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Hotelier wegen Vergewaltigung verurteilt

Das Kollegialgericht in Thun verurteilt einen Hotelier aus der Region Thunersee zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Gemäss der Gerichtspräsidentin ist der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt. Foto: Urs Baptista (Symbolbild)
Gemäss der Gerichtspräsidentin ist der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt. Foto: Urs Baptista (Symbolbild)

Der Täter sagte immer wieder: «Ich weiss es nicht, ich habe nichts gemacht, ich bin unschuldig.» Das Kollegialgericht entschied dennoch gegen ihn, denn, so die Gerichtspräsidentin: «Er konnte im ganzen Verfahren nichts Konkretes vorbringen, das ihn wirklich entlastet hätte.» Das Opfer aus der Region Spiez hingegen sagte immer, der Beschuldigte sei es gewesen. Die Frau nannte nie einen anderen Namen, und die Wirkung, die die Vergewaltigung auf die Frau hatte, ist mehrfach belegt.

Einmal ist da ihr Bekannter, der sie nach der Vergewaltigung im Hotel abholte. Er erzählt: «Sie war durcheinander, weinte, aber sie wollte nicht sagen, was passiert war.» Ihr schon früher labiler Zustand verschlechterte sich nach dem Vorfall, sodass sie vorübergehend in eine Klinik musste. «Auch wenn sie stark betrunken war, kann die Frau sich noch an vieles erinnern, was zusammen ein schlüssiges Bild ergibt. Ihre Erzählung zeigt ihre Gefühle und die entsprechende Gestik.» Daran habe das Dreiergericht erkannt, dass die Frau die Wahrheit sage und glaubwürdig sei.

Schutz des freien Willens

Der Gesetzesartikel zur Vergewaltigung schützt das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Dieses Recht wurde im Oktober 2017 dadurch verletzt, dass der Täter nicht darauf einging, dass die Frau immer wieder Nein sagte und auch versuchte, ihn wegzustossen. Weil sie von ihm genug zu trinken bekam – «er schenkte mir immer wieder nach» –, war sie schliesslich so betrunken, dass sie den Widerstand aufgab und es zum Geschlechtsakt kam. Der Täter hätte aber erkennen können, dass die Frau in dieser Nacht keinen Sex wollte. Damit ist gemäss der Gerichtspräsidentin der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt.

Zwar keine Gewalt, aber...

«Es war mehr als ein leichtes Vergehen, aber es wurde keine Gewalt angewendet, es war keine Planung dabei», sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung. «Der Täter hat jedoch seine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt. Ins Gewicht fällt auch, dass er sich an einem Gast vergangen hat.» Das Regionalgericht in Dreierbesetzung verurteilte den Hotelier gestern zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt und setzte die Probezeit auf vier Jahre fest. Der Verurteilte muss die Verfahrenskosten tragen. Das Opfer erhält eine Genugtuung von 14000 Franken, das ist weniger als die von der Anwältin geforderten 20000 Franken, denn, so die Gerichtspräsidentin, man könne nicht alles, was nachher geschah, nur als Folgen dieser einen Nacht betrachten, die Frau habe schon vorher Probleme gehabt.

Der Beschuldigte könne das Urteil nicht akzeptieren, weil er unschuldig sei, sagt er. Er überlege sich zusammen mit seiner Verteidigerin, ob er gegen das Urteil Berufung einlegen will.

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