Mehr als eine ruhige Kugel schieben

Bowls ist der unbekannte Bruder von Boccia und Boule. In der Schweiz betreiben den Präzisionssport nur rund 120 Spieler – gut 20 davon beim Bowls Club Thun. Redaktor Roger Probst versuchte sich.

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Die erste Kugel verlässt das Spielfeld schon nach einigen Metern. Die zweite ein paar Meter später ebenfalls. Die dritte bleibt endlich auf der Bahn, macht sogar einen schönen Bogen. Der Wurf ist aber zu lang. «Nur mit Nach-hinten-Rollen ist es nicht gemacht», sagt Michael Zandt. Und lacht verschmitzt.

Michael Zandt ist Mitglied des Bowls Club Thun, eines von nur fünf Vereinen in der Schweiz(vgl. Kasten). «Bowls ist eine Randsportart», sagt er, «und das wird sie auch bleiben.» Trotzdem sieht er noch einiges an Potenzial. So ist Bowls, das von den Regeln her gewisse Ähnlichkeiten mit Boccia und Boule hat, eine Möglichkeit für Curlingspieler, im Sommer, wenn es kaum Eis hat, zu trainieren. «Viele Bowls-Spieler kommen vom Curling», sagt Zandt denn auch.

«Nur mit Nach- hinten-Rollen ist es nicht gemacht.»Michael Zand

Dann gibt er wieder Tipps. Die rund 1,5 Kilogramm schwere Holzkugel ist einseitig abgeflacht.Je nachdem, wie man sie in der Hand hält, macht sie dann auf dem Green einen Bogen nach links oder nach rechts. Übrigens, ein Set von vier Kugeln kann gut und gerne ein paar Hundert Franken kosten. Sie halten dann aber normalerweise ein paar Jahre. «Insgesamt ist Bowls aber ein günstiger Sport», sagt Daniel Eggler, Vizepräsident des Bowls Club Thun. Hier ist man mit einem jährlichen Mitgliederbeitrag von 200 Franken dabei. Zudem gibt es Kugeln im Clubbesitz, die genutzt werden können.

Details sind beim Präzisionssport entscheidend.Nur wer richtig auf der Matte, der Mat, steht, hat Chancen auf den perfekten Wurf an den Jack, das begehrte Ziel. «Es braucht die Fähigkeit, sich konzentrieren zu können, und viel Feingefühl», sagt Michael Zandt. Zittert das Handgelenk, dann ist es vorbei.

Die Würfe werden besser. Und tatsächlich, irgendwann bleibt eine Kugel tatsächlich in der Nähe des Jack liegen.Daniel Eggler nickt anerkennend. «Nun geht es darum, das Niveau zu halten.» Nur ein guter Wurf reiche nicht. Und tatsächlich: Auch die nächste Kugel bleibt in der Nähe des Jack liegen. Die übernächste verlässt dann aber wieder das Green.

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