Zum Hauptinhalt springen

Fallen weitere Velofahrverbote weg?

Nächste Woche behandelt der Stadtrat ein Postulat, das verlangt, alle Velofahrverbote in der Thuner Innenstadt aufzuheben. Der Gemeinderat äussert zwar seine Bedenken, ist aber bereit, das Anliegen zu prüfen.

Auf dem Aarequai gilt seit 2013 rund um die Uhr freie Fahrt für Velofahrer. Die Fussgänger haben jedoch auf der Flaniermeile Vortritt.
Auf dem Aarequai gilt seit 2013 rund um die Uhr freie Fahrt für Velofahrer. Die Fussgänger haben jedoch auf der Flaniermeile Vortritt.
Gabriel Berger

Wo Fussgänger und Velofahrer nebeneinander unterwegs sind, sind Emotionen meist vorprogrammiert – etwa auf dem Aarequai, der vom Thuner Mühleplatz bis zur Schiffländte in Hünibach führt.

Im Frühling 2013 wurde die beliebte Flaniermeile auch am Wochenende dauerhaft für Velos geöffnet. Während sich die Velofahrer über neu gewonnene Freiheiten freuten, fühlte sich der eine oder andere Fussgänger gefährdet und an den Rand gedrängt. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.

Postulanten setzen auf gegenseitige Rücksichtnahme

Das Beispiel Aarequai soll nun auch in der Thuner Innenstadt Schule machen. In einem Postulat fordern SP-Stadtrat Martin Allemann und weitere Unterstützer seiner Idee, «sämtliche dauernden und zeitlich begrenzten Fahrverbote für Fahrräder» aufzuheben.

Der Vorstoss wird an der nächsten Parlamentssitzung vom kommenden Donnerstag behandelt. Allemann begründet das Anliegen unter anderem mit der Aufhebung des Wochenendfahrverbots auf dem Aarequai. Dieses habe gezeigt, «dass ein Nebeneinander von Fussgängern und Fahrrädern ohne grössere Probleme möglich sei, wenn beide Gruppen aufeinander Rücksicht nehmen».

Würde das Fahrverbot, wie von den Postulanten gefordert, fallen gelassen, hätte dies konkret zur Folge, dass neu auf dem Rathausquai, auf der Rathaus- und der Parkhausbrücke sowie auf der Unteren und der Oberen Schleuse Velos ­verkehren dürften. Ein zeitlich begrenztes Verbot, das ebenso wegfiele, wäre jenes im Unteren Bälliz während der Ladenhauptöffnungszeiten.

«Nicht so, dass Miteinander konfliktfrei wäre»

In seiner Antwort auf das Postulat zeigt sich der Thuner Gemeinderat offen, das Anliegen zu prüfen. Dabei gelte es aber, «verschiedene Aspekte und Interessen zu berücksichtigen».

Dort, wo das Verbot heute gelte, würden geringe Breiten, enge Radien und knappe Sichtweiten vorherrschen. Im Bälliz stehen laut dem Gemeinderat «insbesondere an Markttagen» die Interessen des Veloverkehrs im Konflikt mit denjenigen der Fussgänger.

Der Gemeinderat teilt zwar die Meinung der Postulanten, dass die Erfahrungen auf dem Aarequai seit der Änderung von 2013 «weitgehend positiv» seien, hält aber auch fest: «Es ist nicht so, dass das Miteinander konfliktfrei wäre. Es treffen immer wieder negative Rückmeldungen bei der Stadtverwaltung ein.»

Einige Velofahrer würden ihre Geschwindigkeit nicht der Situation anpassen und auch den Vortritt der Fussgänger nicht respektieren. So beurteilt die Thuner Regierung eine generelle Aufhebung von Fahrverboten für Velos denn auch kritisch.

Auf der Oberen Schleuse müssen Velofahrer absteigen. Ein Postulat fordert nun, dass das Fahrverbot für Velos unter anderem hier aufgehoben wird. Bild: Gabriel Berger
Auf der Oberen Schleuse müssen Velofahrer absteigen. Ein Postulat fordert nun, dass das Fahrverbot für Velos unter anderem hier aufgehoben wird. Bild: Gabriel Berger

Grundsätzlich seien Gehwege und Trottoirs weiterhin den Fussgängern vorbehalten. «Eine Öffnung für den ­Veloverkehr soll nur geprüft werden, wenn für den Veloverkehr keine Alternativen bestehen», heisst es.

Schliesslich weist der Gemeinderat darauf hin, dass anlässlich der laufenden Ortsplanungsrevision auch ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet werde, in dem Netzpläne für alle Verkehrsarten einfliessen sollen.

Die einzelnen Netzpläne seien anschliessend «in einer Synthese aufeinander abzustimmen». Die unterschiedlichen Interessen von Fussgängern und Velofahrern werden den Thuner Politbetrieb also ohnehin weiterhin beschäftigen.

Die Stadtratssitzungfindet am 15. Februar um 17.15 Uhr im Rathaus Thun statt. Sie ist öffentlich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch