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Freys «Dormicum» weckt selbst Tote auf

Erstmals steht Patrick Frey mit «Dormicum» allein auf der Bühne. Was wie ein Schlafmittel tönt, entpuppte sich in der Alten Oele als hoch dosierter Rundumschlag zum Thema Alter und Krankheit.

Patrick Frey bei seinem Auftritt in der Alten Oele in Thun.
Patrick Frey bei seinem Auftritt in der Alten Oele in Thun.
Carolina Piasecki

«So, Herr Frey, hier ist Ihr Becherli.» Er sei ja überzeugt, dass pensionierte Sekundarlehrer, die Boris Grab oder Fredy Würgel heissen, die Sterbebegleitung bei Exit abdeckten. Die Pharmaindustrie habe sich gefragt, wo sie das Medikament Natriumpentobarbital einsetzen könnte.

Bei der Nebenwirkung Tod kam sie auf die Idee, es Exit anzubieten. Würden Politiker den Job übernehmen, sähe das so aus: Ein SVPler würde trösten: «Dann erleben sie die Scharia nicht mehr.» Ein Grüner denke eher an den Klimawandel: «Sie furzen nicht mehr weiter.» Und bei Johann Schneider-Ammann ist sich Frey sicher: «Bis der checkt, wie das geht, bin ich schon von allein gestorben.»

Das Programm «Dormicum» ist kein Kindergeburtstag, eher eine morbide Seniorenparty. Eine ältere Dame verlässt den Saal der Alten Oele. So bleibt ihr erspart, dass Frey Aug in Aug mit dem Tod fröhlich seinem Sterbebegleiter verkündet: «Ich möchte noch mal kommen, bevor ich gehe! Setzen Sie sich auf mein Gesicht und singen Sie eine Melodie von James Last.» Sex sei im Alter wie Billard spielen mit einem Seil. Wenn er auf einem Joghurt das Ablaufdatum betrachte, grüble er, ob er den überlebe.

Sein Augenhochdruck mit der Gefahr zu erblinden erfordere ein Medikament, das sich negativ auf seine Potenz auswirke. Er habe die Wahl zwischen «Scharfer Blick und tote Hose» oder «Geiler Sex im Dunkeln». Die Assoziationsketten ernten kein brüllendes Lachen, doch Freys Publikum lässt flächendeckend ein leises Glucksen hören und kommt kaum zum Atmen.

Alle bekommen ihr Fett weg

Die Kosmetikindustrie bekommt ihr Fett weg: Er habe sich im Dark-net eine besondere Hautcreme aus Zwergschimpansen-Sperma, das in Grüntee gelöst ist, bestellt. Eben noch schwadronierte der 66-Jährige über Gesichtshaut, doch kurz darauf rutscht er wieder unter die Gürtellinie. Seinen Zuhörern fliegt «Hodenbaden», «Hodensackstraffung» und «Anal­bleaching» um die Ohren.

Ein vermeintlich fröhliches Liedchen über Mohammed aus Aleppo führt der Grenzgänger ebenfalls auf den Lippen. «Die Schweizer haben ja den Himmel nicht nötig, denn sie leben ja schon im Paradies.» Doch für Mohammed sei im Paradies kein Platz gewesen, deshalb sei er jetzt im Himmel.

Ein höchst amüsantes Hörspiel, das der Künstler genial mit verschiedenen Stimmen vorliest, handelt von Ruedi, den seine Bauchschmerzen ins Spital führen. Auch hier kalauert Frey gerne intim, wenn der Chefarzt zum Hämorrhoiden-Referat nach Darmstadt muss. «Kommen Sie aus einer Gallensteinfamilie? Ähm, nein, aber ich hab Verwandte in St. Gallen.»

Dann wirds tierisch mit transsexuellen Hunden oder Sodomie-Schweinen: Welsche Säuli würden auf die Frage: «Voulez vous coucher avec moi?» mit «Oui, oui, oui» antworten. Auch mit dem Rezept Welpenkotelett mit Balsamicosauce hält Frey nicht hinterm Berg. Die Beziehung zu Tieren sei ja sehr zweischneidig. Die rund 70 Gäste in der Alten Oele, die Frey bei seinen ausufernden Schweinereien begleitet haben, applaudieren ihn begeistert in eine Zugabe, die wiederum verzückt mit lautem Beifall honoriert wird.

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