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Der Hirsmontag wird weiblich

Heute in unserer Serie «Angetroffen»: Melina Kipfer. Die junge Frau ist die erste Präsidentin der Amsoldinger Hirsmontagsgesellschaft.

Marc Imboden

Über Langeweile kann sich die junge Frau in diesen Tagen nicht beklagen. Die Präsidentin der Hirsmontagsgesellschaft Amsoldingen hat alle Hände voll zu tun mit der Organisation des Anlasses, der alle zehn Jahre stattfindet.

Am Samstag ging der erste Akt über die Bühne, die traditionelle Versteigerung einer Tanne. Diese wurde von der Burgergemeinde Amsoldingen gespendet und von einigen Einheimischen für 4600 Franken ersteigert. Der Erlös fliesst in die Vereinskasse und wird für das Fest aufgewendet, das am 29. Februar stattfindet. An diesem Tag werden die kostümierten und ledigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verkleidet und mit der Tanne im Schlepptau durch die Gegend ziehen.

Am Abend steigt dann das grosse Fest, zu dem erstmals das ganze Dorf eingeladen sein wird – auch die Ledigen. «Wir wollen nicht, dass die Leute wieder nach Hause müssen, sobald der Umzug zu Ende ist; denn wir haben in Amsoldingen kein Restaurant mehr», begründet Melina Kipfer den Entscheid.

Der Ursprung des Hirsmontagsbrauches liegt viele Jahrhunderte zurück und war Bestandteil der alten Berner Fasnacht. Weil Hirse bis ins 16. Jahrhundert das Hauptnahrungsmittel der Armen war, spendeten die wohlhabenderen Teile der Gesellschaft Hirsebrei an die Bevölkerung, und an der Tannefuhr präsentierten sich die ledigen Männer den alleinstehenden Frauen im heiratsfähigen Alter.

Nachdem der Brauch in Vergessenheit geraten war, wurde er im letzten Jahrhundert wiederbelebt. Weil sich aber auch Bräuche und Traditionen den geänderten Verhältnissen anpassen müssen, sind Frauen in den Hirsmontagsgesellschaften immer öfter willkommen – auch in Amsoldingen. Dass aber eine Frau auch das Präsidium übernimmt, ist hier ein Novum.

«Ich wurde vom Vizepräsidenten des Hirsmontags 2010 angefragt, ob ich Präsidentin werden wolle», erinnert sich Melina Kipfer. Sie sagte Ja – denn mit dem Dorf ist sie fest verbunden. Sie ist in Amsoldingen aufgewachsen, lebt immer noch hier und war lange Zeit im Turnverein aktiv.

Auf aktive Kolleginnen und Kollegen traf sie auch im Vorstand der Hirsmontagsgesellschaft. Zusammen konnten sie viele ledige Amsoldingerinnen und Amsoldinger motivieren, sich eine Verkleidung zusammenzustellen und am Umzug teilzunehmen. Welches Kostüm Melina Kipfer gewählt hat, zeigt sich am 29. Februar.

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