Thun/Manila

Als digitaler Nomade auf den Philippinen

Thun/ManilaOrtsunabhängig leben und arbeiten: Diesen Traum hegte Manuel Schuster aus Thun schon lange. Heute lebt er auf den Philippinen. Sein Büro hat er in Form seines Laptops jederzeit mit dabei.

Als digitaler Nomade arbeitet Manuel Schuster von überall aus, auch mal vom Strand.

Als digitaler Nomade arbeitet Manuel Schuster von überall aus, auch mal vom Strand. Bild: zvg

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Unglücklich war er in seinem Schweizer Leben nicht. Aber um die Welt zu reisen und gleichzeitig überall seiner Arbeit nach­gehen zu können, das habe ihn schon früh gereizt. Ende 2015 machte der heute 27-jährige Manuel Schuster seinen Traum wahr. Er lebt heute die meiste Zeit über auf den Philippinen.

Seine Arbeit brachte er gleich selber mit: Schuster berät als Selbstständiger Unternehmen rund um das Thema Onlinemarketing, gestaltet und betreut Websites und verschiedene Onlineshops. All das geht via Internet, losgelöst von einem fixen Standort.

Nach einer Lehre als Mediamatiker, die er nicht abschloss, arbeitete Schuster in Agenturen und als Freelancer im Webdesign und landete schliesslich als Onlinemarketing-Manager bei Media-Markt. «Ich fand meinen Job super, sehnte mich aber nach mehr Freiheit», sagt Schuster.

Im November 2015 war es so weit: Er hatte Kunden, für die er regelmässig arbeitete, und konnte sich dadurch ein geregeltes Einkommen sichern. Wo genau er vor dem Computer sass, spielte dabei keine Rolle. Er zog auf die Philippinen. Einige Kunden seien zwar skeptisch gewesen gegenüber dem Freelancer, der von einem anderen Kontinent aus arbeitete. «Als sie merkten, dass ich meinen Job zuverlässig mache und nicht nur am Strand liege, war die Distanz aber kein Problem mehr», sagt Schuster.

So wurde er zum digitalen Nomaden, wobei dies nicht zwingend heissen müsse, dass er ständig umherziehe. Es bedeute eher, dass er theoretisch von nahezu überall auf der Welt arbeiten könne, erklärt Schuster.

Der Liebe wegen geblieben

Schusters ursprünglicher Plan sah nicht vor, längere Zeit an einem Ort zu bleiben. Vielmehr wollte der gebürtige Thuner ganz Asien bereisen und gleichzeitig seine Kunden betreuen. Die Philippinen erklärte er der Liebe wegen zur ersten Station seiner Reise. In Barcelona hatte er seine heutige Partnerin, eine Filipina, kennen gelernt, nun folgte er ihr in ihre Heimat. Vor Ort gefiel es ihm so gut, dass er sich vorerst zum Bleiben entschloss.

Er war ausserdem auf eine Geschäftsidee gestossen: «Vor meiner Reise wollte ich mich über die Philippinen schlaumachen. Es war aber schwieriger als gedacht, die gewünschten Informationen im Netz zu finden», sagt Schuster. Kurzerhand gründete er zusammen mit seiner Freundin das Onlinemagazin «Philihappy». Hier findet der Philippinen-Reisende Insiderinfos zu Unterkünften, den schönsten Stränden und allerlei Ausflugszielen auf dem Inselstaat.

«Der Erfolg gibt uns recht, das Magazin entwickelt sich sehr gut», sagt Schuster. «In einem Jahr konnten wir 300'000 Facebook-Fans für das Unternehmen generieren.» Sobald das Magazin genug Gewinn abwerfe, sollten einheimische Hilfsprojekte unterstützt werden. «Die Armut, die in den Slums rund um Manila zu sehen und zu spüren ist, hat mich sehr nachdenklich und betroffen gemacht.»

Schuster wohnt nach einem sechsmonatigen Aufenthalt auf der Insel Boracay heute wieder in der Hauptstadt Manila. «Auf die Internetverbindung in Boracay war nicht immer Verlass. Da unser Unternehmen weiter wachsen soll, entschlossen wir uns, erst mal in Manila zu bleiben», sagt er und fügt hinzu, dass er in Zukunft aber gern wieder einen Strand vor der Haustür hätte.

Das schöne Wetter und die Möglichkeit, nach Arbeitsschluss ins Meer zu springen, schätzt Schuster besonders an seiner neuen Heimat. «Ausserdem kann ich mir hier ein viel komfortableres Leben leisten, als ich das mit meinem Gehalt in der Schweiz je könnte», sagt Schuster. Eine Rückkehr sei nicht geplant, doch: «Ich vermisse meine Familie – und gutes Schweizer Brot.»

Tipps für Neu-Nomaden

Auf seinem persönlichen Blog schreibt Schuster über Onlinemarketing und digitalen Nomadismus. Er gibt Tipps für bereits aktive und zukünftiger Blogger. So will er andere Leute dazu motivieren, sich auch eine ortsunabhängige Existenz aufzubauen.

2018 nimmt sich Schuster mit seiner Freundin ein Jahr Zeit, andere asiatische Länder kennen zu lernen und seine einstigen Reisepläne zu verwirklichen: «Gut möglich, dass wir in Regionen, in denen die Internetverbindung und damit die Betreuung meiner Kunden gesichert ist, einige Zeit verweilen. Aber die Philippinen sind meine zweite Heimat, und ich werde wieder hierher zurückkommen.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 15.05.2017, 20:22 Uhr

Digitale Nomaden

Digitale Nomaden, auch Internetnomaden genannt, sind Menschen, die ihre Arbeit zum Grossteil via Internet erledigen. Dies ermöglicht vielen von ihnen ein ortsunabhängiges Leben, da sie von überall aus arbeiten können, solange die entsprechende technische Infrastruktur zur Verfügung steht.

Der Begriff wurde vom kanadischen Kommunikationstheoretiker Herbert Marshall McLuhan geprägt. Er sprach in den 1960er-Jahren erstmals davon, dass der Mensch im elektronischen Zeitalter zum «nomadischen Informationssammler» werden würde.

Die Berufe der digitalen Nomaden sind vielseitig, oftmals wird ein eigener Blog oder gar ein eigenes Unternehmen betrieben. Viele sind wie Manuel Schuster im Onlinemarketing oder im E-Commerce tätig. Auch technische Berufe wie Grafik- oder Webdesigner und Softwareentwickler finden sich unter den digitalen Nomaden.

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