werden kann, wenn bis dahin keine höheren Reparaturkosten anfallen. Genau diese Entscheide aber will die Initiative «Pro Joki», welche im Anschluss daran vom Verein Pro Kirchen Strättligen lanciert wurde, nun rückgängig machen.

Nimmt das Kirchenparlament deshalb am Montag die Initiative an, hebt es seine eigenen Beschlüsse auf. Die Diskussion um die Kirchenschliessung würde von vorn beginnen und müsste gemäss den Initianten auf einer gesamtheitlichen Gebäudestrategie und verstärkter finanzieller Transparenz beruhen.

Sagt der Grosse Kirchenrat hingegen Nein, muss die Initiative innerhalb von neun Monaten dem Souverän, also allen Mitgliedern der reformierten Thuner Kirche, zur Abstimmung unterbreitet werden, was für die Gesamtkirch­gemeinde mit einem erheblichen Aufwand verbunden wäre.

«Situation ist unverändert»

Bereits jetzt ist klar, welchen Antrag der Kleine Kirchenrat, also die Exekutive, dem Parlament unterbreiten wird: Er empfiehlt dem Grossen Kirchenrat, sei­nen «demokratisch legitimierten» Entscheid zu bestätigen und die Initiative abzulehnen.

«Die Ausgangslage hat sich gegenüber der Abstimmung vor anderthalb Jahren nicht verändert», sagt Willy Bühler, Präsident des Kleinen Kirchenrats. Wie damals argumentiert er mit der finanziellen Lage der Gesamtkirchgemeinde, welcher alle Kirchen auf Thuner Boden gehören: «Wir rechnen damit, dass die Gesamtkirchgemeinde bei einer Sanierung der Johanneskirche bereits in vier Jahren mit mindestens fünf Millionen Franken verschuldet wäre», gibt Bühler zu bedenken.

In den Erläuterungen zur Initiative, welche alle Parlamentarier heimgeschickt erhielten, führt der Kleine Kirchenrat zudem ins Feld, dass in den letzten 40 Jahren am meisten Mittel in die Bauten der Kirchgemeinde Thun-Strättligen investiert worden seien. So geht Willy Bühler davon aus, dass die Mitglieder des Grossen Kirchenrats am Montag die Initiative ablehnen werden.

«Das wäre grob fahrlässig»

Etwas, das der Verein Pro Kirchen Strättligen unbedingt verhindern will: Wie er am Mittwoch mitteilte, hat er einen Lobbybrief an alle Mitglieder des Grossen Kirchenrats versandt, in welchem er seine Sicht der Dinge darstellt. Dabei widerlegt er vor allem das Hauptargument des Kleinen Kirchenrats, die drohende Verschuldung: «Die Finanzlage der Gesamtkirchgemeinde Thun ist viel besser, als Ihnen vorgebetet wird», schreibt der Vereinsvorstand mit seinen Co-Präsidenten Oliver Jaggi und Heiner Bregulla.

So verfüge die Kirche heute über ein Eigenkapital von 15 Millionen Franken und gehe auch im Budget 2018 von weiter steigenden Einnahmen aus, einem Trend, welcher seit Jahren zu beobachten sei. Gleichzeitig würden die budgetierten Ausgaben regelmässig um mehrere Hundert­tausend Franken unterschritten. Dies habe zur Folge, dass in den letzten Jahren immer wieder Überschüsse vor Abschreibungen von einer Million Franken oder höher resultiert hätten.

Vor diesem Hintergrund erachtet der Verein eine Sanierung der Johanneskirche als einer «Kirche mit Zentrumsfunktion» und eines wichtigen Quartiertreffpunkts als absolut vertretbar, wobei die vom Kleinen Kirchenrat angegebenen 5 Millionen Franken «überrissen und nicht notwendig» seien. Es sei zudem naiv, zu behaupten, die Finanzierung müsse ausschliesslich mit flüssigen Mitteln geschehen.

Für Oliver Jaggi und seinen Verein ist deshalb klar: «Es wäre grob fahrlässig, heute konzept- und strategielos die grösste und bedeutendste Kirche in Thun-Strättligen zu schliessen.»

Sitzung Grosser Kirchenrat: Montag, 27. November, 20 Uhr, Kirchgemeindehaus Frutigenstrasse 22. Die Versammlung ist öffentlich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch