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Hatte er sexuelle Absichten?

Ein Mann hat in Wattenwil ein Mädchen angefallen und in ein Feld gezerrt. Dafür steht er nun vor Gericht.

Weil der Beschuldigte gegen das Urteil Berufung anmeldete, wurde der Fall am Obergericht in Bern verhandelt.
Weil der Beschuldigte gegen das Urteil Berufung anmeldete, wurde der Fall am Obergericht in Bern verhandelt.
Franziska Rothenbühler

Im Sommer 2017 wurde auf einer Nebenstrasse im Verwaltungskreis Thun ein damals 12-jähriges Mädchen von einem 56-jährigen Schweizer tätlich angegangen. Die Jugendliche und der Mann waren mit Velos unterwegs. Es kam zu einer Kollision. Daraufhin riss der Mann das Mädchen zu Boden und zog es in ein angrenzendes Maisfeld. Eine Autolenkerin wurde auf die Rufe des Opfers aufmerksam. Sie eilte zu Hilfe. Der Mann ergriff daraufhin die Flucht. Im Verlauf einer Suchaktion konnte er angehalten werden.

Vor einem Jahr wurde er vom Regionalgericht Oberland in Thun wegen versuchter sexueller Nötigung, versuchter sexueller Handlungen mit Kindern und weiterer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Weil der Beschuldigte gegen das Urteil Berufung anmeldete, wurde der Fall gestern Freitag am Obergericht in Bern verhandelt.

Ein Opfer der Justiz?

«Ich wollte dem Mädchen nichts zuleide tun», beteuerte der Beschuldigte gleich zu Beginn der Einvernahme. Er sei ein Opfer der Justiz geworden, monierte er. Er gab zwar zu, dass er Masochist ist. Den Vorwurf, dem Mädchen gegenüber sexuelle Absichten gehabt zu haben, bestritt er jedoch vehement. Der Beschuldigte räumte indes ein, dass es wegen der Kollision zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen sei.

Befragt wurde auch ein Sachverständiger, der ein psychiatrisches Gutachten verfasst hatte. Demnach leidet der Mann an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Aufgrund der Analysen müsse davon ausgegangen werden, dass ein sexuelles Motiv vorgelegen habe. Er stuft die Rückfallgefahr als hoch ein und erachtet eine stationäre therapeutische Massnahme als unabdingbar.

War es ein Unfall?

«Es liegen keinerlei Beweise für sexuelle Absichten meines Mandanten vor», argumentierte dagegen der Verteidiger. Die Kollision sei als Unfall zu taxieren. Sexuelle Übergriffe habe es keine gegeben. Hart ins Gericht ging der Verteidiger mit dem psychiatrischen Gutachten, welches er als unqualifiziert bezeichnete.

Im Sinne von «In dubio pro reo» beantragte er Freisprüche oder Einstellung von Verfahren sowie eine Entschädigung seines Klienten für die zu Unrecht ausgestandene Haft. Eine andere Tonart schlug die Staatsanwältin an. «Die Aussagen des Opfers sind glaubhaft, während jene des Beschuldigten zum Teil sehr widersprüchlich sind», stellte sie fest. Viele davon bezeichnete sie als Schutzbehauptungen. Deshalb seien die Schuldsprüche der Vorinstanz zu bestätigen.

Neben den Sexualdelikten kommen mehrfacher Diebstahl, mehrfache Pornografie und Vergehen gegen das Waffengesetz hinzu. Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren unter Anrechnung der Haft von 843 Tagen und eine stationäre Therapie. Das Urteil wird am 24. Dezember eröffnet. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

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