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Kreuzkröte gefällts auf der Burgerallmend

Wo derzeit die Rasenspielfelder neben der Stockhorn-Arena entstehen, hat sich auch eine sehr seltene Krötenart niedergelassen. Die involvierten Stellen unternehmen alles, um die Tiere zu schützen.

Das Überleben der Kreuzkröten auf der Burgerallmend ist ihm ein Anliegen: Stadtgrün-Chef Markus Weibel zeigt einen der Tümpel, wo derzeit unzählige Kaulquappen herumschwimmen. Mittels der eingelegten Folie will man verhindern, dass dieser austrocknet.
Das Überleben der Kreuzkröten auf der Burgerallmend ist ihm ein Anliegen: Stadtgrün-Chef Markus Weibel zeigt einen der Tümpel, wo derzeit unzählige Kaulquappen herumschwimmen. Mittels der eingelegten Folie will man verhindern, dass dieser austrocknet.
Patric Spahni

Auf der Thuner Allmend gibt es seit Jahren eine Population. Die Rede ist von der Epidalea calamita, zu deutsch Kreuzkröte. Doch die geschützte Art ist sehr anspruchsvoll, was ihren Lebensraum angeht. Ausserhalb des Waffenplatzes war sie deshalb nicht anzutreffen.

Das änderte sich aber im letzten Jahr. Im August, kurz vor dem Spatenstich für den Bau der neuen Kunstrasenfelder neben der Stockhorn-Arena, machte ein Naturbeobachter eine überraschende Entdeckung: «Der Mann hatte zuvor einen Amphibienkurs absolviert und wollte sein Wissen in der Praxis anwenden», erzählt Markus Weibel, Leiter Stadtgrün Thun. «Dabei stiess er in den seit Jahren aufgeschütteten Erdhügeln, die doch ziemlich weit weg von der Allmend sind, auf mehrere Kreuzkröten.» Der Mann meldete seinen bemerkenswerten Fund sofort der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch), welche umgehend die Stadt als Bauherrin und die Burgergemeinde Thun als Landbesitzerin beizog.

Lebensraum blieb erhalten

«Die Kreuzkröte ist auf der roten Liste der gefährdeten Amphibien. Für mich war deshalb sofort klar, dass wir alles unternehmen wollen, um die neue Population zu erhalten», sagt Markus Weibel. «Oberste Priorität hatte deshalb die Frage, wie wir bauen können, ohne die Kröten zu verjagen.»

Das ist offenbar gelungen. Die Bauarbeiten für die zwei Kunstrasenspielfelder werden in diesen Tagen abgeschlossen. Und die Kröten fühlen sich offenbar nach wie vor sehr wohl auf der Burgerallmend und haben in den letzten Wochen sogar abgelaicht. «Aus Rücksicht auf die Tiere haben wir im Herbst zwei Hügel mit Aushubmaterial stehen gelassen und umzäunt. So blieb ein Teil des Lebensraums während der Bauarbeiten intakt», erklärt Weibel. Zudem habe man kürzlich in einen der Tümpel eine Folie eingelegt, damit dieser nicht austrockne. Wasser sei schliesslich für das Überleben der Tiere zentral. Wie ein Augenschein vor Ort zeigt, schwimmen derzeit in zwei der Tümpel unzählige Kaulquappen herum.

Die derzeitige Lösung ist aber lediglich provisorisch: «Wir möchten den Kröten in der Nähe der Allmendingenallee einen geeigneteren Lebensraum mit Wasser und kleinen Erdhügeln einrichten», erklärt Markus Weibel. Das genaue Vorgehen werde aber noch mit den anderen involvierten Stellen abgeklärt. Nicht zuletzt sei dafür auch das Einverständnis der Burgergemeinde nötig, handle es sich doch beim derzeitigen und beim neuen Lebensraum der Kreuzkröten um deren Bauland.

Eine Erfolgsgeschichte?

Glücklich mit dem Ablauf der Ereignisse ist auch Beatrice Lüscher, die Karch-Regionalvertreterin für den Kanton Bern: «Dieser Fall ist ein sehr positives Beispiel, wie Zusammenarbeit im Amphibienschutz trotz sehr unterschiedlicher Interessen funktionieren kann», sagt die Biologin. «Wir wurden von Anfang an beigezogen und konnten die Bedürfnisse der Kreuzkröte einbringen.» Selber sei sie auch mehrmals auf der Baustelle gewesen und habe die Arbeiter instruiert, auf was sie beim Abtragen der Erdhügel achten müssten, um die Kröten nicht zu gefährden.

Beatrice Lüscher hofft nun, dass es trotz der nahen Kunstrasenspielfelder und dem hellen Licht, welche diese mit sich bringen, auch längerfristig gelingt, die neue Kreuzkröten-Population zu erhalten. «Das wäre definitiv eine Erfolgsgeschichte», sagt sie.

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Das beschriebene Areal ist nicht öffentlich zugänglich. Die Stadt Thun, die Burgergemeinde und die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) bitten alle, den Lebensraum der Kreuzkröten zu respektieren.

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