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Feier kommt mit dem Schnee

Der Skilift Chuderhüsi wird 50-jährig. Einst nahmen Skibegeisterte Strapa-zen auf sich, um das Angebot zu nutzen. Doch damals war Frau Holle noch eine andere.

Von Schneemengen, wie sie im Februar 2003 lagen, träumen die Liftbetreiber im voralpinen Gebiet.
Von Schneemengen, wie sie im Februar 2003 lagen, träumen die Liftbetreiber im voralpinen Gebiet.
Walter Pfäffli
Derzeit ist auf 1100 Metern über Meer ans Skifahren nicht zu denken.
Derzeit ist auf 1100 Metern über Meer ans Skifahren nicht zu denken.
Thomas Peter
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Zugegeben, es ist kein guter Zeitpunkt dafür, über Skilifte zu berichten. Auch auf dem 1100 Meter über Meer liegenden Chuder-hüsi ist der erste Schnee dieser Saison längst wieder geschmolzen. Und vorläufig ist kein Nachschub in Sicht. In einer Menge, dass hier der Skilift in Betrieb genommen werden könnte, schon gar nicht. Der Skilift besteht seit 50 Jahren. Wann das Jubiläum begangen wird, wird spontan entschieden. Es hängt vom Wetter ab. Denn die Betreiber möchten feiern, wenn der Skilift läuft. Und das tut er längst nicht jeden Winter.

«Das Sonntagsvergnügen»

Es kam nicht von ungefähr, dass Männer in den 1960er-Jahren am Stammtisch die Idee entwickelten, in Gauchern beim Chuderhüsi einen Skilift zu bauen. Denn dass sich an diesem Hang gut Ski fahren lässt, war weitherum bekannt, auch in der Stadt Bern. Mit Extrazügen seien die Leute zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ins Emmental gereist, um hier Ski zu fahren, erzählt man sich. Röthenbachs Gemeindepräsident Matthias Sommer, der in Signau aufgewachsen ist, erinnert sich an Berichte seiner Eltern. Sie hätten jeweils Felle an den Skiern montiert, seien zum Chuderhüsi gewandert, dort eingekehrt und als Höhepunkt des Tages ins Tal hinuntergefahren. «Das war das Sonntagsvergnügen.»

Marbach, Bumbach, Linden

Als dann im voralpinen Gebiet ein Boom einsetzte, wollten die Röthenbacher nicht abseitsstehen. Nachdem 1953 in Marbach der erste Bügellift gebaut worden war, nahmen die Bumbacher 1960 ihren ersten und 1968 den zweiten in Betrieb. Und 1965 stieg auch Linden ins Geschäft ein. «Wir sind schneesicherer», sagte sich eine Gruppe, die sich regelmässig im Restaurant Chuderhüsi am Stammtisch traf. Es waren der Signauer Seklehrer Edwin Loosli, Theo Gerber, Lehrer im Schulhaus Gauchern, und Willy Ramseier, der später das Pistenstübli realisierte, welche die Initiative ergriffen.

Sie holten eine Offerte ein, überzeugten Landbesitzer und packten beim Bau kräftig mit an. So wurde ihr Traum vom eigenen Skilift Realität. Sehr zur Freude der skibegeisterten Jugend in der Region. Sommer erinnert sich, wie sie mit der Schule im Zug nach Bowil fuhren und die ganze Klasse in den schweren Skischuhen, die Latten buckelnd, zum Lift hochmarschierte. Eine solche Tortur wird den Kindern heute nicht mehr zugemutet. Aber es hängt nicht mit dem Anfahrtsweg zusammen, dass die Skiliftbetreiber vor wenigen Jahren vor dem finanziellen Aus standen.

«Mit dem Schnee, der immer schneller schmolz, schmolz auch das Aktienkapital», schreibt Sommer im Röthenbacher Infoblatt. Ein Grounding drohte. Die Verantwortlichen lösten die Aktiengesellschaft auf und gründeten einen Verein. Mitgliederbeiträge und Sponsoringeinnahmen stellen seit 2014 sicher, dass die jährlich anfallenden Fixkosten nun auch in schneearmen Wintern gedeckt werden können. Nur deshalb habe der Skilift Chuderhüsi überlebt und gehöre heute zu Röthenbach wie die Würzbrunnenkirche oder der Aussichtsturm, schreibt Sommer.

Ob die Anlage mehrere Jahrhunderte bestehen wird wie die genannte Kirche, ist allerdings fraglich. Der Vereinsvorstand mache sich durchaus Gedanken darüber, was wäre, wenn der Lift mangels Schnee kaum mehr in Betrieb genommen werden könnte. Solange er Snowboardern und Skifahrern noch an etwa fünf Tagen pro Saison Spass bereiten könne, habe der Skilift Chuderhüsi weiterhin seine Berechtigung, findet der Präsident. «Sonst müssten wir eine andere Nutzung prüfen.» Sommer denkt dabei etwa an eine Rodelbahn oder einen Seilpark.

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