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Nach fünf Jahren endlich das Urteil

Die Richterin am Regionalgericht Thun musste am Freitag über Diebstähle urteilen: Die Beschuldigte war auf der Suche nach Geld in unverschlossene Häuser eingedrungen.

Die Frau wurde vom Regionalgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten
Die Frau wurde vom Regionalgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten
20 Minuten Zürich

Das Vorgehen der Frau, die am Freitag vor der Einzelrichterin stand, war immer ähnlich. Sie betrat in den Jahren 2013 und 2014 jeweils ein unverschlossenes Haus oder eine Wohnung und suchte dort nach Geld oder Wertsachen. Wurde sie dabei von den Besitzern entdeckt, verwickelte sie diese in ein Gespräch oder behauptete, sie habe nach dem Weg fragen wollen.

Darum blieb es dreimal beim Versuch, fünfmal gelang es ihr, Beute zu machen. Die heute 36-jährige Frau stand auch noch wegen Hehlerei, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Drohung, Beschimpfung, Führen eines Motorfahrzeugs ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss und Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsgesetz vor der Gerichtspräsidentin. Damals konsumierte die Täterin THC und Kokain und versuchte dies mit den Einbrüchen zu finanzieren.

Grosse Beute

Einmal erbeutete die Angeklagte eine Schmuckschatulle, die mehrere Goldmünzen, Halsketten mit Anhängern, Taschenuhren, Armreife, Broschen und anderes mehr enthielt. Da sie den Wert der Schmuckstücke nicht erkannte, verkaufte sie nur eine Halskette für 1600 Franken, den Rest warf sie angeblich weg, denn die Sachen hätten keinen Goldstempel gehabt und seien darum auch nichts wert gewesen. Den Wert aller Schmuckstücke bezifferte die Polizei jedoch auf geschätzte 70000 Franken.

Sechs Monate Gefängnis

Der Verteidiger der Frau zerpflückte die Anklageschrift. Einerseits waren einzelne Taten bereits verjährt. Andererseits waren die Aussagen zum Teil dermassen widersprüchlich, sodass der Beschuldigten die Taten, die sie ohnehin bestritt, nicht genügend nachgewiesen werden konnten. In diesen Fällen forderte der Verteidiger einen Freispruch. So lautete sein Antrag ans Gericht schliesslich, die Frau sei zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten zu verurteilen. Die Freiheitsstrafe sei zugunsten einer ambulanten Massnahme, nämlich der Fortsetzung ihrer laufenden Therapie, aufzuschieben.

Lange Beratung

Die Beratung bezüglich des Urteils nahm einige Zeit in Anspruch. Sorgfältig sortierte die Gerichtspräsidentin die Vorwürfe. Ein Bestohlener hat seine Anzeige zurückgezogen, ein Einschleichdiebstahl war bereits verjährt. Ein Privatkläger verfolgte die Anzeige nicht weiter, hatte kein Interesse an einem Verfahren. Auch der Konsum von Betäubungsmitteln war verjährt. Sogar im Anklagepunkt der Hehlerei wurde die Frau freigesprochen.

Die Frau wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Sie hat den Laptop, den sie später verkaufte, nicht gestohlen. Der frühere Besitzer wusste, dass sie diesen mitnahm, weil er ihr noch Geld schuldete. Für alle übrigen Delikte wie Einschleichdiebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden, Beschimpfung und Führen eines Motorfahrzeugs trotz entzogenem Führerausweis und unter Drogeneinfluss wurde die Frau zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Die Strafe wird zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben, wie es in den Berichten der Bewährungshilfe und des Psychiaters vorgeschlagen wurde. Diese sagten übereinstimmend, dass ein Abbruch der bis heute recht erfolgreichen Therapie unbedingt vermieden werden müsse, um das Erreichte nicht zu gefährden. Auch sei seit 2014 keine weitere Straftat verübt worden. Das Gericht wird alle sechs Monate überprüfen, ob die Frau die Termine beim Psychiater regelmässig wahrnimmt. Tut sie das nicht, wird sie die Freiheitsstrafe absitzen müssen. Die Kosten des Gerichtsverfahrens werden der verurteilten Frau aufgebürdet, sie betragen total 36000 Franken.

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