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Rosenberg macht die Grünen zur Nummer 2

Schon wieder ein Parteiwechsel im Stadtrat: Thomas Rosenberg, erst im November 2018 für die Grünliberalen ins Parlament gewählt, geht zu den Grünen. Diese hängen nun die SP ab und sind zweitstärkste Kraft im Stadtrat.

Thomas Rosenberg wechselt die Partei. Künftig sitzt er für die Grünen im Thuner Stadtrat.
Thomas Rosenberg wechselt die Partei. Künftig sitzt er für die Grünen im Thuner Stadtrat.
zvg

Der heisse Thuner Politsommer 2018 hallt in den Frühling 2019 nach: Vier Parteiwechsel gab es damals, nun erfolgt der nächste. Am Freitag teilte Thomas Rosenberg mit, dass er ab sofort für die Grünen politisiert. Das entsprechende Communiqué überschrieb der Stadtrat und bisherige Co-Präsident der Grünliberalen gleich selber mit: «Das Wechselkarussell in Thun dreht sich munter weiter...»

Die ehrenamtliche politische Arbeit im Stadtrat müsse auch Spass machen, sonst lohne sich die zusätzliche Belastung neben Beruf und Familie nicht, hält Rosenberg fest. Wichtige Voraussetzungen seien ähnliche Wertvorstellungen – und dass die Chemie stimme. «In beiden Bereichen erhoffe ich mir Verbesserungen durch meinen Wechsel zu den Grünen.»

Auf Anfrage führt Rosenberg aus, die Chemie innerhalb des GLP-Stadtratsteams – sprich: mit den beiden langjährigen Parlamentsmitgliedern Andreas Kübli und Nicole Krenger – habe nicht gestimmt. Hat er denn kein schlechtes Gewissen gegenüber der GLP, die seine Wahl in den Stadtrat mit ermöglicht hat? Rosenberg zögert. Und sagt dann: «Ein bisschen vielleicht schon.»

Allerdings hätten die Kandidaten der Grünliberalen «100 Prozent persönliche Wahlkämpfe geführt». Sein Beitrag zur Sicherung des dritten Sitzes sei gross gewesen. Und gegenüber den Wählerinnen und Wählern – ist ein Wechsel so kurz nach Legislaturstart nicht ein Affront? «Für gewisse Leute ist es ein Affront, das kann man nicht abstreiten», antwortet Rosenberg – und spricht damit vor allem jene an, welche die komplette Liste der GLP eingeworfen haben. Allerdings habe er auch viele Stimmen von Wählern anderer Parteien erhalten.

GLP überrascht

Gedanken zu einem Wechsel mache er sich seit gut zwei Jahren, schreibt Rosenberg, der einst bei den Jungen Grünen Bern war, in seiner Mitteilung. Nur wusste seine Partei offenbar nichts davon. «Für uns kam es sehr überraschend. Wir haben am Donnerstagabend davon erfahren», sagt Norbert Fischer, Co-Präsident der Grünliberalen Thun. «Wir bedauern den Wechsel sehr.»

Die genauen Beweggründe von Rosenberg will Fischer noch erfragen, «damit wir vorkehren können, dass so etwas nicht mehr vorkommt». Fischer betont zwar, man habe sich im Guten getrennt. Seine Enttäuschung verhehlt er aber nicht: «Es ärgert uns natürlich besonders, dass er den Stadtratssitz mitgenommen hat. Diesen hätten wir im November auch ohne ihn geholt, auch wenn er eine starke Kampagne gemacht hat.»

Den eben erst gewonnenen dritten Sitz im Stadtrat verlieren die Grünliberalen also wieder; die Fraktion GLP/BDP kommt damit noch auf fünf Mandate. Von einer dramatischen Situation will Norbert Fischer trotzdem nicht sprechen. «Als Fraktion können wir noch immer das Zünglein an der Waage spielen.» Und: Die GLP profitiere generell von Parteiwechseln, habe mehr Zugänge als Abgänge zu verzeichnen. «Nun ist es halt einmal umgekehrt.»

Grüne einen Sitz hinter SVP

Die grossen Gewinner der neusten Rochade sind die Grünen: Sie kommen nun auf neun Sitze und sind damit zweitstärkste Kraft im Thuner Stadtparlament – nur einen Sitz hinter der SVP und ein Mandat vor der SP. Ein Quantensprung im Vergleich mit den fünf Sitzen, welche die Grünen bis November 2018 innehatten.

Auf die Anfrage von Rosenberg hätten sowohl die Partei wie auch die Fraktion der Grünen offene Türen signalisiert, heisst es in einer Medienmitteilung. Und: «Wir freuen uns über die Verstärkung und sind überzeugt, dass sich Thomas Rosenberg in unseren Reihen wohl fühlen wird», lässt sich Fraktionspräsident Roman Gugger zitieren.

«Natürlich gewinnen wir lieber an der Urne zusätzliche Sitze als mit Transfers», ergänzt Gugger gegenüber dieser Zeitung. Und über die Tatsache, dass der Wechsel sehr kurz nach den Wahlen erfolge, habe man sich bei den Grünen durchaus Gedanken gemacht. Gugger: «Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass im Proporz errungene Sitze eher Partei- als Personensitze sind. Thomas Rosenberg ist aber als Stadtrat gewählt – es steht ihm frei, sich einer anderen Partei anzuschliessen. Das ist seine persönliche Entscheidung.»

«Kontakte aufrechterhalten»

Rosenberg hält derweil fest, er möchte der GLP keineswegs schaden, keine Brücken einreissen und seine Kontakte in die politische Mitte so weit wie möglich aufrechterhalten. Sein grösstes Anliegen sei seit Jahren der Klimaschutz. «In diesem Bereich sehe ich grossen und dringenden Handlungsbedarf.»

SDA/tag

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