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Gemeindepräsidentin hat genug und tritt zurück

Nach dem zähen Ringen um das Budget, das im Abbruch der Oberhofner Gemeindeversammlung mündete, nimmt nun Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger den Hut. Ihr Abgang erfolgt nicht in Minne.

Sie hat genug: Sonja Reichen-Geiger demissioniert als Gemeindepräsidentin per Ende April.
Sie hat genug: Sonja Reichen-Geiger demissioniert als Gemeindepräsidentin per Ende April.
Patric Spahni

«Weil ich es nicht mehr schaffe, das Negative nicht persönlich zu nehmen, ziehe ich meine Kon­sequenzen.» Die Aussage der Oberhofner Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger (FDP) schlägt ein wie eine Bombe. Sie ist Teil eines dreiseitigen Schreibens, in welchem Reichen-Geiger ihren Rücktritt auf Ende April begründet – notabene mitten in der Amtszeit.

Reichen nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Sie spricht von mangelndem Respekt, abnehmender Kompromissbereitschaft und fehlender Zivilcou­rage. In der Vergangenheit habe man in Oberhofen Sünden begangen, nur um stolz darauf zu sein, die Gemeinde mit dem günstigsten Steuerfuss zu sein. In den letzten Jahren habe der Gemeinderat nun darauf hingearbeitet, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen – selbst wenn dies unpopuläre Entscheide zur Folge hatte.

Sie ist nicht frustriert

Auch wenn Reichen-Geiger in ihrer Demission zum Rundumschlag ausholt, ist es ihr wichtig, zu betonen, dass sie die Zeit im Gemeinderat letztlich in guter Erinnerung behält. «Ich bin nicht frustriert», sagt sie auf Anfrage. Ihr sei aber bewusst, dass die Zeit, die sie zur Verfügung habe, beschränkt sei. «Ich will deshalb vor allem Dinge machen, die bei mir Freude auslösen.» Dies sei in den letzten Monaten im Gemeinderat Oberhofen nicht immer der Fall gewesen.

Der Gemeinderat und insbesondere Präsidentin Reichen-Geiger waren denn auch immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, sei es wegen des geplanten Verkaufs der Elektrizitätsanlage, der Erhöhung der Gemeinderatslöhne, der Sanierung diverser Gemeindeliegenschaften oder der Informationspolitik.

In der Gemeindeversammlung vom November war der Graben zwischen einem Teil der Oberhofner und dem Gemeinderat so tief geworden, dass die Debatte über das Budget vertagt werden musste. Das war der Tiefpunkt. Unterdessen haben sich die Wogen etwas geglättet, die Gemeinde hat zumindest ein genehmigtes Budget. Trotzdem verlässt Reichen-Geiger nun das Boot.

Sie hat gute Erinnerungen

«Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge», gesteht die 51-jährige FDP-Frau. Sie werde vor allem das Verwaltungsteam sehr vermissen. «Mich hat es emotional fast erdrückt, als ich die Mitarbeiter informiert habe», gesteht sie. «Ich durfte zudem in all den Jahren viele wertvolle Begegnungen mit Menschen machen, von denen ich viel lernen konnte.» Sie habe die Gelegenheit bekommen, Projekte zu begleiten, Netzwerke aufzubauen oder ihr Allgemeinwissen zu erweitern. «All dies habe ich sehr geschätzt.»

Der Entscheid zum Rücktritt sei ihr denn auch nicht leicht gefallen. «Es war ein langer Prozess.» Ihre Ferien hätten ihr jüngst aber aufgezeigt, dass der Moment nun gekommen sei. Sie habe es geschafft, Distanz aufzubauen und konnte dadurch aktuelle Probleme in Oberhofen relativieren. Das habe ihr geholfen, sagt die Gemeindepräsidentin. Beraten lassen habe sie sich nicht. «Wichtige Entscheide in meinem Leben fälle ich immer selber.»

Sie geht nicht still und leise

Sonja Reichen-Geiger, die insgesamt vierzehn Jahre im Gemeinderat sass, gibt das Chef­amt mit Nebengeräuschen ab. Sie hatte es vor sieben Jahren auch mit Nebengeräuschen angetreten. Damals war sie von einem Bürgerkomitee als Gegenkandidatin zu ihrem Parteikollegen Heinz Wattinger portiert worden und hatte die Wahl für sich entschieden.

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