Kanton will Nägel mit Köpfen machen

Thun

Der Kanton macht vorwärts mit dem Ausbau des Gymnasiums Schadau. Im November will der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Projektierungskredit von 10,5 Millionen Franken beantragen.

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Seit fünf Jahren schon sind die beiden Thuner Gymnasien Schadau und Seefeld vereint. Doch die Organisation des Schulbetriebs verlangt von der Schulleitung, aber auch den Lehrpersonen und Schülern, welche zwischen den Schulanlagen pendeln müssen, einiges ab. Das soll sich ab August 2026 definitiv ändern, wie der Kanton nun am Donnerstag bekannt gab.

Auf diesen Zeitpunkt hin will er die beiden Schulen auch örtlich zusammenführen. Will heissen: Der Standort Seefeld wird aufgegeben und der ganze Schulbetrieb in der Schadau konzentriert. Voraussichtlich in der kommenden Novembersession beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Projektierungskredit über 10,5 Millionen Franken.

«Wir wollen sauber abklären, was wo möglich ist», sagt Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) zum Vorhaben, das den Kanton «grob geschätzt» insgesamt 93 Millionen Franken kosten wird. Fixiert sind bisher nur die geplanten Neubauten und der ungefähre Zeitplan. Alles andere soll sich im Laufe des Architekturwettbewerbs, welcher im kommenden Jahr durchgeführt wird, sowie der anschliessenden Feinplanung klären.

Zwei Anbauten und eine Turnhalle

Im Rahmen der vierjährigen Bauarbeiten, welche voraussichtlich im August 2022 beginnen, werden verschiedene Projekte umgesetzt: zum einen zwei Erweiterungsbauten im Norden und im Süden der bestehenden Anlage, zum anderen eine neue Doppelturnhalle angrenzend an die bestehende Turnhalle an der Frutigenstrasse, die aber auch Unterrichtsräume für das Fach bildnerisches Gestalten beinhalten soll.

Einen grossen und auch kostenintensiven Bestandteil der Arbeiten wird die Sanierung des bestehenden Gymergebäudes darstellen. Dazu gehören unter anderem die Erneuerung der Haustechnik, die energetische Sanierung der Gebäudehülle oder die Verbesserung der Erdbebensicherheit. Eine grosse Herausforderung stellt dabei die Tatsache dar, dass das «alte» Gebäude aus dem Jahr 1979 denkmalgeschützt ist. «Wir arbeiten eng mit der Denkmalpflege zusammen», sagt Christoph Neuhaus dazu, der die Kosten derzeit nicht auf die einzelnen Projekte aufschlüsseln kann. Für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs für den Neubau der Turnhalle hat der Regierungsrat bereits in eigener Regie einen zusätzlichen Kredit von 690 000 Franken genehmigt.

«Richtig und wichtig für Thun»

«Weil wir den Schulbetrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen wollen, werden wir das Vorhaben in vier Etappen ausführen und auf Provisorien verzichten», erklärt Christoph Neuhaus (siehe Grafik oben). Zuerst werde der sogenannte Geografiepavillon abgerissen. Dies schaffe den nötigen Platz, damit in der zweiten Etappe, die im Herbst 2022 beginnt und bis Ende 2024 dauert, der Neubau im Osten errichtet werden kann. Parallel dazu wird von Mitte 2023 bis ebenfalls Ende 2024 die Sporthalle gebaut. In der dritten Etappe ab Anfang 2024 bis Mitte 2026 folgen der Bau der nördlichen Erweiterung sowie die Sanierung des Hauptgebäudes.

Zum Abschluss der Bauarbeiten wird schliesslich der Geschichtspavillon abgerissen. «Die Masse der neuen Gebäude und deren Höhe ergeben sich aus der Überbauungsordnung aus dem Jahr 2015», erklärt Christoph Neuhaus, der damit rechnet, dass er den Ausführungskredit, «für den ich kämpfen will», Anfang 2022 dem Grossen Rat unterbreiten kann. «Denn», sagt der SVP-Regierungsrat, «es geht hier zwar um viel Geld, aber das Projekt ist richtig und wichtig für Thun.» Neuhaus ist sich bewusst, dass der nun bekannt gewordene Zeitplan äusserst sportlich ist: «Das ist immer so», sagt er und lacht. «Aber ich denke, dass er auch realistisch ist.»

Mehr Verkehr im Quartier

Bereits jetzt ist klar, dass der Ausbau des Gymers zu Mehrverkehr im Quartier führen wird. Erste Berechnungen zeigen, dass sich dieser vor allem auf den Bereich bei den Sporthallen sowie auf die Seestrasse konzentrieren wird. Aus diesem Grund hat der Kanton ein Mobilitätskonzept erarbeitet, welches erste Massnahmen skizziert. Unter anderem sind doppelt so viele Veloabstellplätze, also etwa 110 Stück, sowie zusätzliche Autoparkplätze im Bereich der Turnhallen und an der Seestrasse vorgesehen. Zu den 38 vorhandenen Parkplätzen werden voraussichtlich 21 hinzukommen. Zudem soll es Anpassungen im Bereich des öffentlichen Verkehrs geben. Während der Bauarbeiten wird zudem eine Baupiste, welche von der Seestrasse abzweigt, erstellt.

Geht Seefeld an Stadt über?

Und was passiert mit dem Seefeld-Areal, sobald der Gymer dort ausgezogen ist? «Wir beabsichtigen, das Areal auf diesen Zeitpunkt hin zu verkaufen», sagt Christoph Neuhaus. Bereits ihr Interesse angemeldet hat die Stadt Thun, welche dort eine Volksschule einrichten will. Ob der Kanton die acht Liegenschaften gestückelt oder als Paket verkauft, weiss Christoph Neuhaus noch nicht. «Lassen Sie mich erst bauen», meint er nur.

Informationsabend für die Anwohner: Mittwoch, 28. August, 19.30 bis 21 Uhr, Aula Gymnasium Schadau.

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