Zum Hauptinhalt springen

Kampf dem Plastik via Smartphone

Mithilfe einer App für Smartphones die Gewässer von Müll befreien: diese Vision verfolgt der 14-jährige Aidan Klammer aus Oberhofen.

Aidan Klammer mit seinen Eltern Karen und Till.
Aidan Klammer mit seinen Eltern Karen und Till.
zvg

«Ich liebe die Ozeane und die darin lebenden Tiere. Und ich möchte, dass meine Kinder die Rochen, Haie und Quallen auch noch sehen.» Die Verschmutzung der Meere vor Augen, bangt der 14-jährige Aidan Klammer aus Oberhofen um die Erfüllung dieses Wunsches. Abwarten und hoffen lehnt er ab, lieber wirkt er selber der prekären Lage der Ozeane entgegen.

Als seine Lehrerin an der International School of Berne vor zwei Jahren dem damaligen Fünftklässler den Auftrag erteilte, ein Projekt zur Verbesserung der Welt zu erarbeiten, stand für ihn das Thema Ozean sofort fest. Als Sohn einer Australierin und eines Deutschen verbrachte Aidan viele Monate auf, in und an seinen geliebten Weltmeeren.

Zwanzig Säcke Müll

«Drei Wochen sass Aidan am Laptop und trug Informationen zusammen. Meine Frau und ich fanden das nicht gut, lieber sollte er vor Ort recherchieren», erinnert sich Vater Till Klammer. Wenige Tage später reinigte Aidan die Aquarien einer Schildkröten-Rettungsstation in Sardinien und befreite die Strände vom angeschwemmten Plastik.

Zwanzig Müllsäcke füllte er. Wie nachhaltig diese Arbeit wohl sei, fragte Aidan auf der Heimfahrt seine Eltern. Würden mehr Leute über eine längere Zeit die Strände aufräumen, könnte die Plastikbelastung der Meere reduziert werden, kam die Familie zum Schluss. Doch wie soll ein 12-jähriger diese Idee umsetzen?

Ohne Wi-Fi klappts nicht

Die Antwort schlummerte im Smartphone. Aidan schlug vor, eine App zu entwickeln, da klingelte das Mobiltelefon des Vaters. Ein befreundeter Besitzer einer IT-Firma war am Apparat, erkundigte sich nach Arbeit für zwei junge Programmierer. Das eine ergab das andere, man verabredete sich zu einer Sitzung.

Drei Monate und ein Konzept später reiste die Familie Klammer mit dem Prototypten der App auf dem Smartphone nach Korsika. Rasch merkten sie, was bei den Sitzungen im Büro vergessen ging: Kein Strand hat Wi-Fi, die Funktionsgrundlage der App. «In diesem Moment verloren wir den Elan. Das Projekt versickerte», blickt Vater Klammer zurück.

Neuer Versuch

Weihnachten 2016. Mutter Karen Klammer entdeckt im App-Store ein Produkt ähnlich jenem von Aidan. «Die Karte war ungenau und funktionierte nur mit Netz. Unsere Idee war viel besser», lautete ihr Fazit. Der Ehrgeiz der Familie war widerbelebt, am Anfang dieses Jahres startete die zweite Runde der App-Entwicklung.

«Auf Papier zeichnete ich, wie die App funktionieren soll. Wohin man gelangen soll, wenn man auf welchen Knopf drückt», erklärt Aidan seinen Beitrag dabei. Er sei kein «Techie», die technische Arbeit überlasse er den Spezialisten der IT-Firma. Lieber widmet er seine freie Zeit seiner Leidenschaft, dem Wasser. Im Sommer paddelt er auf dem Thunersee und übt sich im Windsurfen.

Im Winter bleibt er seinem Lieblingselement treu – gefroren dient es ihm als Untergrund fürs Skifahren. Dieses Jahr bleiben die Skier aber im Keller. Die Familie erwägt, über Weihnachten ans Meer zu reisen. «Dort könnten wir ein Clean-up organisieren und die App testen», sagt Till Klammer. Laut der IT-Firma sollte es dieses Mal auch ohne Wi-Fi klappen, sagt er.

Flavia von Gunten (19) studiert in Bern. Sie mag Bücher, Kaffee und Sport.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch