Eine Lehre mit Durchblick

Anja Steudler, 19, aus Krattigen macht eine Lehre zur Optikerin bei Klossner Optik in Thun. Sie hat mit Meret vom «Pfeffer»-Team gesprochen und ihr erzählt, was den Beruf in ihren Augen spannend macht.

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Anja, wieso willst du Optikerin werden?

Ich finde, dass dieser Beruf sehr vielfältig ist und man sehr viel Menschenkontakt hat. Das ist mir besonders wichtig. Ausserdem hat mich meine Mutter überredet, mir das mal anzuschauen.

Wie ist die Lehre zum Optiker aufgebaut?

Die Lehre dauert vier Jahre. Im ersten Lehrjahr hat man zwei Tage Unterricht, davon anderthalb Tage berufliche Grundbildung mit Physik, Chemie, Anatomie, Mathematik, Englisch und angewandte Augenoptik, sowie einen halben Tag ABU und Sport. Vom 2. Lehrjahr an hat man nur noch einen Tag Unterricht, jeweils den halben Tag Grundbildung, den Rest des Tages ABU. Dazu gehören 9 überbetrieblichen Kurse, die man in Olten im Kurszentrum für Augenoptik absolviert. Eine verkürzte Lehre gibt es nicht.

Welche Weiterbildungen gibt es?

Man kann zum Beispiel eine Weiterbildung zum Opthoptist für Sehbehinderungen unter 20 Prozen Sehvermögen machen. So kann man Low-Vision-Sehtrainings anbieten. Man kann auch Vertreter werden oder Optometrist für Sehtests und Linsenanpassung oder den Bachelor und den Master machen.

Was ist die häufigste Frage, die du zu hören bekommst?

Können Sie die Kratzer rauspolieren? Die Antwort ist immer: Nein das geht nicht.

Was hat sich in deinem Beruf in den letzten zehn Jahren verändert?

Die Konkurrenz ist stark gewachsen, auch auf dem Platz Thun, und man hat weniger junge Kunden. Diese wechseln eher mal noch die Brille oder tragen überhaupt keine, weil es ihnen egal ist, nicht perfekt zu sehen. Ausserdem wird die Werkstatt kleiner, die Auswahl aber grösser. Es gibt Brillen für Autofahrer, drei Versionen für den PC, solche mit Blaulichtbeschichtung, Wellnessgläser mit zusätzlicher Nahunterstützung für Leute mit digitalem Stress und solche speziell fürs Schiessen. Mein Chef ist übrigens auch der Spezialist für Schiessbrillen.

Wie viel macht ihr hier noch selber?

Wir löten noch und führen die Reparaturen durch, das Schleifen der Gläser wird auch noch von Hand gelernt, allerdings nicht mehr wirklich praktiziert. Bei Billigmarken wird vor Ort nicht repariert, die Brille wird eingeschickt oder ein Ersatzteil eingebaut.

Hast du eine Brille?

Ja, ich sehe eigentlich 120 Prozent, habe aber trotzdem eine kleine Korrektur und bin froh darüber. Jeder Mensch braucht eigentlich eine minimale Korrektur, egal, was für ein Ergebnis er beim Sehtest hat.

Gibt es eine Optikermesse?

Ja, es gibt die Silmo in Paris oder die Opti in München. In Zürich gibt es auch noch die Hall of Frame. Die Optiker bekommen dafür eine Einladung, die Messe ist nicht öffentlich.

Wo und wie kauft ihr eure Modelle?

Wir kaufen direkt bei Vertretern. Ersatzteile bekommen wir beim Lieferanten.

Mode – wie stark prägt sie das Geschäft?

Der Einfluss ist sehr gross, wir haben hier aber vor allem Stammkunden, die bleiben gerne beim Alten und Bewährten. Die jungen Frauen wollen heute vor allem Dior-Brillen in Roségold, die jungen Männer vor allem Hackett, früher waren es die Holzbrillen. Doppelsteg ist auch wieder im Trend, genauso wie runde und grössere Gläser. Für die 40- bis 50-Jährigen haben wir Cartier und für die Senioren Didier Voirol von einem Schweizer, der auch in der Schweiz produziert.

Worauf muss man achten, wenn man eine Brille kaufen will?

Da gibt es schon einiges. Wenn man zum Beispiel blaue Augen hat, sehen türkis Rahmen sehr gut aus. Die Augenbrauen dürfen den Brillenrand nicht kreuzen, er muss darüber oder darunter sein – und natürlich ist zentral, was der Kunde für Wünsche hat. Gelbe oder grüne Farben machen das Gesicht fad und sind nicht zu empfehlen, Holz oder Naturton gehen aber immer. Je nach Persönlichkeit kann ein dicker Rahmen gut passen, man darf sich aber nicht dahinter verstecken. Das Erste, was man sieht, sollte nicht die Brille sein.

Was ist hier besser als beim Discounter?

Unser Service ist persönlich, wir nehmen uns Zeit für die Kunden und kennen die meisten sogar beim Namen. Wir sind ein kleines und deshalb eingespieltes Team und sind deshalb wie eine Familie. Ich kann mich auf die anderen verlassen. Die Qualität der Fassungen ist auch höher, das Richten der Brille ist gratis, und wir versuchen, die Brille am Leben zu erhalten. Man bekommt nicht einfach eine Brille und eine Quittung in die Hände gedrückt.

Wie funktioniert der Ablauf von der Auswahl des Gestells bis zur fertigen eigenen Brille?

Wenn das Gestell vom Kunden ausgesucht wurde, wird es anschliessend angepasst, damit die Gläser richtig zentriert geschliffen werden können. Das ist sehr wichtig bei Gleitsichtgläsern, die oben für Kurzsichtigkeit, unten für Weitsichtigkeit eingestellt werden. Ist das Glas falsch zentriert, sieht man damit nicht scharf. Die korrigierten Gläser werden von uns beim Hersteller bestellt und ungeschliffen geliefert. Man kontrolliert zuerst mit einem Scheitelbrechwertmesser, ob die Korrekturwerte übereinstimmen mit der Bestellung und ob Kratzer oder Einschlüsse – das sind Partikel im Glas – vorhanden sind. Der Schleifautomat schleift danach das Glas so, dass es in die Fassung passt und drinnen bleibt. Dafür wird entweder eine Rille oder eine Spitzfacette – das ist ein Rand in der Glasmitte – eingeschliffen. Die Poliermaschine benutzt man anschliessend, damit der Rand nicht milchig ist. Mit einem Zahnstocher kann man dann eventuelle Stäubchen aus der Rille entfernen. Mit Brennsprit wird das Glas dann gereinigt. Man kontrolliert nochmals, ob die Pads gut sind, sonst muss man sie noch ersetzen. Voilà, fertig ist die Brille.

Meret Schmid (20) ist Gymnasiastin am Standort Thun-Schadau. Ihre Hobbys sind Schwimmen und Lesen.

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