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Einer, der Geschichten in Bildern schreibt

Christian Helmle versteht sich mit seinem Bildband «Selve» als Geschichtenschreiber. Seine Zeitzeugen erzählen von den Anfängen der Metallwerke bis zum Produktionsstopp, von der Partymeile bis zum Bau von neuen Gebäuden.

1985 fotografiert: Zwei Arbeiter verlassen nach Feierabend die Metallwerke.
1985 fotografiert: Zwei Arbeiter verlassen nach Feierabend die Metallwerke.
Christian Helmle
1989 fotografiert: Ein Mann in der Giesserei stellt sich dem Funkenregen.
1989 fotografiert: Ein Mann in der Giesserei stellt sich dem Funkenregen.
Christian Helmle
2001 fotografiert: Drei Männer verlassen den einstigen Club America.
2001 fotografiert: Drei Männer verlassen den einstigen Club America.
Christian Helmle
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Da treten zwei Arbeiter nach Feierabend aus der Werkhalle, über welcher der Schriftzug «Schweizerische Metallwerke Selve» von 1919 an alte Zeiten erinnert. Dort stellt sich ein Handwerker mit ­gespreizten Beinen dem glitzernden Funkenregen bei seiner Arbeit in der Giesserei. Da sind ein Kleinmotorflugzeug und mehrere Fahrzeuge in der fast leeren riesigen Halle 6 parkiert, in der heute gefeiert, gespeist und gearbeitet wird. Dort verlassen drei Partygänger im schummrigen Licht der Leuchtreklamen den Club America, und andere flanieren in der Dunkelheit durch die nasse Scheibenstrasse von Bar zu Dancing.

Diese Beispiele beschreiben ­einige wenige der unzähligen Aufnahmen, welche der Thuner Christian Helmle in der Selve seit den 1980er-Jahren gemacht hat. Von ihnen zeigt er nun eine Auswahl in seinem neusten Bildband «Selve», der in Bereiche Fabrik, Kultur und Wohnen unterteilt ist.

Vernissage am Donnerstag

Der Zeitpunkt der Vernissage für den Fotoband ist abgestimmt auf die Abschlussfeier der Selve-Park AG, welche am Tag darauf, am 31. März, liquidiert wird. Die Stadt Thun und der Kanton haben diese nach der 1994 erfolgten Schliessung der Metallwerke beziehungsweise nach der Übergangszeit in der Selve als Partymeile im Jahr 2000 gegründet. Da heute die Altlasten auf dem Areal saniert sind und das neue Verwaltungs- und Wohnquartier erstellt ist, hat die AG ihren Zweck erfüllt. Dies ist auch der Auslöser für den Zeitpunkt des Bildbands, für den am kommenden Donnerstag um 18 Uhr die Vernissage über die Bühne geht.

«Ich wollte schon vor Jahren ein Buch realisieren, doch dieser Plan ist damals im Sand verlaufen», sagt Christian Helmle und ist nun überglücklich. «Jetzt hat sich dieser doch noch realisiert.»

Niedergang lässt sich erahnen

Während im 2013 erschienenen Buch «Selve Thun» die Erinnerungen des ehemaligen Selve-Arbeiters John Peter Haller und mit ihm auch die gesamte Geschichte der Selve bis zur Schliessung der Werke festgehalten ist, zeigt Christian Helmles Bildband fotografisch diejenige von den Achtzigerjahren bis heute. Legenden liefern die nötigen Angaben zu den Bildern. «Die Erinnerungen und Geschichten dazu können sich die Betrachtenden selbst machen», sagt er. «Der allmähliche Niedergang lässt sich in den Fotos bereits erahnen.» Auf den Produktionsstopp 1993 folgte ein Jahrzehnt des Übergangs: «Es entstanden Freiräume für Künstler, Musikerinnen und alle Arten von Kleingewerblern und Freaks», erinnert sich Helmle.

Halblegale Bars und Feste gehörten ebenso dazu wie Schlägereien und Brände oder auch kommerzielle Clubs. «Die Partyszene zog massenhaft Leute von weit herum an», erinnert sich Christian Helmle. Es folgten bald Schliessungen und Probleme.

Erinnerung an Else von Selve

Der einstige Stadtplaner Guntram Knauer leitet zudem mit einer «Chronik eines Quartiers» in den Fotoband von Christian Helmle ein. «Viele kennen die Selve als ­legendäre Partymeile, die an Silvester 2007 ausgetanzt hat, andere verbinden mit der Selve den langsamen, schmerzlichen Niedergang einer Industrie. Wenige ältere Thunerinnen und Thuner erinnern sich an Else von Selve und die Glanzzeit der Bunt­metallfabrikation.»

Vernissage:Donnerstag, 30. März, 18 Uhr, Scheibenstrasse 6 in Thun.

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