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Klangteppiche von feiner Webart

Bei der vorletzten Veranstaltung der Kultursoufflé-Saison gab es mit Martin O. als «Der Mausiker» gewaltig was auf die Ohren. Der Stimmartist und Beatboxer übergoss das Publikum im KKThun mit ­Melodien und Sounds zum schwindlig werden.

Martin O. mit seinem Umhängekeyboard.
Martin O. mit seinem Umhängekeyboard.
zvg

Martin O. beherbergt die Hausmaus von Urgrossonkel Geigeli-Frischknecht im alten Geigenkasten. Das Instrument selbst hat der Ahne einst mit auf Reisen genommen, um in London, Venedig, China oder Kentucky den Menschen Appenzeller Kulturgut nahezubringen. Natürlich knabbert die Hausmaus gerne Appenzeller Käse und liebt vor allem Showtime. Ein Tagebuch, so gross wie ein Fingernagel, hat der Nager auch geführt. Darin stehen all die verrückten Reisen des Geigeli-Frischknecht.

Das Symphonium im Zentrum

Die Rahmenhandlung des Programms «Der Mausiker» wirkt ein bisschen wie die «Sendung mit der Maus» und ist zu vernachlässigen. Im Fokus der Show von Martin O., der eigentlich Martin Ulrich heisst, steht das Zauberinstrument namens Symphonium. Das Aufnahme- und Wiedergabegerät aus Appenzeller Nussbaumholz ist eine Loop-Maschine mit der Ausstrahlung einer Violine.

Der Niesen ist verschnupft

Der Stimmartist jodelt, brummt, singt und stöhnt in mannigfaltiger Weise und entlockt dem Loop-Gerät Soundteppiche von feiner Webart. Die beeindruckende, vielschichtige Stimme des Künstlers erinnert daran, dass er mehrere Jahre in einer A-cappella-Formation sang. Die Klangwelten entführen in den Orient oder nach China. Zu Mozart schleicht sich das «Vogu-Lisi». Zum Appenzeller Medley inklusive «Mir Senne heis luschtig» ist das Publikum aufgefordert, trötende Tubatöne beizusteuern.

Plötzlich fällt der graue Vorhang, Scheinwerfer verwandeln die Bühne broadway-verdächtig bunt, und der Waka-Waka-Song, den Shakira zur Fussball-WM 2010 berühmt gemacht hat, wummert durch den fast voll besetzten Schadausaal. Das Publikum versucht derweil den Vers «Tzamina mina Zangalewa...» mitzusingen. Dann verschwindet die Maus, und Martin O. droht, Cat Stevens zu singen, wenn sie nicht sofort wieder auftaucht.

Mit «Nothing Compares to You – Maus» und «Island in the Sun» intoniert der Stimmartist mit schmachtender Stimme «Wo meine Sonne scheint, auf Eiger, Mönch und Jungfrau – und der Niesen ist verschnupft». So endet eine klangintensive Show inklusive Goldflitterregen mit einem Künstler, der seine Bühne im Griff hat. Das Nagetier ist inzwischen wiedergekehrt, denn es brennt Licht im Geigenkasten. Aus die Maus.

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