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«Das habe ich nicht gemacht»

Ein Mann soll zwischen 1993 und 1998 seiner Nichte zu nahe gekommen sein. Vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind wurde er aber freigesprochen.

Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der Onkel seine damals 5-jährige Nichte sexuell missbraucht hat (Symbolbild).
Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der Onkel seine damals 5-jährige Nichte sexuell missbraucht hat (Symbolbild).
iStock

Einem heute 59-jährigen Schweizer aus der Region Thun wurden sexuelle Handlungen mit seiner Nichte sowie sogar deren Schändung zur Last gelegt. Die Übergriffe gehen auf die Jahre 1993 – das Mädchen war damals erst 5-jährig – bis 1998 zurück.

Im ersten Fall soll der Beschuldigte dem Mädchen sein steifes Glied entgegengestreckt haben. Es musste dieses angeblich in den Mund nehmen und «ine und use»-Bewegungen machen. Circa zwischen Herbst 1996 und Herbst 1998 soll es zu weiteren sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die Handlungen sollen im Oberland und in der Ostschweiz begangen worden sein.

Am Donnerstag hatte sich nun der Mann vor dem Regionalgericht Oberland in Thun zu verantworten. Bei seiner Einvernahme durch Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann bestritt er die Vorwürfe nach wie vor vehement. «Ich bin schockiert, dass mir das angelastet wird, das habe ich nicht gemacht», bekräftigte er die bereits mehrfach gemachten früheren Aussagen.

Den Tränen nahe

Die heute 30-jährige Nichte des Beschuldigten, die als Privatklägerin auftrat, hielt an den Vorwürfen gegen ihren Onkel fest. Oft den Tränen nahe, schilderte sie, was ihr widerfahren sei. Nachdem ihr in späteren Jahren die Vorkommnisse immer wieder hochgekommen seien, habe sie 2017 Anzeige erstattet.

«Ich leide noch heute darunter», erklärte die durch eine amtliche Anwältin vertretene Frau. Letztere stufte die Aussagen ihrer Mandantin, auch nach so langer Zeit, als absolut glaubwürdig ein. Sie beantragte einen Schuldspruch und eine Genugtuung von 2000 Franken sowie die Entschädigung der Parteikosten.

Freispruch verlangt

Demgegenüber sah der amtliche Verteidiger des Beschuldigten die Vorwürfe als keineswegs erwiesen an. «Es ist fraglich, ob sich die Ereignisse überhaupt wie von der Frau geschildert abgespielt haben», sagte er in seinem Plädoyer unter anderem.

Ein weiteres Indiz sei, dass die Frau den Täter nicht einwandfrei habe beschreiben können. Der Verteidiger bezog sich zudem auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, in welcher – was ungewöhnlich ist – ein Freispruch beantragt wurde. Er verlangte ebenfalls einen Freispruch und eine angemessene Entschädigung.

Die Einzelrichterin folgte in ihrem Urteil der Argumentation des Verteidigers. Sie sprach den Beschuldigten von den Vorwürfen der sexuellen Handlungen mit Kindern und der Schändung frei. Die Verfahrenskosten von rund 3500 Franken werden dem Kanton Bern überbunden, und die Zivilklage wurde abgewiesen.

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