Zum Hauptinhalt springen

Fritschi verbietet Werbung auf Brücken

Die Banner auf den Innenstadtbrücken sind eine beliebte Werbemöglichkeit für grosse und kleine Anlässe – doch damit soll nun Schluss sein. Veranstalter sind verärgert, die Stadt wehrt sich mit einer Beschwerde.

Werbebanner auf der Bahnhofbrücke in Thun: Geht es nach dem Statthalter, gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an.
Werbebanner auf der Bahnhofbrücke in Thun: Geht es nach dem Statthalter, gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an.
Patric Spahni

Verständnis? Nun, das halte sich in sehr engen Grenzen. Das sagt Susanna Ernst, angesprochen auf die Tatsache, dass die Werbebanner auf den Brücken der Thuner Innenstadt verboten werden sollen. Ernst vertritt als Präsidentin der jeweiligen Vereine die Grossanlässe Thunfest und Stadtlauf sowie die Winterzauber-Aufführungen auf dem Mühleplatz.

Der Ärger ist gross – nicht nur bei den Organisatoren von Anlässen, die wie etwa das Thunfest Zehntausende anziehen. «Ich verstehe nicht, warum die Brückenwerbung nicht mehr möglich sein soll», sagt etwa Patrik Feller vom Thuner Homebrew Club. Dieser veranstaltet im Herbst jeweils das Craft Beer Festival – und warb bisher mit Bannern auf den Brücken.

Feller spricht von einer günstigen und einfachen Werbemöglichkeit – «gerade für uns kleinere Veranstalter eine gute Sache». Der Homebrew Club habe extra teurere Werbebanner angeschafft, damit man sie wiederverwenden könne. Auch Susanna Ernst sagt: «Für unsere Anlässe ist es ein grosser Nachteil, wenn die Banner auf den Brücken wegfallen. Wir setzen stark auf diese Werbung.»

Für viele Vereine würden wichtige Vorankündigungsmöglichkeiten wegfallen – etwa auch für die verschiedenen regionalen Theatergruppen, führt Ernst aus.

«Wollen lebendige Stadt»

Informiert über das bevorstehende Verbot wurden sowohl Feller wie Ernst vom Polizeiinspektorat der Stadt Thun: Ab 1. Mai könnten keine Transparente mehr montiert werden.

Was steckt dahinter? Der zuständige Gemeinderat, Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP), sagt lapidar: «Der Regierungsstatthalter verbietet uns die Brückenwerbung.» Die Stadt ihrerseits habe kein Interesse an einem Verbot. Einerseits nehme sie mit der Werbung Geld ein – es handelt sich pro Jahr um rund 30'000 Franken.

Zudem sagt Siegenthaler: «Wir wollen eine lebendige Stadt. Da müssen diejenigen, die etwas dazu beitragen, auch Werbemöglichkeiten haben.» Und zwar gerade Organisationen, die nicht mit grossen Budgets operieren können. Angesichts der laufenden Diskussion, wie die Stadt attraktiver werden könne, spricht der Sicherheitsvorsteher von einem «schwer nachvollziehbaren Entscheid».

Es handle sich um ein nachgefragtes Produkt mit einer hohen Wichtigkeit für Kultur- und andere Veranstalter. In Sachen Ortsbildschutz habe die Stadt zudem bereits Anpassungen vorgenommen: So müssen die Werbebanner seit einiger Zeit eine einheitliche Grösse aufweisen und dürfen nicht schräg aufgehängt werden. Und seit Anfang 2018 erteilt die Stadt keine Bewilligungen mehr für Transparente an der Sinne- und der Mühlebrücke.

«Beisst sich mit Ortsbild»

Regierungsstatthalter Marc Fritschi bestätigt dies. Nun sollen also auch die Banner an Post-, Kuh-, Allmend- und Bahnhofbrücke wegfallen. «In den letzten Jahren gab es laufend mehr von diesen Werbebannern auf den Brücken», hat Fritschi festgestellt. Es habe ein Ausmass angenommen, dass das Ganze baubewilligungspflichtig geworden sei.

Er habe der Stadt zwei Jahre Zeit gegeben für ein neues Konzept für Werbung in der Innenstadt – worauf die Stadt schliesslich ein Baugesuch eingereicht habe für dauerhafte Plakatständer an den bisherigen Brückenstandorten.

«An den vier betroffenen Brücken habe ich dieses Gesuch nicht bewilligt», führt Marc Fritschi aus. Ihm geht es in erster Linie um die Optik: «Die Werbebanner beissen sich mit dem geschützten Ortsbild.»

Der Bauentscheid wurde der Stadt Anfang Februar eröffnet. Das Verbot gilt laut Fritschi grundsätzlich ab dem 1. Mai. Feedback von Veranstaltern habe er bisher keines erhalten.

Stadt wehrt sich

Eine Rückmeldung hat der Regierungsstatthalter dafür von der Stadt bekommen – und zwar in Form einer Beschwerde. «Wir fechten den Entscheid des Statthalters an», sagt Peter Siegenthaler.

Dies bedeutet, dass sich als nächste Instanz die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion mit der Sache befassen wird. Und dass die Veranstalter weiter darauf hoffen dürfen, dass sie auch künftig auf den Brücken werben können.

«Wenn die Banner den Verkehr beeinträchtigen würden, wäre ein Verbot ja noch einigermassen nachvollziehbar», sagt Susanna Ernst, die für die FDP im Stadtrat sitzt. Mit dem Ortsbildschutz-Argument habe sie hingegen Mühe.

Das geht Gerhard Engemann nicht anders. Der Thun-Expo-Geschäftsführer warb bisher jeweils für die OHA, die Neuland, die Brocante und andere Anlässe auf den Brücken. Er spricht von «sehr wirkungsvoller Werbung, die auch finanziell attraktiv ist».

Engemann will im Falle eines definitiven Verbots der Möglichkeit nicht lange nachtrauern und die Energie lieber dafür verwenden, neue Lösungen zu finden. Das sieht Gisela Trost, Geschäftsführerin der Schlosskonzerte Thun, ähnlich: «Die Brückenwerbung war für uns eine von zahlreichen Marketingmassnahmen – nice to have, aber schwierig zu sagen, was es genau brachte.»

Und Alain Marti, Präsident der Innenstadtgenossenschaft IGT, erklärt: «Ich persönlich hänge nicht um jeden Preis an den Brückenbannern.» Für Vereine und Anlässe sei es aber durchaus eine wichtige, gut sichtbare, günstige Werbemöglichkeit. Davon profitierte bisher auch die IGT, etwa für die Sonntagsverkäufe im Dezember.

«Irgendwann tote Stadt»

Thun-Expo-Chef Gerhard Engemann hält derweil fest: Wenn solche Werbung aufgrund des Ortsbildschutzes nicht mehr möglich sei, «dann haben wir irgendwann eine tote Stadt». Die von ihm selbst gestellte Frage, ob das wohl zielführend sei, lässt er im Raum stehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch