In der Rushhour im Wohnmobil durch Moskau

Die grosse Reise

Ursula Haller und Reto Vannini sind auf ihrer siebenmonatigen Reise auf der Seidenstrasse am Fuss des Uralgebirges angelangt. Ein erstes Highlight war der Aufenthalt in Moskau.

Ursula Haller vor ihrem Wohnmobil: Dieses gehört in der internationalen Reisegruppe zu den kleineren, aber schnelleren Modellen.

Ursula Haller vor ihrem Wohnmobil: Dieses gehört in der internationalen Reisegruppe zu den kleineren, aber schnelleren Modellen.

(Bild: zvg)

Die Redaktion des «Thuner Tagblatts» hat uns gefragt, ob wir sporadisch von unserer Reise erzählen möchten. Wir tun dies natürlich sehr gerne. Wir möchten aber nicht primär berichten, was wir wann wo gesehen haben.

Vielmehr möchten wir zeigen, dass das Reisen im Wohnmobil (die Quadratmeter, die uns zur Verfügung stehen, wären wohl gemäss Europäischer Menschenrechtskonvention nicht einmal konform...) durchaus spannend, aber eben auch sehr anspruchsvoll sein kann.

Zumindest kann es durchaus auch zu einem Bewährungstest für unsere Beziehung werden, denn es gibt keine grossen Möglichkeiten, sich aus dem Wege zu gehen, wenn «die Luft dick» ist. Wir möchten deshalb viel lieber von ganz alltäglichen Ereignissen, von spannenden Begegnungen, berührenden oder allenfalls auch skurrilen Erlebnissen berichten.

Keine Rede von Ferien

Am 2. Mai sind wir – endlich! – gestartet, das fast sieben Monate dauernde Abenteuer hat begonnen. Die Reiseleitung hatte uns vorgängig gewarnt, von Ferien könne man bestimmt nicht reden. Aber es ist bis jetzt alles rundgelaufen.

Die Anreise via Deutschland, die Überfahrt mit der Fähre nach Klaipeda, die Fahrt durch Litauen und Lettland bis nach Riga verlief problemlos. Auf einer meist fast pfeifenge­raden Strasse durch wenig bis kaum besiedelte Gebiete, durch wunderschöne Wälder mit sehr vielen weisssilbrig glänzenden Birken, erreichten wir die Hauptstadt Lettlands, Riga.

Bunt gemischte Gruppe

Hier ist auch der Treffpunkt unserer bunt zusammen gewürfelten Gruppe Menschen, die gemeinsam, alle mit ihren eigenen Wohnmobilen, die Länder Estland, Russland, Mongolei, China, Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan, Iran, Armenien und Georgien bereisen und danach wieder individuell nach Hause zurückkehren werden: Paare aus Österreich, Italien, Luxemburg, Deutschland und der Schweiz.

Vom Goldschmied bis zum Schreinermeister, vom Radiologen bis zum Braumeister, vom ehemaligen Gastronomen bis zum Filmemacher, vom Elektriker bis zum Pfarrer, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Viele im Ruhestand, andere kurz davor. Eine lange Reise, fast einmal um die Welt – allerdings nicht in 80, sondern in etwa 200 Tagen.

Auto aus Spielzeugabteilung?

Ganz fest hoffen wir natürlich, dass uns unser Wohnmobil nicht im Stich lassen wird. Apropos: Einen Stich ins Herz hat uns die doch sehr provokative Frage eines alterfahrenen Wohnmobi­listen versetzt, als er uns fragte: «Habt ihr euer Auto in der Spielzeugabteilung gekauft?»

Aber sie ist nicht ganz unberechtigt, denn unser Auto gehört wohl eher zu den Kleinen. Aber es zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität. Und hier dürfen wir fast ein wenig süffisant feststellen: Die grossen Brummer sind nicht die schnellsten.

Rushhour in Moskau

Nach Hunderten von Kilometern durch dünn besiedeltes Gebiet, erreichen wir am 5. Mai auf einer zehnspurigen Autobahn zur Rushhour (!) Moskau. 14 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche von 1100 Quadrat­kilometern.

Wir lassen uns von einer sehr kompetenten Fremdenführerin die unzähligen einzigartig schönen Gebäuden zeigen, wir begeben uns zu Fuss auf den berühmten Roten Platz, besuchen selbstverständlich auch den Kreml. Leider hat der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, keine Zeit, uns jetzt persönlich zu empfangen – schade!

Wir stehen alle ehrfürchtig in den unzähligen wunderschönen Kirchen, Klöstern und Kathedralen und lassen die einzigartige, kaum zu beschreibende feierliche Stimmung dieser russisch-orthodoxen Gotteshäuser auf uns wirken. Sie spricht sämtliche Sinne in uns an, für einmal vergisst man alles rundherum.

Weiter geht die Reise Richtung Osten. Es ist absolut spannend, den Vielvölkerstaat Russland, die Voruralrepubliken Tschuwaschien, Tatarstan und Udmurtien (3 von 22 Teilrepubliken Russlands) erfahren und deren Bewohner näher kennen zu lernen. Mehr dazu im nächsten Bericht.

Die frühere Thuner National- und Gemeinderätin Ursula Haller und ihr Ehemann Reto Vannini bereisen während sieben Monaten die Seidenstrasse. Sie berichten etwa einmal pro Monat von ihrer 40'000 Kilometer langen Reise.

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