Avag: Wer viel Karton anliefert, muss zahlen

Thun/Oberland

Der Preiszerfall beim Altkarton hat Konsequenzen: Für grössere Anlieferungen verlangt die Avag seit Anfang Jahr 50 Franken pro Tonne.

Bisher sind von der neuen Preispolitik nur Grosskunden der Avag betroffen, beträgt doch die Mindestmenge Altkarton 200 Kilogramm.

Bisher sind von der neuen Preispolitik nur Grosskunden der Avag betroffen, beträgt doch die Mindestmenge Altkarton 200 Kilogramm.

(Bild: Archiv)

«Der Schritt ist unumgänglich geworden», schreibt die AG für Abfallverwertung (Avag) in einem am Dienstag versandten Mediencommuniqué. Sie spricht damit den Preiszerfall auf dem Kartonmarkt an, der im letzten Juni einsetzte.

Der Hintergrund: Für den Onlinehandel werden jedes Jahr Millionen von Kartonpaketen aus China nach Europa geliefert. Doch die Chinesen haben eine Kehrtwende in ihrer Recyclingpolitik vollzogen. Sie wollen den Karton aus Europa nicht mehr zurücknehmen und wiederverwerten. In Zahlen ausgedrückt heisst das: «Die Importe fielen von 29 Millionen Tonnen Altpapier und -karton im Jahr 2017 auf 10 Millionen Tonnen im letzten Jahr», wie die Avag schreibt. Das führt dazu, dass sich in Europa der Altkarton stapelt und die Preise ins Bodenlose fallen.

Avag musste handeln

«Die Preisentwicklung setzt sich auch im neuen Jahr fort», erklärt die Avag nun. Und weil die Prozesse wie die Annahme des Kartons, das Pressen zu Ballen oder die Zwischenlagerung bereits seit längerem nicht mehr durch die Markterlöse gedeckt seien, sehe sie sich zum Handeln gezwungen. Sprich: Wer über 200 Kilogramm Karton anliefert, wird seit Anfang Jahr zur Kasse gebeten.

50 Franken pro Tonne verlangt die Avag von ihren Grosskunden, das sind unter anderem auch die 130 Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet, das das Aare-, Gürbe- und Emmental sowie das ganze Berner Oberland umfasst. Bis zu 200 Kilogramm bleiben Kartonanlieferungen nach wie vor gratis. Dies im Gegensatz zur Praxis in anderen Regionen der Schweiz, wie die Avag betont.

Ziehen Gemeinden nach?

Noch nicht klar ist, was diese neue Praxis für die anderen ­Entsorgungsmöglichkeiten wie Werkhöfe oder die Sammeltouren bedeutet, da diese in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Gemeinden fallen. Das bernische Rapperswil, das seit dem 1. November 10 Rappen pro Kilogramm verlangt, stellt derzeit noch eine Ausnahme dar. Bleiben die Preise aber langfristig im Keller, dürften künftig andere Gemeinden nachziehen. Denn gemäss Gesetz muss die Abfallverwertung kostendeckend sein.

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