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Fahler Beigeschmack

Der Kommentar von Michael Gurtner zu Thomas Rosenbergs Wechsel von den Glünliberalen zu den Grünen.

Michael Gurtner, Stv. Chefredaktor Thuner Tagblatt, m.gurtner@bom.ch
Michael Gurtner, Stv. Chefredaktor Thuner Tagblatt, m.gurtner@bom.ch

Was derzeit in der Thuner Politik abgeht, ist aussergewöhnlich: Thomas Rosenberg ist der fünfte amtierende Stadtrat, der innerhalb von wenigen Monaten die Partei wechselt – in seinem Fall von den Grünliberalen zu den Grünen. Grundsätzlich ist es das gute Recht einer jeden Politikerin und eines jeden Politikers, sich einer anderen Partei anzuschliessen.

Wenn dies nur gut zwei Monate nach Legislaturstart geschieht, wirft das allerdings Fragen auf. Offenbar stimmte die Chemie mit den beiden bisherigen GLP-Stadtratsmitgliedern nicht. Zudem trug sich Rosenberg nach eigenen Angaben schon länger mit dem Gedanken, zu den Grünen zu wechseln. Trotzdem kam der Entscheid für seinen einstigen GLP-Co-Präsidenten – Zitat – «sehr überraschend».

Was diese Zeitung schon im Sommer 2018 bilanzierte, gilt mit dem neusten Wechsel umso mehr: Dem Vertrauen in die Politik sind solche Rochaden alles andere als förderlich. Dies, zumal der neuste Wechsel einen markanten Unterschied zu den vier vorangehenden aufweist: Claude Schlapbach und Susanna Ernst (beide von der BDP zur FDP), Peter Aegerter (von der BDP zur SVP) und Serge Lanz (von der FDP zur SVP) wechselten die Partei vor den Wahlen.

Sprich: Die Wählerinnen und Wähler hatten die Chance, an der Urne zu entscheiden, ob sie die Wechsel goutierten oder nicht. Tatsächlich wurden Schlapbach und Ernst abgewählt – Susanna Ernst rutschte schliesslich für Carlos Reinhard nach, der auf sein Stadtratsamt verzichtete.

Thomas Rosenberg hingegen wurde erst im November gewählt. Und zwar eben als Vertreter der Grünliberalen.Da dürften sich viele, die ihn wählten, zu Recht verschaukelt fühlen. Entsprechend fahl ist der Beigeschmack, den ein Wechsel so kurz nach den Wahlen hinterlässt. Politikverdrossenheit lässt grüssen.

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