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«Du wärst Bundesrat geworden»

Gleich 58 Autoren haben ein sehr persönlich gefärbtes Buch über den abtretenden Sigriswiler SVP-Nationalrat Adrian Amstutz kreiert. Darunter aktive und ehemalige Bundesräte und weitere Zeitgenossen.

Alain Diezig (Lektorat), Hansueli von Allmen (ehemaliger Stapi Thun), Adolf Ogi (Alt-Bundesrat) und Adrian Anstutz (v.l.).
Alain Diezig (Lektorat), Hansueli von Allmen (ehemaliger Stapi Thun), Adolf Ogi (Alt-Bundesrat) und Adrian Anstutz (v.l.).
Patric Spahni

«Er will jetzt für seine Grosskinder Puzzlespiele mit dem Laubsägeli herstellen mit der Schweiz darauf, damit sie zusammensetzen können, was er mit der Kettensäge auseinandergesägt hat – nämlich eben die Schweiz», hielt Heinz Däpp, Journalist und Satiriker, am Donnerstagabend im Restaurant Beau-Rivage Da Domenico in Thun humorvoll fest. Angesprochen war damit der abtretende Sigriswiler SVP-Nationalrat Adrian Amstutz.

Heinz Däpp machte den Auftakt zu einer ziemlich persönlich gefärbten Buchvernissage. Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal wurde das Buch «Den Eiger kümmerts nicht» vorgestellt. Zur Buchpremiere gekommen waren Politiker, Freunde, Sportler, Gäste und die Familie. Das knapp 250-seitige Werk ist eine Hommage an den bekannten SVP-Politiker, der 16 Jahre im Bundesparlament mitwirkte und nun von der Politbühne abtritt.

«Der Spruch von Franz Hohler hat mich ein Leben lang begleitet und mir vorab Kraft gegeben.»

Adrian Amstutz über den Buchtitel

Gleich 58 Autoren, darunter sieben aktive und ehemalige Bundesrätinnen und Bundesräte aus drei Parteien, sowie Weggefährten aus Politik, Kultur und Sport haben mit Gastbeiträgen im Buch mitgewirkt, das im Werd-und-Weber-Verlag erschienen ist. Unter ihnen eben auch Heinz Däpp. Und er spann den satirischen Faden gleich weiter: «Ich danke dir, Adrian, dass du mir immer wieder ungefragt und unbestellt satirischen Rohstoff geliefert hast.»

Keine Biografie

«Den Eiger kümmerts nicht» ist indessen keine Biografie. «Obwohl diese Idee ursprünglich im Raum gestanden war», betonte René E. Gygax. Der ehemalige Chefredaktor des «Thuner Tagblatts» und des «Berner Oberländers» führt im Buch ein langes Gespräch mit dem Politiker. «‹Ich will keinen Nachruf zu Lebzeiten›, war das Erste, was er mir gesagt hatte», ging Gygax auf die Entstehungsgeschichte des Werks ein.

«Ich wäre nicht wohl gewesen und die anderen sechs auch nicht.»

Adrian Amstutz?über seine Nichtkandidatur als Bundesrat

«Ich hatte mir vorgestellt, das Buch ‹Mit der Motorsäge durchs Bundeshaus› zu nennen», fuhr René E. Gygax fort. Adrian Amstutz hatte aber eine ganz andere Idee. Wie er denn auf den Spruch «Den Eiger kümmerts nicht» gekommen sei, wollte Gygax am Donnerstagabend denn auch wissen: «Der Spruch von Franz Hohler hat mich ein Leben lang begleitet und mir vorab Kraft gegeben, wenn es mir schlecht ging», antwortete Amstutz.

Kritische Momente

In seinem 40-seitigen Buchinterview lässt Gygax auch kritische Momente nicht aus. Es kommt zum Beispiel die «Arena»-Sendung im Jahr 2010 mit SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga zur Sprache, in der es um die SVP-Ausschaffungsinitiative ging und Amstutz einen Shitstorm auslöste, indem er der Bundesrätin an den Kopf warf, sie erzähle einen Seich nach dem anderen.

Thematisiert wird ebenso der «halbe Bundesrat» Samuel Schmid, der im Jahr 2007 gegen den klaren Willen der SVP-Fraktion vorab von den anderen Parteien in den Bundesrat gewählt wurde, sowie die Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher, an dessen Stelle Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat einzog, was schliesslich in der Abspaltung der BDP von der SVP gipfelte.

Ogis Ratschläge

Zu Wort kam an der Vernissage unter der Moderation von Kulttrainer Hanspeter Latour ebenso Alt-Bundesrat und Weg­bereiter Adolf Ogi. «Ich habe ihm einmal eine Stunde lang aufgezeichnet, wie man Nationalrat wird. Er hat sich nicht an alle Ratschläge gehalten», sagte Ogi mit einem Schmunzeln. Und weiter: «Du wärst Bundesrat geworden, da bin ich mir sicher. Schade, hast du Nein gesagt.» Amstutz war um eine Antwort nicht verlegen: «Ich wäre nicht wohl gewesen und die anderen sechs auch nicht.»

Ogi ging weiter auf die unterschiedlichen Meinungen in Sachen Europa ein: «Weil ich in Kandersteg an der Bahnlinie nach Mailand aufgewachsen bin, war ich für einen EWR-Beitritt.» Adrian Amstutz konterte und pries die Schönheiten von Sigriswil und die Aussicht auf den Thunersee – und ging auf seinen Sigriswiler Vorgänger im Nationalrat, den im April verstorbenen Fritz Abraham Oehrli ein: «Er hat mich immer unterstützt, sowohl im Privaten wie auch in der Politik.»

Lange überlegt

Lange überlegt, ob er einen Beitrag zum Buch beisteuern wolle, hat der ehemalige Thuner SP-Stadtpräsident Hansueli von Allmen. Er sprach an der Vernissage über die Zusammenarbeit mit Adrian Amstutz als damaligem Präsidenten der Tourismusorganisation Thun-Thunersee. «Er hat in einer damals schwierigen Zeit viel erreicht und war immer gut vorbereitet, was er auch von den Vorstandsmitgliedern erwartete», sagte er.

Im Buch erzählen weitere Wegbegleiter über die Zeit als Fallschirmgrenadier und die Zeit als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft der Fallschirmspringer. Und da ist auch die Familie: «Ich freue mich jetzt schon auf das ausgesägte Puzzle, bin sehr gespannt», meinte Enkelin Silya Furer, die für das Buch ebenfalls einen Beitrag verfasst hat.

«Den Eiger kümmerts nicht» mit Adrian Amstutz und René E. Gygax. ISBN 978-3-03818-235-1. Werd und Weber Verlag AG.

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