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Arabesque zelebrierte ein starkes Stück

Das Jugendsinfonieorchester Arabesque präsentierte zusammen mit der Sinfonietta Mosaïque in fast voll besetzter Thuner Stadtkirche Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4.

Christina Burghagen
Das Jugendsinfonieorchester Arabesque und die Sinfonietta Mosaïque in der Thuner Stadtkirche. Foto: Markus Hubacher
Das Jugendsinfonieorchester Arabesque und die Sinfonietta Mosaïque in der Thuner Stadtkirche. Foto: Markus Hubacher

«Eigentlich wollte ich nur eine symphonische Humoreske schreiben, und da ist mir das normale Mass einer Symphonie daraus geworden.» So beschrieb der Komponist Gustav Mahler das Entstehen seiner Sinfonie Nr. 4. Das hört sich so an, als ob er versehentlich viel zu viel Reis gekocht hätte. Dieses starke Stück wählte das Jugendsinfonieorchester Arabesque als anspruchsvolles Projekt zusammen mit dem Berner Ensemble Sinfonietta Mosaïque unter Leitung von Georgios Balatsinos.

Das Publikum war entzückt und verwirrt zugleich. Dass die Sinfonie eine grosse Dimension bekam, liegt vermutlich an den reichen und plastischen Darstellungen des Liedes «Das himmlische Leben» im vierten Satz. Da heisst es etwa: «Wir führen ein geduldig’s, unschuldig’s, geduldig’s, ein liebliches Lämmlein zu Tod! Sankt Lucas den Ochsen tät schlachten ohn’ einig’s Bedenken und Trachten! Der Wein kost’ kein Heller im himmlischen Keller!»

Ein derbes musikalisches Jenseits

In diesem Lied vom himmlischen Leben, brillant gesungen von der Thuner Sopranistin Leticia Kahraman, zeichnet Mahler ein musikalisches Jenseits, das derber kaum sein könnte. Der Hörer findet sich in einem Stall voller blökender, schnaubender und schreiender Tiere wieder. Diverse Heilige befinden sich dort. Und warum Herodes im Himmel verweilt, erschliesst sich nicht ganz. Leider war, zumindest in den hinteren Reihen der Kirche, der gesungene Text nur schwer zu verstehen.

Die ersten drei Sätze der vierten Sinfonie beziehen sich auf dieses Finale. Traumwelten voller Melancholie und Albträume, in denen der Tod auf der Fidel spielt, werden immer wieder von schlichten Volksmusiken unterbrochen, zuweilen abrupt. Eben noch lullte eine zart gespielte, leise Passage das Publikum ein, das sichtbar zusammenzuckte, als sich plötzlich laut die Pauke Gehör verschaffte.

Bereits bei der Uraufführung des Werkes am 9.November 1901 reagierten Kritiker irritiert: «Die Thematik weist kaum eine Originalität auf, vielfach verliert sie sich in das Phrasenhafte oder macht eine billige Anleihe beim wienerisch oder steiermärkisch Volkstümlichen.»

Doch als magisch empfunden wird heute das gerne aufgeführte mahlersche Werk, das sich zieht. Denn Gustav Mahlers vierte Sinfonie in G-Dur schickt die Fantasie auf eine Reise. Zwar hat der Komponist seinem Werk keinerlei Programm mit auf den Weg gegeben bis auf den Text des Liedes im vierten Satz, aber die Musik ruft dennoch Assoziationen hervor. Märchenwelten, aber auch innerer Schmerz, der zum tiefen Schrei wird, dringen ans Ohr.

Der Schluss der Sinfonie ist überraschend unspektakulär, was Dirigent Georgios Balatsinos sichtlich auskostete. Ein paar Wimpernschläge lang verharrte er reglos, bevor er durch seine Gestik das Ende der Sinfonie signalisierte. Das amüsierte nicht nur die Sopranistin, sondern auch die rund 300 Konzertgäste, bevor die Applausbrandung einsetzte.

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