Die Sicht auf Thun von damals bis heute

Thun

Die neue Sonderausstellung im Schloss Thun zeigt, wie sich die Stadt vom Schultheissensitz zur Tourismusdestination entwickelte.

Yvonne Wirth, die Leiterin des Schlossmuseums, zeigt in der neuen Sonderausstellung auf, wie der Tourismus die Sicht auf die Stadt Thun veränderte.

Yvonne Wirth, die Leiterin des Schlossmuseums, zeigt in der neuen Sonderausstellung auf, wie der Tourismus die Sicht auf die Stadt Thun veränderte.

(Bild: PD/Karin Scheidegger)

15000 Sammlungsstücke zur Geschichte Thuns gibt es im Fundus des Schlossmuseums. Mindestens. Die Stiftung Schloss Thun und die neue Museumsleiterin Yvonne Wirth haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, diese Sammlung in den nächsten Jahren aufzuarbeiten und sichtbar zu machen.

Ein erster Schritt ist die neue Sonderausstellung, die sich der Darstellung Thuns von der Zeit der Schultheissen bis heute widmet und dabei immer wieder die Aussicht vom Schlossberg auf See und Berge in den Mittelpunkt rückt.

Waren es erst Gemälde und Drucke, kamen später Fotografien und Filme dazu. War es erst die politische Motivation, um Thun als Hauptort des Kantons Oberland zu festigen, ging es mit dem aufkommenden Tourismus darum, die Stadt so darzustellen, wie sie die Welt sehen wollte. Mitunter auch unter Einbezug unlauterer Mittel...

Um 1830 wars, als sich Thun zum touristischen Hotspot mauserte. «Die Welt kam nach Thun», sagt Yvonne Wirth und deutet auf einen Gästebucheintrag, mit welchem sich Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verewigte; niemand Geringeres als der künftige Ehemann von Queen Victoria. Die Adligen und das gehobene Bürgertum, aber auch Gelehrte und Künstler gaben sich in den Nobelhotels die Klinke in die Hand. Und Reiseführer kürten die Grandhotels Bellevue und Thunerhof zu «den besten Hotels der Welt».

Photoshop 1.0

Dass in unmittelbarer Nähe dazu die Hütten der Ziegelei Schrämli standen, wo die einfachen Arbeiter ein- und ausgingen, wird dabei oft vergesssen. Es passt in diese Zeit, dass man sich die Wahrheit etwas zurechtrückte: So finden sich auf alten Fotochromaufnahmen mit dem Ausblick vom Schloss plötzlich nicht mehr nur die Blümlisalp, sondern auch die Jungfrau wieder, die von dort gar nicht sichtbar ist.

«Das ist Photoshop 1.0», lacht Yvonne Wirth und zeigt dann auf heutige Instagram-Aufnahmen vom Schloss. «Damals wurden die Schwarzweiss-Aufnahmen nachkoloriert, heute legt man einfach einen Filter drüber.»

Überreste der DS Bellevue...

In die Zeit der touristischen Erschliessung Thuns gehört auch die aufkommende Schifffahrt, die von den Gebrüdern Knechtenhofer, denen auch das Hotel Bellevue gehörte, vorangetrieben wurde. Das gleichnamige Dampfschiff sank bei einem Sturm im Jahr 1864 vor Oberhofen. Die beiden einzigen Überreste sind die Schiffshaube und die -orgel. Beide Gegenstände sind ebenfalls im Rahmen der Sonderausstellung zu sehen.

Eine Trouvaille ist auch der Film von 1918, den Yvonne Wirth extern organisieren konnte: Er zeigt chice Damen, die den Aarequai entlangspazieren, und Kinder, die vor dem Knabenschützenhaus spielen. Aber auch Aufnahmen von Spiez und Oberhofen. «Ein berührendes Zeugnis der Geschichte Thuns», sagt Yvonne Wirth. «Aber auch ein sehr interessantes Dokument. Denn wem ist es wohl in den Sinn gekommen, während des Ersten Weltkriegs einen touristischen Werbefilm zu drehen?»

Thun neu entdecken

«Für mich war diese Ausstellung eine ganz besondere Erfahrung», sagt die neue Museumsleiterin. «Schliesslich bin ich selber daran, Thun und seine Geschichte zu entdecken.» «Ihre» Stadt neu entdecken können aber auch die Thunerinnen und Thuner. Und zwar noch bis zum 6. April 2021. Von da an sind jährlich wechselnde Sonderausstellungen geplant. Schliesslich hat der Fundus des Schlossmuseums noch einiges zu bieten...

«Stadterkundigungen und Landpartien», Sonderausstellung im Schloss Thun: täglich geöffnet von 10 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter schlossthun.ch.

Thuner Tagblatt

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