Nicht erfunden – vielleicht übertrieben

Diemtigtal

Die Mundartdichterin Erika Wiedmer-Mani las in der Bibliothek Schwenden und auch schon in der «Schnabelweid».

Erika Wiedmer-Mani las aus ihren Büchern.

Erika Wiedmer-Mani las aus ihren Büchern.

(Bild: Rösi Reichen)

Am Samstag las die beliebte Mundartdichterin Erika Wiedmer-Mani in der Bibliothek Schwenden Ausschnitte aus ihren sieben Büchern, die zum Teil vergriffen sind. «Miner Gschichti si nid erfunde, mengisch ubertrybe i e bitz, aber dem siit me schriftstellerischi Fryhiit», erklärte die Autorin schmunzelnd. Oft schweifen ihre Gedanken zurück in ihre Kindheit. Die langen Märsche auf die Alp und bis nach Oey sind ihr in guter Erinnerung. Auch ihre Angst vor «Vaganten». Einmal wollte ein Autofahrer die Mädchen mitnehmen. Diese liefen schreiend querfeldein und versteckten sich im nahen Wald. Sie fürchteten sich und trauten dem Mann nicht.

Regeln und Verbote

Die 1949 geborene, verheiratete Mutter dreier erwachsener Kinder war Bergbäuerin, wuchs mit neun Geschwistern auf und schilderte, wie sie damals gestrickte Strumpfhosen unter dem Bett versteckte, weil sie dermassen «bissen» (kribbelten). Alles wurde geschätzt, und wenn die Kinder daheim den einen Füllfederhalter benutzen wollten, mussten sie fragen.

Auch in der Schule gab es strenge Regeln. Die Bedingungen für den Schulbesuch der Mädchen waren: Schuhe binden, bis 10 zählen, den Namen schreiben und lisme. «Wir hatten es gut zusammen, obschon wir nicht viel hatten», zog Wiedmer Bilanz.

Eines Tages entschloss sie sich, ihre «Gschichti» zu Papier zu bringen, und sandte sie an einen Verlag. Ihr wurde geraten, den Text in Dialekt zu formulieren. «Ich merkte schnell, dass ich in Mundart treffendere Ausdrücke verwenden konnte und die Texte bunter und lebendiger ankamen», so Wiedmer-Mani, die auch in der Radio-Dialektsendung «Schnabelweid» vorlesen durfte.

Die Besucher freuen sich an den Lesungen über die blumigen Schilderungen und den speziellen Diemtigtaler Dialekt, wobei es dort auch noch Nuancen gibt. Sie habe festgestellt, dass selbst die junge Generation sich wieder vermehrt für alte Geschichten und den Alltag vor 50 Jahren interessiere. Es gab Themen, die waren tabu, und die Kinder bekamen keine Antwort: «Dafür haben wir dann auf dem Abee (WC) das ‹Bravo› gelesen», erzählte die Autorin lachend.

Viele der Anwesenden kannten Erika Wiedmer und gaben ihr sogar Tipps, worüber sie noch schreiben könnte: «Zum Beispiel wie wir mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend den Schulbericht heimbrachten.» Sie selbst hätte auch noch Ideen, aber in näherer Zukunft plant sie kein Buch mehr. Der neueste Titel «Chnopfbüxe» ist ja auch erst dieses Jahr herausgekommen.

Das Buch «Chnopfbüxe» erschien im Verlag Werd & Weber, ISBN 978-3-03818-205-4.

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