Mangels Beweisen freigesprochen

Berner Oberland

Die Staatsanwaltschaft erklärte einen Mann für schuldig. Zu Unrecht, wie das Gericht urteilte.

Am Mittwoch kam es zur Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun.

Am Mittwoch kam es zur Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun.

(Bild: Marc Imboden)

Ein 53-jähriger, im Berner Oberland wohnhafter portugiesischer Staatsangehöriger erhielt von der regionalen Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. Er wurde wegen Nötigung, Sachbeschädigung, Übertretung gegen das Baugesetz und mehrfacher sexueller Belästigungen für schuldig erklärt und zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 120 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt.

Ausserdem wurde er mit einer Verbindungsbusse von 1200 Franken und einer Busse von 750 Franken bestraft, und Verfahrenskosten von 500 Franken wurden ihm auferlegt. Insgesamt hätte er 2450 Franken bezahlen müssen. Weil er gegen den Strafbefehl Einsprache erhob, kam es am Mittwoch zur Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun.

Der Beschuldigte soll die Zufahrt zu einem Grundstück weggebaggert haben, was zur Folge hatte, dass dessen Bewohner nicht mehr dahin gelangen und es bewirtschaften konnte. Dadurch war dieser gezwungen, ein benachbartes Grundstück zu benutzen, was als Nötigung gilt.

Durch das Wegbaggern der Zufahrt konnte diese nicht mehr bestimmungsgemäss befahren werden. In der Folge stellte der Betroffene, der als Privatkläger auftrat, einen Strafantrag wegen Sachbeschädigung. Das Erdreich soll der Beschuldigte ohne Baubewilligung im Wald abgetragen haben, was eine Übertretung gegen das Baugesetz bedeutet.

Strafantrag zurückgezogen

«Ich orte primär persönliche Probleme zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger», sagte Gerichtspräsident Jürg Santschi zu Verhandlungsbeginn. Deshalb versuchte er vorerst, die beiden zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. In Einzelbefragungen lotete er die Bereitschaft der beiden aus. Schon bald war spürbar, dass es dabei vor allem um Wegrechte und Marchsteine ging, ob diese willkürlich versetzt worden seien oder nicht.

Einer Vereinbarung, die unter anderem eine Begutachtung durch einen Geometer vorsah, konnte der Privatkläger nicht zustimmen. Er befürchtete vor allem Folgekosten. Nach langem Hin und Her rang er sich dazu durch, den Strafantrag zurückzuziehen.

Dem Beschuldigten wird ausserdem mehrfach begangene sexuelle Belästigung zur Last gelegt. Er soll eine Frau zu einer sexuellen Handlung aufgefordert haben. Wie die übrigen Vorwürfe hatte er auch diesen bereits bei den Einvernahmen durch die Staatsanwältin bestritten. Die angeblich belästigte Frau war am Mittwoch als Zeugin vorgeladen, jedoch unentschuldigt nicht erschienen.

Freisprüche in allen Punkten

«Wir haben keine Beweise, dass der Beschuldigte die Zufahrt weggebaggert hat», sagte Santschi bei der Urteilsbegründung. Der Privatkläger habe dies lediglich vermutet. Das Fernbleiben der Zeugin deute darauf hin, dass auch der Vorwurf der sexuellen Belästigung nicht stimme.

Das Strafverfahren wegen Sachbeschädigung wurde infolge Rückzugs des Strafantrags des Privatklägers eingestellt. Mangels Beweisen erfolgten in den übrigen Anklagepunkten Freisprüche. Der Portugiese erhält eine symbolische Entschädigung von 200 Franken, welche einem Kinderhilfswerk zugutekommen soll, wie er sagte. Die Verfahrenskosten von 1000 Franken werden dem Kanton überbunden.

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