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Bei zu viel Verkehr auf der A6 wird das Tempolimit gesenkt

Ein neues System soll Staus und Unfälle verhindern helfen: Bei drohender Verkehrsüberlastung senkt es die Höchstgeschwindigkeit. Dafür wurden zwischen Bern und Thun 31 Signaltafeln installiert.

Die 31 neuen Signale zwischen Muri und Rubigen sollen eine dynamische Tempoanpassung an das Verkehrsaufkommen ermöglichen.
Die 31 neuen Signale zwischen Muri und Rubigen sollen eine dynamische Tempoanpassung an das Verkehrsaufkommen ermöglichen.
Christian Pfander

Auf einmal leuchtet die Zahl 100 auf. Gerade noch war die Signaltafel über der A 6 bei Rubigen schwarz, nun bremst die eingeblendete Tempolimite die Autofahrer herunter, die in Richtung Bern mit 120 Stundenkilometern unterwegs sind. Das neue Regime gilt jedoch nur für wenige Minuten. Dann wird die Tafel schwarz, gilt wieder Tempo 120. Die kurze Demonstration am Mittwochmorgen ist nicht für die Autofahrer gedacht, sondern für Journalisten.

Schon bald dürfte es aber kei­ne Ausnahme mehr sein, wenn Autofahrer auf der A 6 auf 100 oder gar 80 Stundenkilometer heruntergebremst werden. Denn im Januar nimmt das Bundesamt für Strassen (Astra) auf dem Abschnitt Bern–Thun ein neues System in Betrieb.

Der Name des Systems ist so umständlich, dass ihn nicht einmal David Wetter, Chef der Thuner Astra-Filiale, unfallfrei herunterbeten kann: Geschwindigkeitsharmonisierungs- und Gefahrenwarnanlage, abgekürzt GHGW, heisst es.

Das Ziel ist klar: Durch die op­timale Geschwindigkeit sollen Staus und Unfälle vermieden werden, zudem soll die Sicherheit der Autofahrer durch Warnungen erhöht werden.

Stau und Unfälle vermeiden

Ganz neu ist das Prinzip allerdings nicht. Auf 345 Schweizer Autobahnkilometern wird das System bereits angewandt. Nun aber wird auf zwei Abschnitten eine Anlage der neuesten Generation installiert. Neben der A 6 im Aaretal ist die A 14 zwischen Luzern und Zug betroffen.

Zwischen Bern und Thun wurden in den letzten Monaten insgesamt 31 Signale an Brücken oder Stahlportalen installiert, 16 in Fahrtrichtung Thun, 15 in Richtung Bern. Mittels Radar erfasst das System das Verkehrs­aufkommen und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Falls ei­ne Verkehrsüberlastung droht, wird automatisch die Höchst­geschwindigkeit gesenkt. Auch Hinweise auf Staus oder Unfälle sind möglich. Die Kosten betragen 5 Millionen Franken.

Bei 80 Stunden­kilometern ist die Kapazität am höchsten.

David Wetter, Astra Thun

Die jährlich 24'000 Staustunden in der Schweiz seien zu 90 Prozent auf überlastete Stras­sen zurückzuführen, sagt Wetter. Mit dem System könne Stau verhindert und die Leistungsfähigkeit der Autobahnen erhöht werden. «Bei 80 Stundenkilometern ist die Kapazität am höchsten», betont er. Das System sorge zudem dafür, dass der Handorgel­effekt verhindert werde und die Überholspur besser ausgelastet sei als die Normalspur. Es trage letztlich zur Verflüssigung des Verkehrs und zu mehr Sicherheit bei.

Auch die Berner Kantonspolizei verspricht sich viel vom System. Bisher mussten beispielsweise bei Unfällen Patrouillen ausrücken und Signale aufstellen. «Nun können wir das Tempo sofort reduzieren und Warnsignale einblenden», sagt Markus Haldemann, Chef Verkehr bei der Kapo. Somit werde die Gefahr von Auffahrunfällen erheblich gesenkt.

Zwischen Rubigen und Muri sei jeder zweite Unfall auf zu viel Verkehr und zu kleine Abstände zurückzuführen. «Die Sicherheit wird massiv erhöht.» Die Kantonspolizei hat von ihren drei Einsatzzentralen in Bern, Biel und Thun aus Zugriff auf das System und kann die Höchstgeschwindigkeit bis auf Tempo 60 drücken. Neben der Kapo kann auch die Verkehrs­managementzentrale des Astra in Emmen das System bedienen.

Statistiken beschäftigen

Das GHGW-System wird am 9. Januar in Betrieb genommen – und sich dann wohl regelmässig einschalten – jedenfalls zu den Stosszeiten vor den Toren Berns. «Es kann gut sein, dass künftig morgens ab Kiesen Tempo 100 und ab Rubigen Tempo 80 an­gezeigt wird», sagt Alex Segginger, zuständiger Elektrotechniker. Zwischen den Anschlüssen Kiesen und Thun-Nord werde es sicher weniger zum Tragen kommen.

Das neue System soll künftig auch auf weiteren neuralgischen Autobahnabschnitten eingeführt werden, aber nicht auf dem ganzen Netz. Segginger nennt noch einen weiteren Aspekt des neuen Systems; es erfasst eine Vielzahl von Daten zum Verkehrsverhalten. «Es werden sich viele Leute mit Statistiken beschäftigen.»

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