Die Magie des Di-del-diiii

Die Kirchgemeinde lädt am Pfingstmontag in die Stadtkirche zum Orgelkonzert. Nebst anderen Werken wird das berühmte Di-del-diiii der bachschen Toccata und Fuge d-Moll erklingen.

Babette Mondry, Organistin in der Stadtkirche Thun.

Babette Mondry, Organistin in der Stadtkirche Thun.

(Bild: PD)

«Wenn ich Schulklassen eine Orgel zeige und dann die d-Moll-Toccata spiele, entsteht kindliches Staunen», weiss Stadtorganistin Babette Mondry, die am Pfingstmontag zum 5. Orgelkonzert der Saison 2019 bittet.

Ta-ta-tataaa löse unmittelbar den Gedanken an ein riesiges Sinfonieorchester aus, das Beethovens Fünfte spiele. Genauso reflexartig assoziiere Di-del-diiii in hoher Tonlage eine grosse, erhabene Orgel in einer Kirche.

Der Beginn von Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll stehe als stolzes Synonym der Orgelmusik, so die Stadtorganistin. Das Werk ist sicherlich das bekannteste Orgelwerk der europäischen Musikgeschichte.

Dabei hat es immer wieder auch musikwissenschaftliche Einwendungen gegen die Urheberschaft Bachs gegeben, denn es gibt keine Originalschrift. Begründet werden diese Zweifel mit der für bachsche Werke untypischen einfachen Harmonik.

Die Forschung räumt allerdings auch ein, dass es sich um ein zwischen 17:03 und 17:07 in Arnstadt entstandenes Frühwerk handeln könnte. Babette Mondry zweifelt die Herkunft nicht an.

Die Toccata und Fuge d-Moll ist für sie eindeutig ein Jugendwerk Bachs – ein genialer Einfall, genial einfach umgesetzt. Die Tonfolge liege genauso gut in den Händen des Spielenden wie gewinnend in den Ohren der Zuhörer, sind ihre Erfahrungen. Orgelmusik, die ins Ohr gehe, Groove hat und das Klischee weiss gepuderter, etwas langmütiger Barockmusik Lügen strafe.

Bewundern und Kichern

Die Begeisterung in den Augen jugendlicher Zuhörer, den Beginn erkannt zu haben, sei enorm, so die Organistin. Darauf folge Bewundern und Kichern über die schnellen Füsse beim Pedalsolo und Faszination beim Schluss, der so laut, wie es geht, gespielt wird.

Im weiteren Programm erklingen drei der melancholischen «Pastorales pour une flûte d’été» vom lettischen Komponisten Imants Zemzaris sowie die «Miniatur-Toccata» der Italienerin Mel Bonis.

Vom Meister der geschmeidigen Melodien erklingt César Francks «Prélude, fugue et variation» in h-Moll op. 18. Und zum Schluss des einstündigen Konzerts erlebt das Publikum die ganze Bandbreite des sinfonischen Orgelklanges der Stadtkirchenorgel.

Im Kontrast hell-dunkel bewegt sich das Werk von Maurice Duruflé, das eine Variation zum uralten, bis heute in allen Kirchen gesungenen «Veni creator» – zu Deutsch «Komm, Schöpfer, Heiliger Geist» – darstellt.

Orgelmusik zu Pfingsten mit Solistin Babette Mondry, Pfingstmontag, 10. Juni, 17 Uhr, Stadtkirche Thun. Eintritt frei, Kollekte.

Thuner Tagblatt

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