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30'000 Schindeln, 27'000 Ziegel und jede Menge Farbe

Die Sanierung der Kirche ist abgeschlossen, das markante Gebäude erstrahlt in neuem Glanz. Untersuchungen ergaben, dass der Turm wesentlich älter ist, als bisher angenommen wurde.

Die Kirche Sigriswil nach der Sanierung.
Die Kirche Sigriswil nach der Sanierung.
Patric Spahni

«Immer wieder sprechen mich Leute auf die Sanierung der Kirche an und betonen, dass das Gebäude im Aussehen gewonnen hat», erklärte der Kirchgemeindepräsident Robert Schoch gegenüber dieser Zeitung. Und die Kirchgemeinderatspräsidentin Marianne Vogt ergänzte: «Die Kirche Sigriswil ist als Zentrum der Kirchgemeinde wichtig, damit sich diese auch nach innen entwickeln kann.»

Fast 40 Jahre alt

Morsche Schindeln auf der Abdeckung des Turmes, schadhafte Ziegel auf dem Dach des Kirchenschiffes sowie Algen an den Fassaden machten eine Sanierung der Kirche nötig. Bereits im März wurden die Aussenfundamente freigelegt und eine Drainageleitung verlegt, damit das Sickerwasser abfliessen kann. Dadurch wird das Eindringen von Feuchtigkeit in die Mauern und in den Aussenputz verhindert. Teile des Verputzes, die wegen Feuchtigkeit locker waren, wurden entfernt und später neu aufgezogen.

Fast 40 Jahre hat das Schindeldach des Turmes Wind und Wetter standgehalten. Dieses musste nun ersetzt werden. Dafür lieferte die auf Schindeln spezialisierte Josef Bucher AG aus Escholzmatt über 30000 von Hand gemachte Nagelschindeln nach Sigriswil. «Dazu haben wir rund 8 Kubikmeter reines Spaltholz verwendet», erklärte der Firmenbesitzer Hansjörg Bucher.

Die Fichten stammen aus dem Gebiet Oberei-Süderen-Schallenberg und sind auf einer Höhe von 1200 bis 1400 Meter über Meer gewachsen. Die 180 bis250 Jahre alten Fichten sind sehr «feinjährig» (Jahrringe) gewachsen, was für deren Widerstandsfähigkeit wichtig ist. «Für meine Firma mit zwei Mitarbeitern war es ein besonderes Vorrecht, das Turmdach mit neuen Nagelschindeln einzudecken», betonte der Dachdeckermeister Fritz Tschanz.

Für das Dach des Kirchenschiffes hat er zudem, nachdem ein solides Unterdach montiert worden war, 27000 neue Biberschwanzziegel verlegt. Die aufwendigen Spenglerarbeiten wurden durch die Firma Andy Kämpf ausgeführt.

Turm ist wesentlich älter

Gespannt wartete der Kirchgemeinderat auf das Öffnen der Kugel auf der Turmspitze und der Dachknöpfe. Zum Vorschein kamen einige alte Fotos, weitere Dokumente und ein «Blick» mit einem Artikel «Bundesrat Ritschard öffnet sein Herz». Vor der Neumontage der Turmkugel wurden in diese zu den bisherigen Dokumenten neu das Buch «E Hutte voll Zyt» von Thomas Lindt, Unterlagen zur Dendrochronologie – die Jahrringuntersuchung – des Turmes und die Gemeindemappe der Kirchgemeinde Sigriswil eingelötet.

Auch die Dendrochronologie hat keine neuen Erkenntnisse über das Alter der Kirche gebracht. Sie hat aber ergeben, dass der Turm wesentlich älter ist als bisher angenommen – er stammt nämlich aus dem Mittelalter. Von den fünfzehn durch den Archäologischen Dienst des Kantons Bern gemessenen Proben konnten vierzehn sicher datiert werden. Sie ergaben beim Kirchenschiff, dass die Hölzer aus der Zeit von 1676/1677 stammen. Diejenigen des Turmes von 1456/1457.

Gebläse gegen Algenbelag

Vor dem Neuanstrich der Fassaden mussten diese mit Wasser gewaschen werden. Auf der Nordseite galt es, den Algenbelag mit einem Sandstrahlgebläse und auf den übrigen Teilen der Aussenmauern die alte Farbe mit Stahlbürsten zu entfernen.

«Die Kirche erhält einen optimalen Schutz gegen Witterungseinflüsse, Schmutz und Algenbefall.»

Architekt Adrian Bühler

Nach den Grundierungen erhielten die Aussenwände drei Anstriche mit weisser Mineralfarbe mit Kalkschlämme, die mit dem Pinsel aufgetragen wurden. «Damit erhält die Kirche einen optimalen Schutz gegen Witterungseinflüsse, Schmutz und Algenbefall», erklärte der Architekt Adrian Bühler.

Vor allem Eigenmittel

Für die Aussenrenovation der Kirche Sigriswil wurde mit Kosten von 640'000 Franken gerechnet. Die kantonale Denkmalpflege hat einem Beitrag von 100'000 Franken in Aussicht gestellt. Die Finanzierung erfolgt zu einem Drittel aus Eigenmitteln der Kirchgemeinde und zu zwei Dritteln aus einem längerfristigen Bankkredit.

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