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Mann riss Mädchen am helllichten Tag vom Velo

Einem Mann werden versuchte sexuelle Nötigung und versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last gelegt. Er bestreitet die Vorwürfe.

Letzten Sommer wurde in der Region Thun ein Mädchen von einem Mann vom Velo gerissen und in ein Maisfeld gezerrt (Symbolbild).
Letzten Sommer wurde in der Region Thun ein Mädchen von einem Mann vom Velo gerissen und in ein Maisfeld gezerrt (Symbolbild).
iStock

An einem Nachmittag im Sommer des vergangenen Jahres ist in der Region Thun ein 12-jähriges Mädchen von einem Mann tätlich angegangen worden. Die Jugendliche war mit dem Velo unterwegs, als sie unvermittelt von dem Mann zu Boden gerissen und anschliessend in ein angrenzendes Maisfeld gezerrt wurde.

Eine Autolenkerin wurde auf das Geschehen und die Schreie des Opfers aufmerksam. Sie eilte ihm zu Hilfe und alarmierte die Polizei. Der Mann ergriff daraufhin die Flucht. Nach einer Suchaktion und auch dank Hinweisen von Drittpersonen konnte ein Verdächtiger von der Polizei angehalten werden.

«Will nicht zum Sexualtäter gestempelt werden»

Am Donnerstag stand nun der damals angehaltene 58-jährige Schweizer vor den Schranken des Regionalgerichts Oberland in Thun. Ihm werden versuchte sexuelle Nötigung und versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last gelegt. Hinzu kommen Pornografie, Diebstahl und Vergehen gegen das Waffengesetz. «Ich habe alles niedergeschrieben und nichts mehr zu sagen», gab der Beschuldigte vor der Einvernahme durch Gerichts­präsidentin Dorothea Züllig von Allmen zu Protokoll und überreichte ihr eine umfangreiche Dokumentation. Trotzdem machte er – oft den Tränen nahe – einige Aussagen zum Vorfall.

Er sei auch mit dem Velo unterwegs gewesen, und dann sei es mit dem Mädchen zur Kollision gekommen. Die darauf folgenden Tätlichkeiten konnte er sich nicht erklären. «Deswegen will ich aber nicht zum Sexualtäter abgestempelt werden», betonte er. Überdies habe er andere sexuelle Präferenzen, räumte er ein. Von Polizei, Staatsanwaltschaft und Institutionen fühle er sich ungerecht behandelt.

Anders sieht Staatsanwältin Daniela Haeberli den Sachverhalt. Sie stuft die detaillierten Aussagen des Opfers, im Gegensatz zu jenen des Beschuldigten, als sehr glaubhaft ein. So habe dieser bei einer ersten Einvernahme bestritten, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben. Angesichts der Gewalttätigkeiten ist die Staatsanwältin überzeugt, dass der Beschuldigte sexuelle Handlungen mit dem Mädchen vollziehen wollte. Nur das Erscheinen der Automobilistin habe ihn davon abgehalten. Daniela Haeberli forderte Schuldsprüche in allen vier Anklagepunkten und beantragte unter anderem eine unbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten und die Anordnung einer stationären Massnahme.

Nach wie vor vorhandene Angstzustände

Auch die Anwältin der Privatklägerschaft erachtete die Schuld des Mannes als erwiesen. Sie bezog sich unter anderem auf die Verletzungen, die das Opfer erlitten hatte, und wies auf die nach wie vor vorhandenen Angstzustände des Mädchens hin. Die Anwältin forderte Schadenersatz und eine Genugtuungssumme für das Opfer.

Unbestritten seien die Kollision der beiden Velofahrer und das darauf folgende Handgemenge, führte die amtliche Verteidigerin in ihrem Plädoyer aus. «Nichts deutet aber auf sexuelle Absichten hin», argumentierte sie, die Beschuldigungen beruhten auf einem reinen Verdacht. Zudem zweifelte sie das psychiatrische Gutachten stark an. Ein Antrag für ein Obergutachten wurde vom Gericht abgelehnt. Im Sinne von in dubio pro reo – im Zweifelsfall für den Angeklagten – beantragte die amtliche Verteidigerin in drei Anklagepunkten Freisprüche und die sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft, in welcher sich der Beschuldigte seit dem 30. August 2017 befindet.

Das Urteil wird am Freitag eröffnet. Bis dann gilt die Unschuldsvermutung.

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